Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kaffeemaschine für die Raumstation: Espresso im Weltall

Die Astronauten an Bord der ISS dürfen sich auf frisch gebrühten italienischen Kaffee freuen. Ein unbemanntes Raumschiff soll die Maschine heute ins All fliegen. Serviert wird der Espresso allerdings etwas anders als im Café.

Kaffeemaschine im Weltall: Un espresso, per favore! Fotos
Lavazz/ Argotec

Mit zwei Tonnen ist das Raumschiff der Firma SpaceX beladen, das am Montagabend zur Internationalen Raumstation ISS starten soll. Zur Fracht gehören wissenschaftliche Ausrüstung und Nahrungsmittel. Besonders sehnsüchtig erwarten die Astronauten jedoch einen weißen Apparat von der Größe einer Mikrowelle - eine Espressomaschine. Sie heißt ISSpresso und wurde, wie es sich für eine Espressomaschine gehört, in Italien entwickelt.

Angeblich ist die Maschine vor allem für Samantha Cristoforetti gedacht, die italienische Astronautin, die seit November auf der Raumstation wohnt. Aber auch die übrige Besatzung des Außenpostens rund 400 Kilometer über der Erdoberfläche dürfte das traditionelle Heißgetränk aus Italien kaum verschmähen.

Die Astronauten sollten sich wie zu Hause fühlen, sagte Dan Hartman, ISS-Manager bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Psychologische Unterstützung ist sehr wichtig", erklärte er, vor allem, wenn man über Monate auf der ISS sei. Deshalb schicke man den Astronauten auch immer wieder Eiscreme ins All. Zudem könnten sie telefonieren und Nachrichten oder Sportevents live anschauen.

Experiment mit Spezialtassen

Hinter ISSpresso stehen der Kaffeegigant Lavazza und das Unternehmen argotec aus Turin, das die Anpassung der Technik an die Bedingungen der Schwerelosigkeit übernahm. Die Maschine wiegt 20 Kilogramm, was auch daran liegt, dass die Technik darin redundant ausgelegt ist. Einen Defekt sollen die Astronauten schnell beheben können.

ISSpresso arbeitet mit den umstrittenen Kapseln - aber unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit ist das durchaus sinnvoll. Loses Kaffeepulver würde davonschweben, sobald es sich nicht mehr in einem geschlossenen Behälter befindet.

Bei Tests auf der Erde wurde der Espresso noch in einer Art Trinkbeutel mit Strohhalm serviert. Herkömmliche Tassen verbieten sich von selbst, denn diese würde der heiße Espresso mangels Schwerkraft schnell verlassen. Die Astronauten sollen den Kaffee aus neuen, eigens für den Einsatz im All entwickelten Bechern trinken, die den Kapillareffekt nutzen. Dafür wurde sogar eigens ein Forschungsprojekt gestartet. Der Espresso nach dem Essen gehört damit auch zur wissenschaftlichen Arbeit an Bord.

Ursprünglich sollte die Espressomaschine schon längst auf der ISS sein. Doch beim Start des unbemannten Raumschiffes im Januar gab es eine Explosion, die Ladung wurde zerstört. Deshalb mussten Cristoforetti und ihre Kollegen sich erst einmal mit Instantkaffee begnügen.

hda

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: