Chinas Raumfahrtprogramm Aufrüstung im All

Schluss mit dem Gerede von reinen Forschungsmissionen: Chinas Staatspräsident Xi Jinping will Luftwaffe und Raumfahrt zusammenführen - und fordert ausdrücklich auch die Stärkung von Angriffskapazitäten.

"Chang'e-3"-Rakete: Sie trug Chinas Rover "Yutu" zum Mond
AFP

"Chang'e-3"-Rakete: Sie trug Chinas Rover "Yutu" zum Mond


Peking/Hamburg - Chinas Präsident Xi Jinping fordert eine engere Verzahnung von Militär und Raumfahrt. Beim Besuch der Zentrale der Volksbefreiungsarmee in Peking rief Xi, der auch Vorsitzender der Zentralen Militärkommission ist, die Luftwaffe auf, "die Integration der Raumfahrt zu beschleunigen und die Angriffs- und Abwehrkapazitäten zu schärfen", wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete.

Die staatliche Zeitung "China Daily" zitierte am Dienstag den Vize-Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aerospace Knowledge", Wang Ya'nan, mit den Worten, China müsse "auf die Erfordernisse der Zeit reagieren. Die USA haben beachtliche Ressourcen dafür verwendet, Luftwaffe und Raumfahrt zu verzahnen. Auch andere Mächte sind auf dem Weg einer Militarisierung der Raumfahrt."

China verfolgt ehrgeiziges Weltraumprogramm

China vollführt damit weniger eine inhaltliche als vielmehr eine rhetorische Kurskorrektur. Denn bisher hat Peking nahezu gebetsmühlenartig betont, seine Aktivitäten im All dienten lediglich Forschungszwecken. Umso bemerkenswerter ist nun, dass Präsident Xi nicht nur von einer Stärkung der defensiven, sondern auch der offensiven Fähigkeiten Chinas im All spricht.

Der friedliche Charakter von Pekings Raumfahrt erschien bei Projekten wie der Mondlandung des Rovers "Yutu" ("Jadehase"), der nach Bodenschätzen suchen sollte und dann offenbar technischen Problemen zum Opfer fiel, noch einigermaßen plausibel. Doch bei anderen Vorhaben ist die rein friedliche Nutzung weniger sicher - was schon daran liegt, dass das Raumfahrtprogramm der Generalabteilung für Bewaffnung der Volksbefreiungsarmee untersteht.

Damit gilt in China dasselbe wie in anderen Ländern: Die Raumfahrt hat in großen Teilen "Dual Use"-Charakter, die Technologien können sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Eine Trägerrakete, die eine Raumkapsel in den Orbit bringen kann, ist prinzipiell auch in der Lage, einen Atomsprengkopf zu tragen. Ein Navigationssatellit kann sowohl einen Pkw als auch eine ballistische Rakete zum Ziel führen.

Warnung vor Wettrüsten im All

Chinas Militärs scheinen ebenso wie ihre amerikanischen Kollegen davon überzeugt zu sein, dass die Nutzung des Weltraums in den Kriegen der Zukunft von entscheidender Bedeutung ist. Ihre Ambitionen unterstrichen Pekings Streitkräfte 2007, als sie einen ausgedienten Wettersatelliten mit einer Rakete abschossen. Internationale Proteste waren den Chinesen dabei ebenso egal wie die Tatsache, dass Tausende Trümmerteile in die Erdumlaufbahn geschleudert wurden und dort bis heute Satelliten und Raumschiffe gefährden. Ein Jahr später demonstrierten die USA, dass auch sie Satelliten vom Himmel holen können.

Von einer echten Militarisierung des Weltraums mit einer Stationierung von Waffen im Orbit dürfte China technologisch aber noch weit entfernt sein. Die USA sind in dieser Hinsicht deutlich weiter. Für Schlagzeilen sorgten in den vergangenen Jahren etwa die Testflüge des unbemannten Raumschiffs X-37B, das aussieht wie eine Mini-Version der inzwischen eingemotteten Space Shuttles. Experten haben in diesem Zusammenhang wiederholt vor einem Wettrüsten im Orbit gewarnt.

Die Stationierung nicht-atomarer Waffen im All würde vermutlich nicht einmal gegen internationales Recht verstoßen. Zwar haben die USA und China den Outer Space Treaty der Vereinten Nationen von 1967 ratifiziert, der die internationale Nutzung von Erdorbit und Himmelskörpern regelt. Doch der Vertrag verbietet lediglich die Stationierung von Massenvernichtungswaffen in der Erdumlaufbahn. Von anderen Systemen ist nicht die Rede.

Erst vor kurzem hatte China auch mit der Erhöhung seines Militäretats für Schlagzeilen gesorgt. Bei der Sitzung des Volkskongresses im März vergrößerte Peking seinen Verteidigungshaushalt um 11,2 Prozent auf 670 Milliarden Yuan (rund 80,6 Milliarden Euro). Mit geschätzten 2,3 Millionen Soldaten gilt die chinesische Volksbefreiungsarmee als die größte Armee der Welt.

mbe/mka/AFP/Reuters

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
evolution2.0 15.04.2014
1.
Es ist Angerichtet.Diesen Wettlauf gewinnen die Chinesen.Die USA haben ihre Millitärausgaben jetzt schon zu sehr aufgebläht.
Kandiszucker 15.04.2014
2. Den größten Etat
Haben immernoch die Amis (600 Mrd )
spon-facebook-10000523851 15.04.2014
3. Die Chinesen haben's
einfach. Die muessen nur 10 Millionen Soldaten mit weissen Faehnchen ueberlaufen lassen, dann bricht beim Feind die Versorgung zusammen.
questough 15.04.2014
4.
Als hätte China keine anderen Sorgen...
conrath 15.04.2014
5. Die Daten der DLR...
...dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum, die durch einen Cyberangriff entwendet wurden, wären dem Projekt nützlich. Es ist aber nicht redlich, zwischen den Vorfällen einen ursächlichen Zusammenhang herzustellen. Es ist eine Kooinzidenz. Honi soit qui mal y pense....
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