Riesige Sonneneruption Kosmischer Streifschuss für Mutter Erde

Ein heftiger Sonnensturm rast durchs All - aber die Erde wird er voraussichtlich nur streifen. Experten erwarten keine dramatischen Folgen, haben aber dennoch Respekt vor dem kosmischen Brodeln. Sollte eine Eruption den Planeten mit voller Wucht treffen, drohen dramatische Folgen.

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AP/ NASA

Berlin - Für Astronomen war es ein außergewöhnliches Spektakel, für die Menschen auf der Erde dürfte der aktuelle Sonnensturm hingegen ohne merkliche Folgen bleiben. Bestenfalls wird der eine oder andere Nachtschwärmer ein paar Polarlichter zu sehen bekommen. Die Eruption, die Dienstagmorgen deutscher Zeit am Sonnenfleckenduo 1226-1227 ihren Ausgang nahm, wird das Magnetfeld der Erde nur touchieren. "Das ist nicht bedrohlich", sagt Daniel Müller, der bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa die Daten des Sonnenobservatoriums "Soho" auswertet.

Es dauert 24 bis 36 Stunden, ehe Sonnenausbrüche in die Nähe der Erde kommen. Im Laufe des Donnerstags werde der Partikelstrom das Erdmagnetfeld streifen, erklärt das Space Weather Predicition Center der US-Wetterbehörde NOAA. Die Experten dort hatten die Ausbreitung des 1400 Kilometer pro Sekunde schnellen Sturms mit Computermodellen simuliert - und dann weitgehend Entwarnung gegeben. Das bedeutet, dass sowohl Satelliten im All als auch Stromnetze auf der Erde wohl ohne größere Probleme davonkommen dürften.

Wegen seiner beeindruckenden Größe hatte der Ausbruch die Sonnenforscher zunächst in einige Aufregung versetzt. Erste Aufnahmen hatte das Nasa-Observatorium "SDO" geliefert. "Das war sehr spektakulär, weil eine große Menge Material ausgebrochen ist", sagt Esa-Experte Müller. Ein großer Teil der ausgestoßenen Teilchen sei aber schnell wieder auf die Sonne zurückgefallen. "Das war wirklich dramatisch", hatte zuvor bereits Bill Murtagh vom US-Wetterdienst NWS erklärt. Der Ausbruch ereignete sich von der Erde aus gesehen nahe am Rand der Sonne. Deswegen war er für die Forscher so gut sichtbar - und aus dem gleichen Grund schießen seine Überbleibsel weitestgehend an der Erde vorbei.

Kleinerer Sonnensturm stört Venus-Sonde

Bei einem sogenannten Koronalen Massenauswurf wird hochenergetisches Plasma freigesetzt. Es besteht vor allem aus Elektronen und Protonen, aber auch aus den Kernen einiger schwererer Elemente. Dazu kommt Röntgenstrahlung. Mit Hilfe der Daten der "Goes"-Wettersatelliten werden die Ausbrüche von der Nasa in die Stärkenklassen A, B, C, M und X eingeteilt. Ab Klasse C sind Folgen auf der Erde möglich, bei einem Ausbruch der Klasse X drohen globale Blackouts. Jede Kategorie ist ihrerseits in eine Skala von 1 bis 9 aufgeteilt. Den aktuellen Sonnensturm hat die Nasa in die mittlere Kategorie M2 eingeordnet. Die Gefahr durch die Strahlung stufte die Behörde als gering ein.

Ein größerer Sonnensturm schon in näherer Zukunft ist jedoch durchaus möglich. Die Sonnenaktivität verläuft in Zyklen - und nimmt nach einer besonders langen Phase der Ruhe gerade wieder Fahrt auf. Dass solche Ausbrüche der Menschheit und ihren technischen Gerätschaften durchaus gefährlich werden können, wissen Forscher schon lange. Bei der Esa wurde man erst am vergangenen Sonntag daran erinnert: Ein kleinerer Sonnensturm brachte die Forschungssonde "Venus Express" in Turbulenzen.

Bruno Sousa von der Esa bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass beide Sternensensoren gestört wurden. Sie dienen der Lagekontrolle der Sonde. "Für eine Periode von fünf bis sechs Stunden wurden wir durch eine plötzliche Helligkeit geblendet", sagte Sousa. Mit ihren Gyroskopen habe die Sonde aber ihre Lage weiterhin kontrollieren können. Mittlerweile funktioniere "Venus Express" wieder normal - und der aktuelle Sonnenausbruch habe der Sonde nichts anhaben können. Bereits im Dezember 2006 hatte ein Sonnensturm die Esa-Satelliten "Cluster II", "Envisat" und das Gammastrahlen-Observatorium "Integral" gestört. Dem japanischen Satelliten "Adeos-2" hatte offenbar eine Eruption im Jahr 2003 den Garaus gemacht.

