Raumsonde "LCROSS" Einschlag wirbelt Silber am Mondpol auf

Wasser, Ammoniakeis - und Silber: Tief verborgen in Mondkratern schlummern ungeahnte Schätze. Das zeigen die Daten eines Sondeneinschlags. Bergen lasse sich das Edelmetall jedoch kaum, glauben Forscher.

Einschlag im Mondkrater Cabeus: "Schatzkiste voller Elemente"
REUTERS/ Science/ AAAS

Einschlag im Mondkrater Cabeus: "Schatzkiste voller Elemente"


Washington - Die Oberfläche des Mondes ist chemisch reichhaltiger als gedacht. Das zeigen Analysen des gezielten Einschlags der Mondsonde "LCROSS" im vergangenen Oktober, die nun veröffentlicht wurden. In dem aufgewirbelten Mondstaub stießen die Forscher nicht nur auf das gesuchte Wasser, sondern unter anderem auch auf Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ammoniak, Stickstoff - und überraschenderweise auch auf Silber.

Allerdings fanden sich von dem Edelmetall nur winzige Mengen - längst nicht genug, um hinzufliegen und es abzubauen, wie Peter Schultz von der Brown University in Providence (US-Bundesstaat Rhode Island) betont. Zusammen mit anderen Forschern stellt er Analysen des Einschlags im Wissenschaftsmagazin "Science" vor.

Die "LCROSS"-Mission war vor allem darauf ausgerichtet, Wasser auf dem Mond nachzuweisen. Dazu wurde eine ausgebrannte Raketenstufe des Satelliten gezielt in den Cabeus-Krater am Südpol des Erdtrabanten geschossen, in den nie ein Sonnenstrahl scheint. Der nachfolgende Satellit analysierte die Zusammensetzung der vom Einschlag aufgewirbelten Staubwolke.

Die Forscher vermuteten Wassereis am Boden des finsteren Tiefkühlkraters, das die Sonde auch nachweisen konnte. Insgesamt schlug die "Centaur"-Raketenstufe vier bis sechs Tonnen aus dem Mondboden. Darin fanden sich etwa 155 Kilogramm Wasser, wie die Forscher jetzt in "Science" berichten. Rund fünf Prozent des Kraterinneren besteht aus Wasser, schätzen sie auf Grundlage der Sondendaten. Ammoniak ist demnach etwa 15 Mal seltener, Kohlendioxid 50 Mal. Silber fand sich nur in winzigen Mengen.

Material wurde durch Asteroideneinschläge aufgewirbelt

Vermutlich seien das Edelmetall und viele der anderen gefundenen Stoffe irgendwann durch Asteroideneinschläge auf dem Erdtrabanten aufgewirbelt worden und hätten sich dann in dem dunklen Tiefkühlkrater angereichert, wo der Dauerfrost sie festhalte, vermutet Schultz. So hatten "Apollo"-Astronauten auch auf der erdzugewandten Seite des Mondes bereits Spuren von Gold und Silber gefunden.

Die Zusammensetzung des aufgewirbelten Kraterbodens sei viel komplexer als angenommen, erläuterte Schultz. "Dieser Ort sieht aus wie eine Schatzkiste voller Elemente und Verbindungen, die überall auf dem Mond freigesetzt wurden und sich in diesem Loch im ewigen Schatten angesammelt haben."

Wassereis vermuten Forscher nicht nur am Südpol, sondern auch hoch im Norden des Mondes. Nasa-Forscher hatten im März auf Basis der Daten der indischen Raumsonde "Chandrayaan-1" von 40 interessanten Kratern berichtet. Insgesamt handle es sich um etwa 600 Millionen Tonnen Wassereis, erklärten die Wissenschaftler Paul Spudis vom Lunar and Planetary Institute in Houston (US-Bundesstaat Texas) nach Auswertung von Radaraufnahmen.

Ob es auch außerhalb der polaren Krater Wasservorkommen auf dem Mond gibt, darum streiten sich Planetenforscher gerade. In "Apollo"-Gesteinsproben waren Wasserspuren nachgewiesen worden. Sie legten nahe, dass es im Mantel des Mondes Wasser gibt. Forscher um Geochemiker um Zachary Sharp von der University of New Mexico in Albuquerque bezeichneten das im August als Trugschluss. Sie glauben, dass die von anderen Teams nachgewiesenen hohen Wasserstoffwerte ausgesprochen untypisch sind. Sie kämen nur in wenigen "anomalen" Proben vor. In Wahrheit sei das Mondinnere wasserfrei - abgesehen vom Eis an den Polen.

chs/dpa

insgesamt 16 Beiträge
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embyro 21.10.2010
1. Schätze ?
Zitat von sysopWasser, Ammoniakeis - und Silber: Tief verborgen in Mondkratern schlummern ungeahnte Schätze. Das zeigen die Daten eines Sondeneinschlags. Bergen lasse sich das Edelmetall jedoch kaum, glauben Forscher. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,724481,00.html
Sind ein bisschen Silber, das den Aufwand nicht lohnt, und Ammoniak Schätze ? Ganz abgesehen vom CO2, von dem wir zuviel hier haben ? Ich weiss nicht !
gondo 21.10.2010
2. Auch mal woanders suchen
Zitat von sysopWasser, Ammoniakeis - und Silber: Tief verborgen in Mondkratern schlummern ungeahnte Schätze. Das zeigen die Daten eines Sondeneinschlags. Bergen lasse sich das Edelmetall jedoch kaum, glauben Forscher. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,724481,00.html
Man sollte lieber mal im Asteroidengürtel nach Rohstoffen suchen. Man braucht zwar etwas länger dorthin und zurück, aber der Vorteil ist, daß man viel weniger Treibstoff benötigt um das geborgene Material zur Erde zu bringen (langfristige Planungen natürlich vorausgesetzt). Man muß es nicht, wie z.B. beim Mond, erst von der Oberfläche eines Himmelskörpers in den Weltraum anheben. Die Gravitation der Brocken im Asteroidengürtel ist ja vernachlässigbar im Vergleich zu großen Himmelskörpern. Wenn die Rohstoffknappheit für bestimmte Elemente auf der Erde weiter voranschreitet, dürfte es irgendwann vielleicht mal rentabel werden seltene Elemente dort zu suchen, siehe z.B.: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,724405,00.html
sic tacuisses 21.10.2010
3. Lesen Sie Jules Verne´s Der Meteorit
Zitat von embyroSind ein bisschen Silber, das den Aufwand nicht lohnt, und Ammoniak Schätze ? Ganz abgesehen vom CO2, von dem wir zuviel hier haben ? Ich weiss nicht !
MarkusB, 21.10.2010
4. .
Der Schatz besteht nicht in Rohstoffen welche wir zur Erde transportieren, sondern in den Rohstoffen die wir dort oben abbauen und dort verwenden können anstatt sie für teures Geld nach oben zu schaffen. Sollte es mal eine bemannte Station auf dem Mond geben, wird es deutlich billiger wenn wir Wasser, Sauerstoff und Treibstoff auf dem Mond abbauen können.
Realo, 22.10.2010
5. Unmöglich ?
Sorry, ich bin ein nüchtern denkender Technokrat. Ein Unmöglich gibt es in meiner Vorstellung eigentlich nicht, außer vielleicht "beim Weltfrieden".... Man kann sagen ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll, aber wer weiss schon was in einigen Jahrzehnten sinnvoll ist ? Eine Mondbasis wäre schon eine interessante Sache, und dem Foristen @gondo kann ich auch nur zustimmen. Denn wie heißt es so schön in der Werbung ? "Alles nur eine Frage der Technik." ;-)
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