Riesenteleskop in Chile Einsames Superauge

In der trockensten Wüste der Welt blicken Astronomen in den Kosmos: Das "Very Large Telescope" in Chile ist eines der besten Observatorien - zugleich erinnert es an ein Kloster mitten in der Einsamkeit. Dirk H. Lorenzen berichtet in "Mekkas der Moderne" über den Alltag der Sternengucker.

DPA

Die Landschaft erinnert an Aufnahmen der Marsoberfläche: ockerfarbene, sanft geschwungene Hügel, regellos verteilte Gesteinsbrocken, kein Strauch, kein Halm - Wüste, so weit das Auge reicht.

Gnadenlos brennt die Sonne vom tiefblauen Himmel über dem rötlichen Niemandsland, bis zum Horizont durchschnitten von einer schnurgeraden Autopiste. Schließlich zweigt von der Panamericana rechts eine asphaltierte Straße ab, windet sich steil zwischen nackten Bergen hindurch, bis sich plötzlich der Blick öffnet: Aus der öden Wüstenlandschaft ragt ein Berg mit symmetrischen Flanken heraus, der Cerro Paranal.

Auf seinem Gipfelplateau thronen vier silbrige Gebäude, gigantische Kästen, Skulpturen gleich, die im Sonnenlicht metallisch glitzern. Fast scheint es, als sei eine Flotte außerirdischer Raumschiffe in dieser Einöde gelandet.

Mit dem Weltall hat dieser Ort tatsächlich viel zu tun. Mag die Atacama im Norden Chiles auch kein gastliches Refugium für das Leben sein, so ist sie doch einer der weltweit besten Orte, um Astronomie zu betreiben: In dieser Wüste ist der 2635 Meter hohe Cerro Paranal dem Himmel ganz nahe. Kaum irgendwo sonst auf der Erde ist die Luft ruhiger, klarer und trockener als hier. Die Atacama ist das astronomische Paradies auf Erden. Auf dem Cerro Paranal, nur zwölf Kilometer vom Pazifik entfernt und doch trockener als fast jeder andere Ort auf der Welt, holen sich die Astronomen die Sterne vom Himmel.

23 Tonnen schwere Spiegel mit acht Metern Durchmesser

Dazu nutzen sie die vier Großteleskope, die in den silbrigen Kästen stecken - ein jeder 30 Meter hoch. Die Teleskope haben Spiegel mit einem Durchmesser von über acht Metern. Mit gut 53 Quadratmetern Fläche sind sie so groß wie eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung. 23 Tonnen bringt ein Spiegel, der aus einem Stück Glaskeramik besteht, auf die Waage. Ein komplettes Teleskop wiegt mehr als 400 Tonnen. Und davon gibt es gleich vier Stück auf dem Berg.

Das ist keine Verschwendung, sondern ein Geniestreich: Zum einen lassen sich die Teleskope bei Bedarf zusammenschalten, um noch genauer hinaus ins All zu blicken. Zum anderen verfügen alle vier über ganz unterschiedliche wissenschaftliche Geräte, die für verschiedene Aufgaben optimiert sind. So ist das Wüstenobservatorium auf Paranal mit seinem Very Large Telescope, wie die vier Instrumente offiziell heißen, die vielseitigste Sternwarte der Welt.

