Sonnennächster Planet Sonde entdeckt riesige Eisenkugel im Merkur

Daten der "Messenger"-Sonde bieten neue Einblicke in den sonnennächsten Planeten: Der Eisenkern des Merkur ist erheblich größer als angenommen. An der Planetenoberfläche ereigneten sich erstaunliche Bewegungen.

NASA/ JHUAPL/ CIW-DTM/ GSFC/ MIT

Washington - Der Planet Merkur besitzt einen gigantischen Eisenkern und hat eine geologisch bewegte Vergangenheit. Das schließt ein Astronomenteam aus den Beobachtungen der Merkursonde "Messenger". Der pockennarbige Planet sei aktiver als von vielen erwartet, schreiben die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "Science".

"Messenger" umkreist seit einem Jahr den Merkur, kartiert die Oberfläche des Planeten und vermisst seine Schwerkraft. Aus den Daten der Anziehungskraft des sonnennächsten Planeten schließen die Forscher auf die ungewöhnlich massive innere Struktur. Der Eisenkern des Merkur nimmt demnach 85 Prozent seines Radius ein - er ist damit erheblich größer als angenommen. Zum Vergleich: Der Erdkern reicht nur etwa bis zur Hälfte des Radius. Mantel und Kruste haben beim Merkur folglich so wenig Anteil wie die Schale bei einer Orange.

Darüber hinaus deuten zahlreiche Oberflächenstrukturen auf eine viel aktivere Geologie als erwartet. So stellten die Forscher fest, dass Teile des größten Einschlagkraters auf dem Merkur höher liegen als der Kraterrand. Sie müssen also nach dem Einschlag von innen hochgepresst worden sein. Eine Tieflandregion am Merkur-Nordpol ist dort vermutlich im Laufe der Planetenevolution erst hingewandert. An der Oberfläche ereigneten sich also erstaunlicherweise Bewegungen.

"Vor den umfangreichen 'Messenger'-Beobachtungen haben viele Wissenschaftler angenommen, der Merkur ähnele dem Mond - früh in der Geschichte des Sonnensystems erkaltet und während der meisten Zeit seiner Entwicklung ein toter Planet", erläuterte Co-Autorin Maria Zuber vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einer Mitteilung. "Jetzt stoßen wir auf triftige Belege für eine ungewöhnliche Dynamik im Inneren des Planeten, die nahelegen, dass der Merkur offensichtlich lange Zeit aktiv war."

Bereits frühere Daten der "Messenger"-Sonde hatten für Überraschungen gesorgt: Forscher entdeckten beispielsweise kilometerdicke Lavaschichten und Schwefel an der Planetenoberfläche, sowie ein stark verzerrtes Magnetfeld. Die chemische Zusammensetzung der Merkur-Oberfläche weicht demnach von jener der anderen inneren, felsigen Planeten im Sonnensystem ab.

boj/dpa



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