Auch Kommunikations- und Navigationssatelliten können bei Sonnenstürmen Schaden nehmen. Gibt es rechtzeitige Warnungen, können Betreiber besonders sensible Systeme abschalten und so im Idealfall Probleme umgehen. Die Esa will dazu ein millionenschweres Frühwarnsystem auf die Beine stellen. Es soll außer Weltraumschrott und Asteroiden auch das Weltraumwetter besser als bisher beobachten. Doch die in der Euro-Krise gebeutelten Mitgliedstaaten müssen dafür noch ihre endgültige Zustimmung geben.

Angst vor großflächigem Stromausfall

Auf der Erde können Sonnenstürme vor allem Stromnetzen zu schaffen machen. Die Teilchenströme verformen das Erdmagnetfeld: Auf der sonnenzugewandten Seite wird es eingedellt, auf der sonnenfernen Seite franst es aus. Die resultierenden geomagnetischen Stürme können bis zu 48 Stunden dauern und etwa in Hochspannungsleitungen gefährliche Ströme induzieren - nach demselben physikalischen Prinzip, das in klassischen Fernsehantennen zum Einsatz kommt.

Das kann unter anderem Transformatoren zerstören. Stundenlange Stromausfälle in der kanadischen Provinz Quebec im Jahr 1989 werden auf Sonnenstürme zurückgeführt. Dabei wurde auch der Transformator eines Atomkraftwerks in New Jersey zerstört. In Schweden sorgte ein Sonnensturm 2003 für Stromausfälle.

Ein im April erschienener Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag hatte die Folgen eines großflächigen Stromausfalls für Deutschland mit drastischen Worten beschrieben: "Ein Kollaps der gesamten Gesellschaft wäre kaum zu verhindern." Zugrunde gelegt wurde ein zweiwöchiger Stromausfall in mehreren Bundesländern, der demnach für massive Probleme unter anderem im Verkehrs-, Telekommunikations- und Gesundheitssektor sorgen würde.

"Bereits nach wenigen Tagen" wäre, so das Fazit der Experten, im betroffenen Gebiet "die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens-)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen". Auch die öffentliche Sicherheit wäre dann gefährdet: "Der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden."

Angst vor tagelangen Stromausfällen

Mit der Frage, ob ein Sonnensturm solch einen katastrophalen Stromausfall verursachen könne, habe man sich nicht befasst, sagt Studienautor Thomas Petermann. Nach einer Prognose der National Academy of Sciences könnten aber infolge von Sonnenstürmen allein in den USA bis zu 130 Millionen Menschen tage- oder gar wochenlang wegen von der Stromversorgung abgeschnitten sein.

Auch an Pipelines können Sonneneruptionen Schäden anrichten - und zwar durch verstärkte Korrosion. Der Elektronenfluss sorgt dafür, dass elektrochemische Schutzsysteme ausgehebelt werden. Australische Forscher haben das sogar bei Pipelines unweit des Äquators beobachtet, wie sie 2010 im Fachmagazin "Space Weather" berichteten.

In nördlichen Breiten könnte der Effekt noch weit größer ausfallen. Doch damit nicht genug: Russische Forscher beklagten außerdem, dass Sonnestürme für Störungen an Zugsignalanlagen verantwortlich sein sollen. Zwischen 2000 und 2005 hätten die Systeme in der russischen Provinz Archangelsk bei insgesamt 16 Sonnenstürmen verrückt gespielt, schrieben sie im Fachmagazin "Advances in Space Research".

Im Prinzip könnte ein besonders starker Sonnensturm dem Leben auf der Erde freilich auch ganz direkt zu schaffen machen - weil er den Schutzschild unseres Planeten vor kosmischer Strahlung zeitweise lahmlegen kann. Doch der aktuelle Ausbruch ist dafür längst nicht stark genug.

