Nasa-Video Raumkapsel lässt die Luft glühen

Die Bordkamera des Raumschiffs "Orion" liefert spektakuläre Aufnahmen: Als die Nasa-Kapsel mit 30.000 Stundenkilometern Richtung Erde schoss, brachte sie die Luft farbenreich zum Glühen.

Nasa

Hamburg - "Das ist ein großer Tag für Menschen, die das Weltall lieben", jubelte Nasa-Chef Charles Bolden, als "Orion" landete. Die Raumkapsel soll den USA neue Wege ins All öffnen; "Orion" soll Astronauten zum Mond, auf einen Asteroiden oder noch weiter fliegen. Ein Video zeigt die dramatischen letzten Minuten des ersten Testflugs am 5. Dezember.

Lange war "Orion" nicht unterwegs, sein unbemannter Erstflug dauerte viereinhalb Stunden. Eine Schwerlastrakete vom Typ Delta IV hatte das neue Nasa-Raumschiff in die Erdumlaufbahn geschossen.

Das Raumschiff drehte zwei Runden um die Erde: Die erste in 200 bis 900 Kilometern Höhe. Dann feuerte die Oberstufe der Rakete noch einmal für fünf Minuten, um "Orion" bis in eine Höhe von 5800 Kilometern zu katapultieren - mehr als zehnmal höher als die Internationale Raumstation ISS schwebt, sie umkreist die Erde in etwa 400 Kilometern Höhe.

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Raumschiff "Orion": Testflug für eine neue Raumflug-Ära
Es folgte der Landeanflug, eine entscheidende Phase: Der Testflug sollte klären, ob der Hitzeschild von "Orion" Temperaturen von mehr als 2000 Grad Celsius beim Wiedereintritt in die Atmosphäre standhält. Mit Spannung erwarteten die Nasa-Ingenieure zudem Messungen der Strahlung in der Kapsel, schließlich sollen irgendwann Menschen mit "Orion" fliegen.

Die Raumkapsel schlägt auf, Wasser spritzt

Eine Kamera an Bord der Kapsel zeichnete auf, was Astronauten gesehen hätten. Zehn Minuten vor der Landung drang "Orion" mit mehr als 30.000 Stundenkilometern in die Atmosphäre, plötzlich bremste der Luftwiderstand. Die Reibung der Raumkapsel erhitzte die Luft auf 2200 Grad - sie begann zu glühen. Russische Sojus-Kapseln, die von der Raumstation ISS zurückfliegen, sind nicht mal halb so schnell - und entsprechend weniger unter Druck.

Der Aufprall des Raumschiffs riss die Luftteilchen auseinander, Plasma entstand, es leuchtete in grellen Farben: Erst weiß, dann gelb, bald violett. "Orion" überstand den Härtetest. Schließlich wurde die Vollbremsung eingeleitet: Rot-Weiß gestreifte Fallschirme schossen hervor. Gemütlich gondelte das Raumschiff mit 30 Stundenkilometern seinem Ziel entgegen, dem Pazifik. Das Video dokumentiert die erfolgreiche Landung: Die Raumkapsel schlägt auf, Wasser spritzt.

Beim nächsten Testflug sollen die Bedingungen weiter verschärft werden: "Orion" soll höher steigen, um dann noch schneller fallen, um die Rückkehr von weiter Reise zu simulieren.

Mit "Orion" will die Nasa Aufbruchstimmung erzeugen. Ihre Spaceshuttles sind seit 2011 außer Betrieb, bemannte Routineflüge zur Raumstation ISS führen die Russen und ab 2017 zwei Privatunternehmen aus den USA durch. Die Nasa selbst konzentriert sich nun auf Ziele außerhalb des Erdorbits. Ein erster bemannter Flug in einer "Orion"-Kapsel ist nicht vor 2021 geplant. Mitte der 2030er Jahre könnte die Nasa mit der Raumkapsel Menschen zum Mars befördern.

