Raumsonde: Deutschland plant eigene Mond-Mission

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Deutschland plant einen nationalen Alleingang zum Mond. Schon im Jahr 2012 könnte die unbemannte Sonde starten und binnen vier Jahren den Erdtrabanten komplett kartieren. Die Kosten sollen zwischen 300 und 400 Millionen Euro liegen.

Hamburg - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat ehrgeizige Pläne: Deutschland soll aus eigener Kraft eine Mond-Forschungssonde entwickeln, bauen und zum Erdtrabanten schießen. Ein entsprechendes Konzept präsentierte das DLR am gestrigen Dienstag vor Parlamentariern in Berlin, berichtet die "Financial Times Deutschland". Der Vorschlag werde vom Berliner Wirtschaftsministerium wohlwollend geprüft.

Europäische Ariane-Rakete beim Start: Deutschland plant eigene Mond-Forschungssonde
AFP

Europäische Ariane-Rakete beim Start: Deutschland plant eigene Mond-Forschungssonde

Walter Döllinger, Direktor für Raumfahrtprogramme beim DLR, bestätigte den Bericht gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Die US-Regierung plant die Rückkehr zum Mond und hat damit ein weltumspannendes Wettrennen ausgelöst", sagte Döllinger. "Das sollten wir nicht an uns vorbeilaufen lassen."

Den Plänen des DLR zufolge soll die geplante Raumsonde den Mond binnen vier Jahren vollständig kartieren - mit einer Auflösung von einem Meter pro Bildpunkt. "Bisher sind nur 18 Prozent des Mondes bekannt", sagte Döllinger. "Der Mars ist genauer erforscht." Die Lücke könnte die deutsche Sonde schließen: Sie soll den Erdtrabanten mit einer hochauflösenden Kamera Stück für Stück abfotografieren.

Dass dies mit deutscher Technik möglich sei, beweise der Erfolg der HRSC-Kamera an Bord der europäischen Sonde "Mars Express". Das Team um den Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum, das für die Mars-Kamera verantwortlich ist, soll laut Döllinger auch das Auge der Mondsonde entwickeln. Außerdem soll der Orbiter ein Radar- und ein Hyperspektralgerät an Bord haben, um die Zusammensetzung der Oberfläche zu studieren, sowie einen Staubsensor - um die Frage zu beantworten, ob der Mond durch Meteoriteneinschläge an Masse verliert.

Orbiter soll 300 bis 400 Millionen Euro kosten

Die Kosten für den Orbiter schätzt Döllinger auf 300 bis 400 Millionen Euro, die auf eine Entwicklungszeit von rund fünf Jahren verteilt werden müssten. Dadurch komme man auf einen durchaus erschwinglichen Betrag, findet der Raumfahrt-Direktor.

Von einem nationalen Alleingang verspricht sich Döllinger größeren Erfolg als von einer Gemeinschaftsmission unter Leitung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Möglicherweise werde man sich auch mit Italien zusammentun, das ebenfalls über eine eigene Mondsonde nachdenke. "Ich halte es für klug, die Mission zunächst national zu versuchen", sagte Döllinger zu SPIEGEL ONLINE. "Anschließend können wir unser Gewicht bei der Esa einbringen und eine Führungsposition beanspruchen."

Denn die Ambitionen des DLR enden nicht beim Mond-Orbiter: Döllinger hält auch eine anschließende unbemannte Landungsmission für denkbar. "Auch nach den Mondlandungen im Rahmen des amerikanischen Apollo-Programms wissen wir nur sehr wenig über die Beschaffenheit des Mondes." Insbesondere im Hinblick auf die von den USA geplante permanente Mondbasis gelte es noch wichtige Entdeckungen zu machen.

Pläne für Landungsmission

Bei der Parlamentarierrunde am Dienstag war auch Manfred Fuchs anwesend, Vorstand des Bremer Herstellers OHB System, der Satelliten und Sonden fertigt. Eine OHB-Sprecherin sagte zu SPIEGEL ONLINE, die Bremer würden sich mit einem Vorschlag an der Ausschreibung für einen deutschen Mond-Orbiter beteiligen. Bereits seit zwei Jahren arbeite die Firma mit dem DLR an einer Studie. "Das ist ein umfassendes Programm, das auch den Mars im Visier hat." Ein Orbiter, wie er jetzt geplant werde, sei nur der erste Schritt. In der Schublade von OHB stecke bereits ein Landegerät, das an der Oberfläche des Mondes wissenschaftliche Messungen vornehmen solle.

Die Bundesregierung steht dem Vorhaben offenbar wohlwollend gegenüber. "Es gibt noch keine endgültige Festlegung. Wir sind aber nicht negativ eingestellt", sagte Helge Engelhard, der für Raumfahrt verantwortliche Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium, der "FTD". Wichtig sei, dass ein solches Projekt anspruchsvolle wissenschaftliche und technische Ziele verfolge. "Die Mission sollte eine langfristige Leuchtturmfunktion haben." Ministeriumssprecher Steffen Moritz wollte dagegen auf Anfrage noch keine offizielle Stellungnahme abgeben.

Döllinger selbst zeigte sich überrascht vom positiven Echo aus Berlin. "Vor drei Jahren, als die Raumfahrt noch dem Forschungsministerium angegliedert war, hätte ich niemals gewagt, einen solchen Vorschlag zu machen." Das inzwischen zuständige Wirtschaftsministerium sehe in einer Mondmission jedoch auch "ein politisches Thema".

Mitarbeit: Stefan Schmitt

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