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mark anton, 08.06.2011
1. Die Zeit fuer eine Reinigung von Mutter Erde ist ueberfaellig
Zitat von sysopEin heftiger Sonnensturm rast durchs All - aber die Erde wird er voraussichtlich nur streifen.*Experten erwarten keine dramatischen Folgen, haben aber dennoch Respekt vor dem kosmischen Brodeln. Sollte eine Eruption den Planeten*mit voller Wucht treffen, drohen dramatische Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767415,00.html
die Milliarden Menschen haben den Planeten durch ihr anspruchsvolles Leben, ihre Staedte, die wie Krebsgeschwuere wuchern, ihren CO2/Methan Ausstoss, ihre Vergiftung von Luft/Atmosphaere, Wasser incl. Oceanen, Ackerflaechen, Gruenflaechen durch Pestizide. Funguzide und indistruelle Landwirtschaft, Verbrechen an sog. Nutztieren durch artfremde Tierhaltung und unmumanes Schlachten usw. schwer geschadet. Die regelmaessigen Umkremplungen durch kosmische Einfluesse sind faellig, wenn man die Abstaende der Ereignisse zzurueckverfolgt. Ein Bruchteil der Menschen waere das, was der Planet verkraften kann, aber nicht 8 Milliarden und steigend.
Layer_8 08.06.2011
2. Volle Wucht, dramatische Folgen...
Zitat von sysopEin heftiger Sonnensturm rast durchs All - aber die Erde wird er voraussichtlich nur streifen.*Experten erwarten keine dramatischen Folgen, haben aber dennoch Respekt vor dem kosmischen Brodeln. Sollte eine Eruption den Planeten*mit voller Wucht treffen, drohen dramatische Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767415,00.html
Keine Panik, selbst wenn, der Planet wird dann trotzdem nicht aus seiner Bahn geworfen. Vielleicht funzen halt GPS-Geräte nicht mehr und ein paar Autofahrer gucken blöde ohne Navi, oder die Amis können ihre Drohnen in Afghanistan und Pakistan nicht mehr einsetzen. Ich sehe da kein Drama. Die spinnen, die Erdlinge.
HansWilhelm 08.06.2011
3. aha
Zitat von sysopEin heftiger Sonnensturm rast durchs All - aber die Erde wird er voraussichtlich nur streifen.*Experten erwarten keine dramatischen Folgen, haben aber dennoch Respekt vor dem kosmischen Brodeln. Sollte eine Eruption den Planeten*mit voller Wucht treffen, drohen dramatische Folgen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,767415,00.html
die ehec-seuche scheint sich dem Ende zu zuneigen,es wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben..
Moewi 08.06.2011
4. Keine Macht den Titeln
Zitat von mark antondie Milliarden Menschen haben den Planeten durch ihr anspruchsvolles Leben, ihre Staedte, die wie Krebsgeschwuere wuchern, ihren CO2/Methan Ausstoss, ihre Vergiftung von Luft/Atmosphaere, Wasser incl. Oceanen, Ackerflaechen, Gruenflaechen durch Pestizide. Funguzide und indistruelle Landwirtschaft, Verbrechen an sog. Nutztieren durch artfremde Tierhaltung und unmumanes Schlachten usw. schwer geschadet. Die regelmaessigen Umkremplungen durch kosmische Einfluesse sind faellig, wenn man die Abstaende der Ereignisse zzurueckverfolgt. Ein Bruchteil der Menschen waere das, was der Planet verkraften kann, aber nicht 8 Milliarden und steigend.
Na dann wohlan: Rasierklinge gezückt und mit gutem Beispiel voran! Achwie? Gesundschrumpfung ist gut, solange es "die anderen" trifft?
xrmb 08.06.2011
5.
Zitat von mark antondie Milliarden Menschen haben den Planeten durch ihr anspruchsvolles Leben, ihre Staedte, die wie Krebsgeschwuere wuchern, ihren CO2/Methan Ausstoss, ihre Vergiftung von Luft/Atmosphaere, Wasser incl. Oceanen, Ackerflaechen, Gruenflaechen durch Pestizide. Funguzide und indistruelle Landwirtschaft, Verbrechen an sog. Nutztieren durch artfremde Tierhaltung und unmumanes Schlachten usw. schwer geschadet. Die regelmaessigen Umkremplungen durch kosmische Einfluesse sind faellig, wenn man die Abstaende der Ereignisse zzurueckverfolgt. Ein Bruchteil der Menschen waere das, was der Planet verkraften kann, aber nicht 8 Milliarden und steigend.
erstens sind es noch nicht einmal 7 Milliarden, und zweitens kann die Erde sehr wohl 10 Milliarden vertragen, halt nur nicht alle mit westlichen Lebenstil. Und wer weiss wann die Kurve abknickt, vermutlich wird es nie ueber 10 Milliarden gehen.
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