boj



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analyse 22.12.2014
1. 1. Was hätte man mit den Milliarden alles machen können!
2. Ist doch toll,was für Unnützes deswegen nicht gemacht wurde !
xfor 22.12.2014
2. 30.000 Stundenkilometer
Eigentlich wollte ich leicht sarkastisch und rhetorisch fragen, was dein bitte ein Stundenkilometer sei ... Da hier aber sonst keiner Ironie versteht, mach ich es auf die langweilige Art: "STUNDENKILOMETER" IST FALSCH, das gibt es nicht, nie wieder verwenden, es ist einfach nur ein großer Fehler .... wenn dann bitte "Kilometer in der Stunde" "Kilometer pro Stunde" "jede Stunde X Kilometer" aber never ever diese Abscheulichkeit von "Stundenkilometer"
der.tommy 22.12.2014
3. @xfor
So recht ich Ihnen gebe. Aber das ist nunmal umgangssprachlich. Und es versteht auch jeder das richtige darunter. Wohl nahezu niemand dürfe dabei an Kilometer mal Stunde denken. Kommentieren Sie doch lieber sinnvoll diesen Artikel. Interessant wäre zu wissen, welche Beschleunigung auf die Kapsel beim wiedereintritt gewirkt hat. Muss ja doch ein ziemlicher Rums gewesen sein, mit dem sie auf die athmosphäre geknallt ist.
tappstapps 22.12.2014
4.
Zitat von der.tommySo recht ich Ihnen gebe. Aber das ist nunmal umgangssprachlich. Und es versteht auch jeder das richtige darunter. Wohl nahezu niemand dürfe dabei an Kilometer mal Stunde denken. Kommentieren Sie doch lieber sinnvoll diesen Artikel. Interessant wäre zu wissen, welche Beschleunigung auf die Kapsel beim wiedereintritt gewirkt hat. Muss ja doch ein ziemlicher Rums gewesen sein, mit dem sie auf die athmosphäre geknallt ist.
Des Englischen mächtig? Wenn ja: https://www.youtube.com/watch?v=aW5ozq4Tqew Ausgangspunkt ist hier eine vom Mond mit ca. 40000 Stundenkilometern ;) ankommende Apollo-Kapsel. Spitzenwert der Verzögerung lag demnach bei 2.5 g. Das war weniger als kurz vor Brennschluss der ersten Stufe der Saturn V, als knapp 4 g anlagen. Orion dürfte sich in etwa vergleichbar verhalten, da die aerodynamischen Verhältnisse aufgrund der sehr ähnlichen Architektur gleichen.
xfor 22.12.2014
5.
Zitat von der.tommySo recht ich Ihnen gebe. Aber das ist nunmal umgangssprachlich. Und es versteht auch jeder das richtige darunter. Wohl nahezu niemand dürfe dabei an Kilometer mal Stunde denken. Kommentieren Sie doch lieber sinnvoll diesen Artikel. Interessant wäre zu wissen, welche Beschleunigung auf die Kapsel beim wiedereintritt gewirkt hat. Muss ja doch ein ziemlicher Rums gewesen sein, mit dem sie auf die athmosphäre geknallt ist.
Oki, damit kann ich dienen, habe mich kürzlich erst mit Wiedereintritten im Studium beschäftigt .... Den Rums gibt es nicht, da es keine scharfe Grenze gibt, die Dichte nimmt exponentiell mit der Höhe ab. Es ist wie in dem Gleichnis mit dem Frosch den man Kochen will, irgendwann ist die Dichte da und keiner kann sagen wann es Anfing. Somit steigt die Dichte kontinuierlich, während man tiefer sinkt. Im Gegensatz dazu ist die Beschleunigung quadratisch zu der relativ Geschwindigkeit abhängig, je langsamer man wird, desto weniger bremst man. Letzter entscheidender Punkt ist die Form der Kapsel. Bei Apollo (was der Orion-Kapsel ähnelt) entstand durchaus etwas Auftrieb, dies nutzte man, um die Beschleunigungen, welche auf die Besatzung zu Reduzieren. Und tatsächlich ist der Mensch hier der begrenzende Faktor, darum sind die Sitze auch so angeordnet, dass die Astronauten in die Sitze gepresst werden. Russische Sojus Kapseln haben ein Hitzeschild, welches es erlaubt auch andersrum wiedereinzutreten, dies ist aber nur eine Notfallmaßnahme, da es eine Qual für die Kosmonauten ist, ist aber schon mal vorgekommen, einmal hat es glaub ich sogar den Herrn Reiter erwischt
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