Rekordfund: Sternenfabrik produziert am Limit

Forscher haben in den Tiefen des Alls eine Geburtsregion für Sterne entdeckt, die jede Vorstellungskraft sprengt. Jedes Jahr entstehen dort Hunderte neue Sterne - oder vielmehr: entstanden, denn das Licht des turbulenten Geschehens ist Milliarden Jahre alt.

Es ist nur eine kleine Region am Himmel, aber sie produziert Sterne in einem Tempo, das an die Grenzen des physikalisch Möglichen stößt: Pro Jahr entstehen Sterne mit der Gesamtmasse von rund tausend Sonnen in dem kosmischen Kreißsaal, den Heidelberger Forscher jetzt entdeckt haben. Zum Vergleich: In der gesamten Milchstraße, unserer eigenen Galaxie, entsteht nur etwa ein neuer Stern pro Jahr.

Orionnebel in der Milchstraße: In einem kleinen Sternenentstehungsgebiet knapp oberhalb der Bildmitte herrschen ähnliche Bedingungen wie in einer jetzt entdeckten anderen gigantischen Sternenfabrik im jungen Universum
DPA

Orionnebel in der Milchstraße: In einem kleinen Sternenentstehungsgebiet knapp oberhalb der Bildmitte herrschen ähnliche Bedingungen wie in einer jetzt entdeckten anderen gigantischen Sternenfabrik im jungen Universum

"In unserer Milchstraße finden sich solche extremen Verhältnisse nur in ungleich kleineren Regionen, beispielsweise in Teilen des Orionnebels", erläuterte Fabian Walter vom Max-Planck-Institut für Astronomie, Leiter des Teams, das seine Erkenntnisse jetzt im Fachblatt "Nature" (Bd. 457, S. 699) veröffentlicht hat. "Was wir beobachtet haben, entspricht einer Ansammlung von 100 Millionen Orion-Regionen." Die Sternenfabrik ist rund 13 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Ihr Licht stammt damit aus einer Zeit, als das Universum erst ein Sechzehntel seines heutigen Alters hatte - nicht einmal eine Milliarde Jahre.

Schon frühere Messungen hatten gezeigt, dass in den jungen Galaxien beachtliche Mengen Sterne entstanden sind. Doch mit der neuen Beobachtung konnten die Astronomen erstmals die Größe eines solchen Sternentstehungsgebiets aus der kosmischen Frühzeit vermessen. Das war nicht ganz einfach, denn trotz ihres Durchmessers von 4000 Lichtjahren erscheint die produktive Zentralregion der fernen Galaxie J1148+5251 am irdischen Firmament nur so groß wie eine Ein-Euro-Münze aus 18 Kilometern Entfernung.

Das Ergebnis überraschte die Forscher, denn gemessen an der enormen Sternproduktion ist das Gebiet recht klein. Sterne entstehen, wenn Gas- und Staubwolken unter der eigenen Schwerkraft zusammenstürzen. Werden Hitze und Druck groß genug, zündet die Kernfusion. Die Strahlung des Sonnenfeuers treibt die Wolken auseinander und erschwert so die Entstehung weiterer Sterne. Daraus ergibt sich eine Obergrenze dafür, wie viele Sterne in einer Raumregion pro Jahr überhaupt entstehen können. Die Sternenfabrik in der Urzeit-Galaxie bewegt sich in dieser Hinsicht an der Grenze des physikalisch Möglichen, schreiben Walter und seine Kollegen in ihrem Fachbeitrag, der auf Arxiv.org frei zugänglich ist.

Das ist für die Theorie der Galaxienentstehung von Bedeutung. Die Astronomen glauben, dass die Sternentstehung bei der beobachteten jungen Galaxie in einem kleinen Kerngebiet begonnen hat und nicht, wie alternativ vermutet, gleichmäßig über die gesamte Galaxie verteilt war. Erst im Laufe der Zeit wächst demnach der mit Sternen gefüllte Zentralbereich - etwa durch Kollisionen und Verschmelzungen mit anderen Galaxien - und erreicht die ungleich größere Ausdehnung, die für ältere Galaxien charakteristisch ist.

mbe/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback