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Alltransporter "Edoardo Amaldi": Raumfrachter wie geplant abgestürzt und verglüht

Der europäische Raumfrachter "Edoardo Amaldi" ist kontrolliert über dem Südpazifik verglüht. Damit endete die etwa sechsmonatige Mission des größten und schwersten Zulieferers der Internationalen Raumstation ISS. Die Besatzung der ISS muss derweil heranrasendem Weltraumschrott ausweichen.

Transferfahrzeug "Edoardo Amaldi" (Archivbild 28.3.2012): Transporter verglüht in der Nacht zum Mittwoch wie geplant Zur Großansicht
dapd/ NASA

Transferfahrzeug "Edoardo Amaldi" (Archivbild 28.3.2012): Transporter verglüht in der Nacht zum Mittwoch wie geplant

Moskau - Der europäische Raumtransporter "Edoardo Amaldi" ist bei einem kontrollierten Absturz über dem Südpazifik verglüht. Der mit rund 1,3 Tonnen Müll beladene Frachter habe in der Nacht zu Mittwoch wie geplant seine etwa sechsmonatige Mission beendet, teilte die europäische Raumfahrtagentur Esa nach Angaben russischer Agenturen mit.

Das Raumschiff hatte am Freitag von der Internationale Raumstation ISS abgedockt. Eigentlich hatte es bereits am Dienstagabend starten sollen, doch es hatte organisatorische Probleme gegeben.

Der insgesamt 20 Tonnen schwere Transporter war das größte, schwerste und technisch am meisten ausgefeilte Raumfahrzeug, das je in Europa gebaut wurde. Der nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi (1908-1989) benannte Frachter von der Größe eines Doppeldeckerbusses war Ende März vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou mit einer "Ariane"-Trägerrakete ins All gebracht worden. Er transportierte mehr als sechs Tonnen Lebensmittel, Kleidung, Wasser, Kraftstoffe und andere Ausrüstungsgegenstände zur Raumstation. Seither wurde das Raumschiff mit Abfällen aus der ISS beladen. Sein Antrieb wurde zudem benutzt, um die Raumstation wieder in eine höhere Umlaufbahn zu bringen.

ISS muss Weltraumschrott ausweichen

Heranrasender Weltraumschrott sorgt unterdessen auf der ISS rund 420 Kilometer über der Erde für erhöhte Bereitschaft. Ein Bruchstück eines japanischen Satelliten nähere sich der Raumstation, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau mit. Nun muss die ISS dem Müll offenbar ausweichen: Am Donnerstagmorgen würden die Raketen am russischen Modul "Swewda" gezündet, teilte eine Sprecherin des russischen Kontrollzentrums am Mittwoch mit. Ein solches Manöver wird immer dann ausgeführt, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision größer ist als 1 zu 10.000.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schätzt, dass sich mehr als 21.000 Trümmerstücke, die größer als zehn Zentimeter sind, in einer Umlaufbahn um die Erde befinden. Experten befürchten, dass dieser Weltraumschrott zu einem immer größeren Problem für die internationale Raumfahrt werden könnte.

