Raumflug-Simulation: "Mars500"-Besatzung muss 240 Tage Langeweile überstehen

Den Roten Planeten haben sie in ihrer Simulation erreicht - doch jetzt beginnt für die Teilnehmer des "Mars500"-Experiments die schwierigste Phase: 240 lange Tage müssen sie in ihrem Container den Rückflug zur Erde nachstellen. Die Leiter des Versuchs fürchten psychologische Probleme.

Luke eines "Mars500"-Moduls: 240 Tage Langeweile Zur Großansicht
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Luke eines "Mars500"-Moduls: 240 Tage Langeweile

Es war der Höhepunkt ihrer simulierten Reise ins All: 250 Tage waren die die Teilnehmer des "Mars500"-Experiments in ihrem 180 Quadratmeter großen Containersystem in Moskau eingesperrt. Dann hatten sie den Roten Planeten erreicht. Drei der "Astronauten" - der Italiener Diego Urbina, der Russe Alexander Smolejewski und der Chinese Wang Yue - durften in einen anderen Container aussteigen und einen Monat lang den Ausstieg auf die Mars-Oberfläche nachstellen.

Jetzt ist das Trio wieder an Bord. Am Sonntag sei die Luke zwischen den Modulen geöffnet worden, teilte das Moskauer Institut für biomedizinische Probleme (IMBP) nach Angaben der Agentur Interfax mit. "Jetzt kommt mit dem achtmonatigen Rückflug die wohl schwerste Phase", sagte Peter Gräf vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Mannschaft müsse sich nun mit "einer völlig neuen Situation" auseinandersetzen. "Der Höhepunkt - die Mars-Landung - ist vorbei, nun muss sich die Crew auf neue Ziele einschwören."

Als besonders schwierig könnte es sich erweisen, die simulierte Landung von nur drei Männern auf dem Roten Planeten als Teamleistung zu verstehen. Denn die drei anderen "Mars500"-Teilnehmer - die Russen Alexej Sitjow und Suchrob Kamolow sowie Romain Charles aus Frankreich - blieben drinnen. "Obwohl drei Teilnehmer vom Mutterschiff aus zusehen mussten, soll der Erfolg dem ganzen Team zugeordnet werden", sagte Gräf. "Da müssen die Psychologen, die das Experiment von außen überwachen, hellhörig sein, dass kein großer Streit aufkommt."

Zudem droht ein weiteres Problem: die Langeweile. "Auf dem Hinweg konnten sie sich auf die Landung freuen", sagte Ex-Kosmonaut Boris Morukow. "Auf dem Rückweg aber droht ihnen die große Monotonie."

