Raumstation "Columbus"-Labor erfolgreich an ISS montiert

Geglückte Mission im Weltall: Nach jahrelangem Warten hat das europäische Forschungslabor "Columbus" an der internationalen Raumstation ISS angedockt. In einem achtstündigen Außeneinsatz haben zwei Astronauten das 13 Tonnen schwere Labor verankert. 


Houston - Die Einweihung des in Bremen gebauten Weltraumlabors ist für die europäische Raumfahrt von großer Bedeutung. "'Columbus' ist jetzt offiziell Teil der ISS", sagte ein Sprecher der US-Weltraumbehörde Nasa, nachdem ein riesiger Roboterarm das 13 Tonnen schwere Objekt aus der Raumfähre "Atlantis" gehoben und an seinen Platz transportiert hatte.

Andocken im All: Ein Roboter hat die Mission vorbereitet
DPA

Andocken im All: Ein Roboter hat die Mission vorbereitet

Die US-Astronauten Rex Walheim und Stanley Love halfen bei der Feinarbeit im All. Der Deutsche Hans Schlegel, der eigentlich für die Außenarbeiten vorgesehen, aber wegen gesundheitlicher Probleme ausgefallen war, übernahm mit seinem Kollegen Alan Poindexter die Beaufsichtigung der Montage. Er soll jedoch bei einem weiteren Außeneinsatz am morgigen Mittwoch dabei sein. "Gute Arbeit", sagte ein Nasa-Sprecher zu den beiden US-Astronauten nach dem fast achtstündigen Außeneinsatz.

"Columbus" ist der wichtigste europäische Beitrag zur Internationalen Raumstation. Es ist Europas erstes Labor für Langzeitforschung unter Weltraumbedingungen. In der 880 Millionen Euro teuren Forschungseinrichtung soll zehn Jahre lang das Verhalten von Stoffen, Einzellern und wirbellosen Tieren in der Schwerelosigkeit untersucht werden. Bislang waren vor allem Amerikaner und Russen an der Raumstation fast 400 Kilometer über der Erde beteiligt.

Gesteuert wird das "Columbus"-Labor vom dem deutschen Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München. Die Kosten wurden überwiegend von Deutschland, Frankreich und Italien getragen. Im März soll das japanische Weltraumlabor "Kibo" an der ISS angebracht werden.

Einweihung im Weltraum

"Columbus" soll am heutigen Dienstag eingeweiht werden. Nach dem ersten Öffnen der Schleusen wird der französische Astronaut Léopold Eyharts das Labor betreten und die Systeme für Strom und Wasser hochfahren.

Schlegel, der nach US-Medienberichten an Unwohlsein ähnlich einer Seekrankheit litt, geht es inzwischen besser. Eine Vertreterin der Europäischen Weltraumbehörde Esa sagte am Montag im Nasa-Kontrollzentrum in Houston, Schlegel werde aller Voraussicht nach an dem für Mittwoch geplanten zweiten Außeneinsatz teilnehmen können. Dabei geht es um die Installation eines neuen Stickstofftanks für das äußere Kühlsystem der ISS.

Das Space Shuttle "Atlantis" war am Donnerstagabend (MEZ) in Cape Canaveral gestartet. Laut Nasa-Missionschef Shannon ist die Rückkehr der Raumfähre frühestens für den 19. Februar vorgesehen. Über eine Verlängerung der Mission um einen Tag soll heute entschieden werden.

Ursprünglich sollte "Columbus" bereits im Jahr 2002 ins All. Wegen des Absturzes der Raumfähre "Columbia" im Februar 2003 wurden aber die Shuttle-Flüge für mehrere Jahre eingestellt. Dann war der Start für den 6. Dezember 2007 vorgesehen, musste aber wegen defekter Tanksensoren an der "Atlantis" mehrfach verschoben werden.

han/dpa/AFP



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