hei/dpa/afp/dapd

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1. kein Grund zum Feiern !
achimberlin1961 03.10.2012
nicht die Raumfahrt ist zu teuer - sondern die Verschwendung. solange das kontrollierte verglühen von Raumfahrzeugen gefeiert wird. mit den Raumtransportern der letzten 20 Jahre - hätte man eine ganze un /-bemannte Flotte zu den verschiedensten Planeten senden können. der Müll könnte auch Recycelt werden oder als Dämmaterial oder sonstiges gebraucht werden - Energie steht Theoretisch unbegrenzt zur verfügung.
2. gefeiert wird der Ablauf nach Plan, nicht das Verglühen als solches
MtSchiara 03.10.2012
Zitat von achimberlin1961nicht die Raumfahrt ist zu teuer - sondern die Verschwendung. solange das kontrollierte verglühen von Raumfahrzeugen gefeiert wird. mit den Raumtransportern der letzten 20 Jahre - hätte man eine ganze un /-bemannte Flotte zu den verschiedensten Planeten senden können. der Müll könnte auch Recycelt werden oder als Dämmaterial oder sonstiges gebraucht werden - Energie steht Theoretisch unbegrenzt zur verfügung.
Man feiert nicht das Verglühen als solches, sondern daß das Raumfahrzeug über den gesamten Zeitraum gemäß Planung und Bestimmung funktioniert hat. Und wenn die ESA zur Zeit Raumfahrzeuge lieber verglühen läßt, anstatt sie mit Hitzeschild, Flügeln und Fallschirm auszustatten, dann vermutlich deshalb, weil sie denkt, daß dies wirtschaftlicher ist. Energie steht zur Zeit noch nicht unbegrenzt zur Verfügung, sondern wird es erst dann sein, wenn eine Form der umweltverträglichen kleinmodularen Kernenergienutzung bis zur Anwendungsreife entwickelt wurde. Und für die Frage der Raumfahrt werden weniger die Unbegrenztheit, sondern folgende zwei Fragen von Belang sein: 1) wieviel kostet Energie ? 2) wie kompakt ist Energie (pro Kilogramm) speicherbar ? Sollte in Zukunft Energie sehr billig und sehr kompakt (Kernenergie) zur Verfügung stehen, dann werden in der Tat Raumsonden landen und abheben wie Flugzeuge - und durch schonende Ein- und Austritt aus der und in die Atmosphäre pfleglicher behandelt, länger halten und billiger zu produzieren sein als aktuelle Raumfahrzeuge.
3. Superlative oder SciFi
karlkaefer 03.10.2012
Zitat von achimberlin1961nicht die Raumfahrt ist zu teuer - sondern die Verschwendung. solange das kontrollierte verglühen von Raumfahrzeugen gefeiert wird. mit den Raumtransportern der letzten 20 Jahre - hätte man eine ganze un /-bemannte Flotte zu den verschiedensten Planeten senden können. der Müll könnte auch Recycelt werden oder als Dämmaterial oder sonstiges gebraucht werden - Energie steht Theoretisch unbegrenzt zur verfügung.
Haben Sie sich mal überlegt, wie das Recyclen von nicht-recyclingfähigem Material funktionieren soll? Zudem im zwar erdnahen, aber immer noch Orbit? Und das Verglühen vom Müll ist eigentlich nichts grossartig Anderes als das Verbrennen. Lediglich ohne Energierückgewinnung wie z.B. im Müllheizkraftwerk. Möchten Sie Ihre Wohnung mit *Müll* dämmen? Und bedenken Sie, wenn es Ihnen in der ISS "stinkt", können Sie nicht einfach mal eben sanieren. Dann heisst es durchhalten oder die Station aufgeben. Ob sich das rechnet? Die bemannte oder unbemannte Flotte, die Sie zu den Planeten senden wollen, wäre wohl recht klein. Es zählt nicht nur die reine Masse, obwohl die auch schon eher winzig ist. Übrigens: Falls Sie eine Mothode kennen, die Energie *unbegrenzt* zur Verfügung stellt, wäre ich Ihnen sehr verbunden, mich daran teilhaben zu lassen. Fantastilliardär wär ich schon immer mal gerne gewesen. ;)
4. Kernenergie
karlkaefer 03.10.2012
