Die Nullerjahre werden in der Raumfahrtgeschichte wohl als Zeitraum in Erinnerung bleiben, in dem wichtige, wegweisende Entscheidungen ausgeblieben sind. In dem es nur ums Verwalten ging, ums über die Zeit retten, zumindest in den staatlichen Programmen zur bemannten Raumfahrt. Neue private Mitspieler sind in der Zwischenzeit auf den Plan getreten. In den kommenden Jahren werden Privatunternehmen für die Nasa Transportdienstleistungen übernehmen. Und der Wettbewerb Ansari X-Prinze - zehn Millionen Dollar für den ersten erfolgreichen Suborbitalflug eines privaten Raumschiffs, ausgezahlt im Oktober 2004 - wirkte als Initialzündung für das Zeitalter des Weltraumtourismus, das gerade aufzieht.
Doch darauf spezialisierte Anbieter, allen voran die kalifornische Firma Scaled Composites, sind für staatliche Raumfahrtprogramme kein Ersatz. Transporter wie das "SpaceShipTwo" werden gerade so die Grenze des Weltraums erreichen - und dann sofort wieder zurück zur Erde fallen. Unseren Planeten umrunden, das werden Weltraumtouristen auf lange Sicht wohl nicht - von den wenigen extrem gut Betuchten einmal abgesehen, die sich mit russischen Schiffen einen Flug zur ISS leisten können. Aber auch ihre Zahl wird in Zukunft sehr, sehr klein sein.
Zahlreiche Erfolge unbemannter Sonden
Vielleicht ist der Abschied des Menschen aus dem All aber auch gar nicht so schlimm. Schließlich konnte die unbemannte Erforschung und Nutzung des Alls einen Erfolg nach dem anderen einfahren. Da waren zum Beispiel erfolgreiche Forschungsmissionen, wie "Cassini-Huygens" oder die Marsrover "Spirit" und "Opportunity".
Im ersten Fall gelang eine Landung auf einem fremden Himmelskörper. Die Esa-Sonde "Huygens" konnte 2005 auf dem Saturnmond Titan aufsetzen, als erster Lander auf dem Mond eines anderen Planeten. Und die Rover "Spirit" und "Opportunity" kurvten mehr als ein halbes Jahrzehnt über die Marsoberfläche - und erweiterten unser Wissen über den Roten Planeten erheblich. Und zahlreiche weitere Erfolge gab es: Die Sonde "Phoenix" konnte Wassereis auf dem Mars nachweisen , zuletzt spürte die "LCROSS"-Mission auch Eis auf dem Mond auf. Menschen verfolgten die Arbeit der Sonden jeweils nur aus der Ferne.
Das vergangene Jahrzehnt brachte auch den endgültigen Durchbruch des Navigationssystems GPS - auch ganz ohne menschliche Präsenz im All. Mit Hilfe der Satelliten finden mittlerweile selbst Handy-Besitzer ohne Probleme ihre Wege zwischen Großstadtdschungel und Nationalpark. Mit dem milliardenteuren "Galileo"-Verbund werden die Europäer sogar schon bald über eigene Navigationssatelliten verfügen.
Chinesen als große Unbekannte
Beim immer wieder diskutierten Einstieg in die bemannte Raumfahrt - und zwar nicht als Gast, sondern als Protagonist - kommen sie hingegen nicht recht vom Fleck. Einen mutigen Beschluss, den brandneuen europäischen Raumtransporter ATV auch für den Transport von Menschen fit zu machen, gibt es nicht. Ein Prüfauftrag, immerhin, hält für die Zukunft ein paar Optionen offen.
"Ich glaube nicht, dass es in der bemannten Raumfahrt einen Fadenriss geben wird", sagt Raumfahrtanalyst Schrogl im Hinblick auf die Zeit nach dem Ende der ISS. Vielleicht halten zum Beispiel Raumfahrer aus dem Reich der Mitte die Fahne der Menschheit im All hoch. Schon auf der Expo 2000 in Hannover hatten die Chinesen eine Raumstation und eine Mondbasis in ihrem Pavillon präsentiert. Mit der geplanten Mini-Weltraumstation "Tiangong 1" könnte Peking diesen Plan dereinst in die Realität umsetzen.
Weltraumveteran Buzz Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond, hat die Amerikaner bereits davor gewarnt, dass China sie bei der Rückkehr zum Mond düpieren könnte - auch wenn Peking stets erklärt, man sei nicht an einem Wettlauf interessiert. Chinas bemanntes Raumfahrtprogramm, das im September 2008 mit dem Flug zweier Raumfahrer in der Kapsel "Shenzhou-7" einen ersten Erfolg feiern konnte, gehört zu den großen Unbekannten beim Blick in die Zukunft.
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