Raumstation ISS Neue Wasseraufbereitung macht Ärger

Die All-Heimwerker haben Probleme: Die neue Wasseraufbereitungsanlage an Bord der internationalen Raumstation ISS streikt. Wenn sie nicht funktioniert, ist die Verdoppelung der ISS-Besatzung auf sechs Astronauten in Gefahr.


Aus drei mach sechs: Auf der Internationalen Raumstation laufen derzeit Ausbauarbeiten, um in Zukunft doppelt so viele Astronauten wie bisher als Langzeitbesatzung beherbergen zu können. Das Space Shuttle "Endeavour" hat deswegen 14,5 Tonnen Material zur Station gebracht, unter anderem einen Kühlschrank, neue und komfortablere Schlafplätze, ein Fitnessgerät - und eine Wasseraufbereitungsanlage.

Und genau die bereitet den Nasa-Technikern derzeit Kopfzerbrechen, weil sie bei Tests nicht funktioniert. Eigentlich soll die Anlage Kondenswasser und Urin zu Trinkwasser verarbeiten. Damit soll die Menge an Wasser verringert werden, die von der Erde für teures Geld zur Raumstation geflogen werden muss. Das Problem: Zwei Testläufe der 154 Millionen Dollar teuren Anlage sind bereits fehlgeschlagen.

Techniker brachen einen Versuch mit der Anlage, die auch Urin in Trinkwasser verwandeln soll, am Freitag nach zwei Stunden ab. Nach Nasa-Angaben hatte sich das System bei Tests von selbst abgeschaltet - möglicherweise weil eine Zentrifuge an einem Destillationsteil nicht richtig funktionierte.

Schon beim ersten Testlauf am Vortag hatte die Anlage nicht richtig gearbeitet. Am Donnerstag wurde der Apparat wegen eines Alarms abgeschaltet, den die Techniker in der Flugzentrale als Fehlalarm einstuften. Proben vom Testbetrieb sollen erst auf der Erde analysiert werden, bevor die Anlage für den Dauerbetrieb freigegeben werden soll.

Nasa-Flugdirektor Ginger Kerrick bezeichnete die Probleme als "zunehmende Qualen". Die US-Weltraumbehörde schließt mittlerweile nicht mehr aus, dass die "Endeavour"-Besatzung einen Tag länger als vorgesehen im All bleiben könnte, sollte das Problem nicht rechtzeitig behoben werden können. Eigentlich sollten die sieben Astronauten am Donnerstag zur Erde zurückfliegen. Sie arbeiten bei mehreren Außeneinsätzen auch an der Reparatur und Wartung der Solarpanels der Station. Beim ersten Einsatz im All hatte Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper ihre Werkzeugtasche verloren.

Unterdessen wurde bekannt, dass im kommenden Jahr der erste Europäer das Kommando auf der ISS übernehmen wird, die in diesen Tagen ihren zehnten Geburtstag feiert: Der Belgier Frank De Winne übernimmt im Oktober das Kommando von Gennady Padalka, wie die Europäische Raumfahrtorganisation Esa mitteilte. Bereits im Mai werde er mit dem Russen Roman Romanenko und dem Kanadier Robert Thirsk zum Außenposten der Menschheit im Weltall fliegen. Die ersten Monate arbeite er jedoch noch als Flugingenieur im Team.

Für De Winne ist der Trip ins All nichts Neues. Der Telekommunikationsspezialist war bereits 2002 für mehrere Tage auf der ISS.

chs/dpa/AP/AFP



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