Rendezvous im All "Deep Impact" liefert spektakuläre Kometenfotos

Fotoshooting im All: Die Nasa-Sonde "Deep Impact" ist in wenigen hundert Kilometern Entfernung am Kometen "Hartley 2" vorbeigeflogen - und hat atemberaubende Bilder geschossen. Forscher versprechen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems.

DPA / NASA

Auf diesen Moment haben Wissenschaftler fünf Jahre lang gewartet: Die US-Raumsonde "Deep Impact" ist am Kometen "Hartley 2" vorbeigeflogen und hat beeindruckende Bilder zur Erde gefunkt. Mit rund 44.000 Kilometern pro Stunde ist die Sonde durch die Gas- und Staubwolke des erdnussförmigen Schweifsterns geschossen und näherte sich ihm bis auf 700 Kilometer. "Wir werden Bilder einer Welt betrachten können, die wir nie zuvor gesehen haben", sagte Jessica Sunshine von der University of Maryland. Derzeit werden die Wissenschaftler der US-Weltraumbehörde Nasa die Fotos aus.

Mit einer Breite von rund 1,2 Kilometern ist "Hartley 2" der kleinste Komet, von dem bislang Nahaufnahmen gemacht worden sind. Er hatte die Astronomen kürzlich mit einem Ausbruch von giftigem Zyanid-Gas verblüfft. Dabei war nicht das Zyanid selbst die Überraschung, sondern seine Reinheit. Normalerweise schleudern Kometen bei Gasausbrüchen auch Staubteilchen ins All, doch bei "Hartley 2" konnten die Forscher keine nachweisen. Mit Hilfe der Bilder hofft die Nasa, das Rätsel um den fehlenden Staub nun lösen zu können.

Botschafter aus der Frühzeit des Sonnensystems

Kometen gehören zu den kleinsten Objekten im Sonnensystem. Sie bestehen aus einer Mischung aus Eis, Staub und Gestein. Das Eis enthält nicht nur gefrorenes Wasser, sondern unter anderem auch Kohlendioxid (Trockeneis), Methan und Ammoniak. Viele Kometen bewegen sich auf stark elliptischen Bahnen durch das Sonnensystem: Sie tauchen aus den Randbezirken auf und kommen der Sonne sehr nahe, wobei sie antauen und der oft spektakuläre Schweif entsteht. Interessant sind Kometen vor allem deshalb, weil sie Material aus der Frühzeit des Sonnensystems enthalten und die Wissenschaftler sich davon Informationen zur Entstehung der Planeten erhoffen.

"Hartley 2", der derzeit 21 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, war nicht der erste Komet im Visier einer Raumsonde. Der erste hautnahe Vorbeiflug an einem Kometen gelang 1985 der Nasa-Sonde ICE, das Ziel war damals der Komet "Giacobini-Zinner". 1986 flogen gleich mehrere Raumsonden zum Halleyschen Kometen: Neben ICE waren dies russische Wega-Sonden, zwei japanische Flugkörper und die europäische Sonde "Giotto".

Zuletzt hatte sich die europäische Raumsonde "Rosetta" bis auf etwa 3200 Kilometer dem Asteroiden "Lutetia" genähert. "Deep Impact" hatte zuvor bereits den Kometen "Tempel 1" besucht und mit einem mehrere hundert Kilogramm schweren Projektil beschossen. Anschließend wurde die Mission unter dem Namen "Epoxi" zum Kometen "Hartley 2" verlängert. Die Kosten der 2005 gestarteten Sonde gibt die Nasa mit 267 Millionen Dollar an, die Verlängerung der Mission kostet 42 Millionen Dollar (30 Millionen Euro).

Der nächste große Termin in der Kometenforschung steht bereits fest: "Rosetta" soll 2014 ein Landemodul auf dem Kometen "Tschurjumow-Gerassimenko" aussetzen. Es wäre das erste Mal in der Raumfahrtgeschichte, dass eine solche Aktion gelingt.

mah/dpa/apd

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