Peking - Das chinesische Raumschiff "Shenzhou 8" hat eine neue Kooperation zwischen Deutschland und China eingeleitet. Das Raumschiff hob am frühen Dienstagmorgen vom Weltraumbahnhof Jiuquan am Rande der Wüste Gobi ab, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. An Bord befindet sich auch eine deutsche Versuchsanlage.
Nach 20 Minuten erreichte das unbemannte Raumschiff seine vorgesehene Geschwindigkeit. "Shenzhou 8" soll an das Testmodul "Tiangong 1" andocken, das sich seit September im All befindet. Das Andockmanöver gilt als wichtiger Test für die geplante eigene Raumstation Chinas.
Die Flugkontrolle verkündete den "vollen Erfolg", nachdem die Sonnensegel erfolgreich ausgeklappt waren. "Es war ein Bilderbuchstart", berichtete der Forschungsleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Peter Preu, telefonisch vom Raumfahrtbahnhof in der Provinz Gansu der Nachrichtenagentur dpa in Peking. Mit der "Simbox" genannten deutschen Experimentieranlage schlagen Deutschland und China ein neues gemeinsames Kapitel in der Weltraumforschung auf. Sechs deutsche Universitäten sind beteiligt.
Andocken in 343 Kilometern Höhe
Die chinesische Seite wolle die Zusammenarbeit mit den Deutschen in Zukunft noch ausbauen, berichtete Preu. "Es wurde betont, dass es ein sehr wichtiger Schritt in Chinas Kooperation mit anderen Ländern ist." Die Organisation sei bestens gewesen. "Unsere chinesischen Kollegen tun alles, damit das Projekt ein Erfolg wird." Nach der Landung von "Shenzhou 8" am 17. November in der Inneren Mongolei werden die Proben von einem Bergungsteam mit einem Hubschrauber direkt zu Untersuchungen in ein Labor nach Peking gebracht.
Hauptzweck des 17-tägigen Fluges ist allerdings das erste chinesische Rendezvous im All. "Shenzhou 8" wird vom Boden ferngesteuert in 343 Kilometer Höhe an das Raummodul ankoppeln. "Es ist ziemlich schwierig und riskant", sagte die Sprecherin des Raumfahrtprogramms, Wu Ping. Im kommenden Jahr sind zwei weitere Flüge geplant, von denen mindestens einer bemannt sein wird. Dann sollen erstmals Astronauten, darunter möglicherweise zwei Frauen, den "Himmelspalast" wie eine Mini-Raumstation bewohnen.
China hinkt noch weit hinter anderen Raumfahrtnationen her. Das erste Andockmanöver hatte schon 1966 das US-Raumschiff Gemini 8 absolviert. Mit einem Erfolg von "Shenzhou 8" würde China zu den USA und Russland aufschließen. "Andocken ist schwierig, weil es präzise Kontrolle der Position und der Geschwindigkeit erfordert", sagte der australische Experte Morris Jones. "Wenn es jetzt klappt, wird es beim nächsten Mal einfacher, weil sich die Technologie bewährt hat."
Mit acht Tonnen ist die Testplattform "Tiangong 1" viel kleiner als etwa das US-Raumlabor "Skylab" von 1973 mit 80 Tonnen. Chinas künftige Raumstation soll rund 60 Tonnen schwer werden. Nach dem Auslaufen der Internationalen Raumstation ISS bis 2020 wäre China dann das einzige Land, das eine ständige Präsenz im Weltall hat.
hen/dpa/dapd
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