Hausherrin ist die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, kurz Eso), die von 14 Staaten Europas und von Chile getragen wird. Weil Europa in der Flut künstlicher Lichter untergeht und Wolken und Dunst kaum jemals einen ungetrübten Blick zum Himmel gestatten, sind die Forscher nach Chile geflüchtet. Außerdem sieht man hier den weniger erforschten Südhimmel.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
seppiverseckelt 06.06.2010
1. Wer hier ...
...von einem "Kloster" schreibt sollte bitte höflich dem Original Huldigen ! schliesslich ist der Cerro Paranal nicht die erste Europäische Sternwarte in Chile, die erste war in La Silla und über die dortige Sternwarte hat der unvergessene Hoimar von Ditfurth einen seiner wundervollen populärwissenschaftlichen Aufsätze geschrieben mit dem Titel "Das Astro-kloster von La Silla" !! Nachzulesen etwa in dem Sammelband "Unbegreifliche Realität" erschienen im Rasch und Röhrig Verlag- in meinem Buchregal stehts neben vielen anderne Büchern von Ihm ! Geschreiben hat Ditfurth diesen Aufsatz 1979. Lang ists her -aber nicht zu lang als dass nicht manche sich noch daran erinnern ! Nun frage ich mich- ists zufall dass der Author dieses Artikels, welchen wir hier lesen dürfen sich fast genau derselben Terminologie bedient ? eigentlich egal- lieber gut geklaut statt schlecht erfunden- nur an d e n Doyen der Wissenschaftsreportage in Deutschland zu erinnern -d a s muss erlaubt sein !
lumba-lumba 06.06.2010
2. schöner Artikel, der Neugier und Sehnsucht weckt
Zitat von seppiverseckelt...von einem "Kloster" schreibt sollte bitte höflich dem Original Huldigen ! schliesslich ist der Cerro Paranal nicht die erste Europäische Sternwarte in Chile, die erste war in La Silla und über die dortige Sternwarte hat der unvergessene Hoimar von Ditfurth einen seiner wundervollen populärwissenschaftlichen Aufsätze geschrieben mit dem Titel "Das Astro-kloster von La Silla" !! Nachzulesen etwa in dem Sammelband "Unbegreifliche Realität" erschienen im Rasch und Röhrig Verlag- in meinem Buchregal stehts neben vielen anderne Büchern von Ihm ! Geschreiben hat Ditfurth diesen Aufsatz 1979. Lang ists her -aber nicht zu lang als dass nicht manche sich noch daran erinnern ! Nun frage ich mich- ists zufall dass der Author dieses Artikels, welchen wir hier lesen dürfen sich fast genau derselben Terminologie bedient ? eigentlich egal- lieber gut geklaut statt schlecht erfunden- nur an d e n Doyen der Wissenschaftsreportage in Deutschland zu erinnern -d a s muss erlaubt sein !
wg. "Kloster": hatte es so verstanden, dass diese Bezeichnung nicht vom Autor selber gewählt wurde aber gut, dass Sie an den "Grossmeister" erinnern: es gibt wohl kaum einen anderen Autor, der mein wissenschaftliches Interesse, Weltbild und schliesslich meinen Entschluss für ein Physikstudium so geprägt hat, wie H.v.Ditfurth denke mal, er hätte den Artikel auch gerne gelesen :-)
seppiverseckelt 06.06.2010
3. Ja ich bin mir sicher...
Zitat von lumba-lumbawg. "Kloster": hatte es so verstanden, dass diese Bezeichnung nicht vom Autor selber gewählt wurde aber gut, dass Sie an den "Grossmeister" erinnern: es gibt wohl kaum einen anderen Autor, der mein wissenschaftliches Interesse, Weltbild und schliesslich meinen Entschluss für ein Physikstudium so geprägt hat, wie H.v.Ditfurth denke mal, er hätte den Artikel auch gerne gelesen :-)
das hätte er ! ich hatte meine Reminiszenz an H. v. Ditfurth ja eigentlich auch nicht in konkurrierender oder abwertender Hinsicht zu diesem gelungenen Artikel verstehen wollen- nur als ich in hier Astronomie und Kloster in einem Atemzug las - da musste ich an Ihn erinnern- es ist lange her dass ich als Jugendlicher Ditfurth zum ersten mal las-und zweimal in den Umwelt-und-Friedens-bewegten 80ern auch live erleben durfte, geprägt hat er meine Weltsicht genauso wie Sie es für sich beschrieben haben- ich würde mir einfach wünschen dass möglichst viele Jüngere die nicht das glück hatten den Mann zu lebzeiten zu erleben durch uns angestiftet werden zu seinen Büchern zu greifen- da steckt grosser und leidenschaftlicher Geist dahinter !
Corni 07.06.2010
4. Die Atacama ist nicht die trockenste Wüste der Welt...
Erneut und wiederholt wird auf Spiegle Online fälschlicherweise behauptet, die Atacama sei die trockenste Wüste der Welt. Die trockenste Wüste der Welt ist allerdings die Antarktis. Eine Korrektur des Fehlers wird offensichtlich nicht für nötig erachtet. Sauberes, wissenschaftliches Arbeiten funktioniert anders.
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