mbe/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Was ist am Rückweg langweiliger?
Alderamin 28.02.2011
Zitat von sysopDen Roten Planeten haben sie in ihrer Simulation erreicht - doch jetzt beginnt für die Teilnehmer des "Mars500"-Experiments die schwierigste Phase: 240 lange Tage müssen sie in ihrem Container den Rückflug zur Erde nachstellen. Die Leiter des Versuchs fürchten psychologische Probleme. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,748055,00.html
Erstens sind Sie ja nicht auf dem echten Mars gelandet, und das war ihnen bewusst, also wird die Freude darüber auch nicht so üppig gewesen sein. Zweitens können sie sich beim Rückweg auf die baldige Befreiung aus ihrer Röhre freuen, und die ist echt. Das würde für eine echte Marsexpedition umso mehr gelten, der gefährlichste Teil, Landung und Wiederaufstieg, läge ja dann hinter den Astronauten, und mit jedem Tag käme die rettende Erde ein wenig näher. Der Rückweg erscheint doch auch in der Alltagserfahrung meistens kürzer als der Hinweg. Ich kann das im Artikel angesprochene Problem absolut nicht nachvollziehen.
2. Struktureller Frieden
neo von terra 28.02.2011
Diese Simlulation hat einen gewaltigen Haken, der den Wissenschaftlern durchaus bewusst sein dürfte. Die Versuchsteilnehmer sind bei einer echten Marsmission fast 2 Jahre lang faktisch außerhalb der praktischen Eingriffsmöglichkeit von Polizei und Justiz unserer Gesellschaft. Die große Gefahr ist also der soziale Friede und ein ernster Streit zwischen den Astronauten, die sich nicht aus dem Weg gehen können. Ähnlich wie in Satres Bühnenstück "Geschlossene Gesellschaft" oder bei einer Atlantiküberquerung mit einer Segeljacht, die vor Jahren aus ähnlichen Gründen in eine soziale Tragödie mit 2 Toten führte, wird hier der Mangel unserer Gesellschaft an einer sozialen Kultur, die Gewalt ausschließt, besonders deutlich. Mit einem schmunzeln sehe ich hier, dass eine Eroberung fremder Planeten vielleicht erst dann möglich ist, wenn unsere Spezies fähig ist (mindestens 500 Tage) mit sich selbst als Gruppe im echten sozialen Frieden zu leben. Ich denke deshalb, dass das Mars 500 Projekt etwas mit dem geplanten www.RealTheater.de Projekt zu tun hat. Das Realtheater Projekt möchte in experimentellen Versuchsreihen und Best-Case Simulationen herausfinden ob und wie man "strukturellen Frieden" erreichen kann. Darüber hinausgehend wäre hier eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Thema "Schauspielmethodik" sehr passend. Ich kenne nichts anderes als gemeinsames Schauspiel und Kunst (auch z. B. gemeinsame Jam Sessions), das dieser Gruppe besser tun könnte um 240 öde Tage zu überstehen.
3. Mord und Totschlag?
Alderamin 28.02.2011
Zitat von neo von terraDie Versuchsteilnehmer sind bei einer echten Marsmission fast 2 Jahre lang faktisch außerhalb der praktischen Eingriffsmöglichkeit von Polizei und .....
Abgesehen davon, dass sie ja durchaus nach der Rückkehr justiziabel wären, worüber sie sich im Klaren sein sollten, sind sie ja ständig mit der Erde in Kontakt und unter permanenter Überwachung (auch wenn es bis zu 20 Minuten Laufzeitverzögerung gibt). Krisen bahnen sich allmählich an, da kann man von der Erde aus rechtzeitig psychologischen Rat erteilen. Man wird wohl auch Kandidaten auswählen, die psychologisch stabil sind. Außerdem gibt es genug Beispiele, wo Menschen ebenfalls lange auf engem Raum miteinander auskommen müssen, ohne dass es gleich Mord- und Totschlag gibt. Z.B. auf Schiffen, U-Booten, Antarktisstationen und der ISS. Und die alten Segler waren früher auch oft jahrelang unterwegs. Pathologische Fälle kann es natürlich immer mal geben, aber bei so einem Unternehmen ließe sich dass ziemlich sicher ausschließen, denke ich.
4. .
bananenfan 28.02.2011
Zitat von AlderaminDer Rückweg erscheint doch auch in der Alltagserfahrung meistens kürzer als der Hinweg. Ich kann das im Artikel angesprochene Problem absolut nicht nachvollziehen.
Kann ich nicht bestätigen. Bei langen Reisen kommt mir der Rückflug immer länger vor als der Hinweg. Denn auf dem Hinweg ist man noch aufgeregt, was einen am Ziel erwartet, während man auf dem Rückweg nur noch möglichst schnell nach hause will. Ich finde 12 Stunden lange Flüge schon sehr monoton, trotz Bord Entertainment. Kann mir also schon vorstellen, das jetzt die schlimmste Phase beginnt.
5. .
MarkusB 28.02.2011
Im Gegensatz zu den Männern unter Christoph Columbus, Vasco da Gamma und Co. müssen sich Reisende auf dem Weg zum Mars nicht vor Meerungeheuern und Meeresstrudel fürchten. Des weiteren wissen sie wann wieder Land in Sicht kommt und Skorbut sollte auch kein Problem darstellen. Unsere Vorfahren haben da sicher etwas mehr Mut und Gottvertrauen benötigt.
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