Zitat von MtSchiaraMan feiert nicht das Verglühen als solches, sondern daß das Raumfahrzeug über den gesamten Zeitraum gemäß Planung und Bestimmung funktioniert hat. Und wenn die ESA zur Zeit Raumfahrzeuge lieber verglühen läßt, anstatt sie mit Hitzeschild, Flügeln und Fallschirm auszustatten, dann vermutlich deshalb, weil sie denkt, daß dies wirtschaftlicher ist. Energie steht zur Zeit noch nicht unbegrenzt zur Verfügung, sondern wird es erst dann sein, wenn eine Form der umweltverträglichen kleinmodularen Kernenergienutzung bis zur Anwendungsreife entwickelt wurde. Und für die Frage der Raumfahrt werden weniger die Unbegrenztheit, sondern folgende zwei Fragen von Belang sein: 1) wieviel kostet Energie ? 2) wie kompakt ist Energie (pro Kilogramm) speicherbar ? Sollte in Zukunft Energie sehr billig und sehr kompakt (Kernenergie) zur Verfügung stehen, dann werden in der Tat Raumsonden landen und abheben wie Flugzeuge - und durch schonende Ein- und Austritt aus der und in die Atmosphäre pfleglicher behandelt, länger halten und billiger zu produzieren sein als aktuelle Raumfahrzeuge.
Hallo, Kernergie im Orbit. Eine geniale Idee. Allerdings wird es dann ein wenig ungesünder sein, Abfall einfach verglühen zu lassen. Obwohl billiger als ein Endlager für "ausgebrannte" Hosentaschenkernreaktoren. Verzeihung, ich meinte natürlich Zwischenlager. Wow, ein Ei-Pott mit 100MW Musikleistung. Da geht was. Und mein Plamsfernseher funktioniert dann mit echtem Wasserstoffplasma. Ein bisschen Erderwärmung muss man dann schon in Kauf nehmen. Die funktioniert dann auch ganz ohne CO². Aber: Sollte Energie jemals "unbegrenzt" zur Verfügung stehen, wobei unbegrenzt sicherlich nur "in ausreichender Menge" bedeuten soll, dann wird sie sehr sehr preiswert sein. Und somit wird so etwas in einer globalen Marktwirtschaft, die ja immerhin kapitalistisch fundiert ist, niemals passieren. Zum Glück.
5. Kernenergie im Weltraum
MtSchiara 03.10.2012
Zitat von karlkaeferHallo, Kernergie im Orbit. Eine geniale Idee. Allerdings wird es dann ein wenig ungesünder sein, Abfall einfach verglühen zu lassen. Obwohl billiger als ein Endlager für "ausgebrannte" Hosentaschenkernreaktoren. Verzeihung, ich meinte natürlich Zwischenlager. Wow, ein Ei-Pott mit 100MW Musikleistung. Da geht was. Und mein Plamsfernseher funktioniert dann mit echtem Wasserstoffplasma. Ein bisschen Erderwärmung muss man dann schon in Kauf nehmen. Die funktioniert dann auch ganz ohne CO². Aber: Sollte Energie jemals "unbegrenzt" zur Verfügung stehen, wobei unbegrenzt sicherlich nur "in ausreichender Menge" bedeuten soll, dann wird sie sehr sehr preiswert sein. Und somit wird so etwas in einer globalen Marktwirtschaft, die ja immerhin kapitalistisch fundiert ist, niemals passieren. Zum Glück.
Die Idee ist nicht neu. Plutonium 238 wird schon seit den siebzigern verwendet. Das hängt von der Kernenergieform und vom Abfall ab. Zur Zeit blasen ja Kohlekraftwerke wesentlich mehr radioaktiven Abfall (aus der letzten Sonnenexplosion) in Form von Thorium und Uran in die Atmosphäre als herkömmliche Kernkraftwerke. Unbegrenzt und preiswert sind zwei verschiedene Dinge. Bei unbegrenzter Energie sind die Treibstoffkosten NULL, aber die Gewinnungs/Nutzungskosten können trotzdem sehr hoch sein (siehe Sonnen- oder Windenergie). In der globalen Marktwirtschaft hängt der Preis wesentlich von der Verfügbarkeit ab. Wenn ein Treibstoff verwendet wird, der in jedem Garten zu finden ist, dann ist der Treibstoffpreis niedrig. Das läßt sich auch durch Marktmanipulation interessierter Großinvestoren nicht ändern.
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