Von Markus Becker
Mit den Ressourcen der Erde sparsam umzugehen, ist in den Industriestaaten keine besonders angenehme Aussicht - denn deren teils verschwenderischer Luxus basiert zu großen Teilen auf der rücksichtslosen Ausbeutung des Planeten. Entsprechend verlockend ist die Aussicht, im Weltall neue Rohstoffquellen zu erschließen und das lästige Sparen auf Erden überflüssig zu machen.
Das zumindest dürfte Teil eins der Erklärung für das beachtliche Medienecho sein, das eine inhaltlich äußerst dürre, dafür aber ungemein vollmundige Pressemitteilung am Samstag ausgelöst hat. Darin heißt es, ein US-Unternehmen namens Planetary Resources werde zwei "kritische Sektoren" - die Erforschung des Weltalls und natürliche Ressourcen - miteinander verbinden. Auf diese Weise werde man "Billionen von Dollar" zur globalen Wirtschaftsleistung beitragen. Als Ziel nennt die Firma nichts Geringeres als die Sicherung des Wohlstands der Menschheit.
Teil zwei der Erklärung für die globale Aufmerksamkeit dürfte sein, dass in der Ankündigung einige große Namen auftauchen. Zu den "Beratern und Geldgebern" gehören demnach Google-Chef Larry Page und Ex-Google-CEO Eric Schmidt, Hollywood-Regisseur James Cameron, der Programmierer und Weltraumtourist Charles Simonyi sowie Peter Diamandis, Gründer und Geschäftsführer der X-Prize Foundation. Chefingenieur von Planetary Resources soll Chris Lewicki sein, ein früherer Manager eines Mars-Programms bei der US-Weltraumbehörde Nasa.
Auf welche Art und mit wie viel Geld die Prominenten das Vorhaben unterstützen, liegt im Dunkeln. Auch sonst ist bisher so gut wie nichts über die Firma und ihr Projekt bekannt. Erst am kommenden Dienstag soll es auf einer Pressekonferenz nähere Details geben, wie es auf der Website von Planetary Resources heißt.
Wirbel in internationalen Medien
Einen vagen Hinweis auf das Ziel der Firma lieferte das US-Magazin "Forbes", das am Samstag aus einem Interview mit Diamandis zitierte, welches allerdings offenbar schon länger zurückliegt. "Seit meiner Kindheit will ich ein Asteroiden-Bergmann sein", sagte Diamandis demnach. In dieser Hinsicht könne es demnächst Neuigkeiten geben: "Ich versuche, einen Goldrausch zu entfachen."
Der 50-jährige Diamandis ist in der privaten Raumfahrt nicht irgendwer. Er hat etwa den Ansari X-Prize ausgeschrieben, aus dem 2004 das erste private Raumschiff "SpaceShipOne" hervorging. Anfang der neunziger Jahre war er an der Gründung einer Firma beteiligt, die Weltraumtouristen an Bord russischer "Sojus"-Schiffe ins All schickt.
Allerdings: Touristen in den Orbit zu schicken, ist eine Sache, Asteroiden auszubeuten eine ganz andere. Gewaltige Mengen an Maschinen und Ausrüstung müssten für horrende Kosten ins All geschossen werden, sicher auf Asteroiden landen und dort Rohstoffe fördern. Die müssten anschließend wieder auf die Erde zurückgebracht werden, was ebenfalls eine enorme Herausforderung wäre. Aus diesen Gründen hat sich bisher noch niemand an ein solches Projekt herangewagt, obwohl entsprechende Pläne seit Jahrzehnten in den Schubladen liegen.
Der Konsens unter den Experten lautet bisher, dass eine Ausbeutung von Asteroiden mit heutigen Technologien nicht wirtschaftlich sei. Denkbar sei lediglich, kleine Mengen an Rohstoffen auf den kosmischen Brocken zu gewinnen, um dortselbst Strukturen aufzubauen oder etwa Treibstoff für Raumschiffe zu gewinnen.
Machbarkeitsstudie fiel positiv aus
Das Keck Institute for Space Studies hat Anfang April gemeinsam mit dem California Institute of Technology und dem Jet Propulsion Laboratory eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Demnach wäre es mit heutigen Technologien durchaus möglich, einen Asteroiden mit einer Masse von 500 Tonnen in eine Umlaufbahn um den Mond zu schleppen und dort auszubeuten. Bis 2025 könnte man ein solches Projekt umsetzen.
Allerdings: Laut der Studie wären allein für das Einfangen und Abschleppen des Asteroiden 2,6 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) fällig. Und wer die Geschichte von Raumfahrtprogrammen kennt, weiß: Die erste Kostenschätzung ist selten die letzte. Zudem hat die Studie nicht zum Thema, ob es auch machbar wäre und wie viel es zusätzlich kosten würde, die gewonnenen Rohstoffe aus dem Mondorbit zur Erde zu schaffen.
Wie schwierig das wäre, wird schon an den Mengen extraterrestrischen Materials deutlich, die bisher vom Menschen auf die Erde geschafft wurden. Die Astronauten des "Apollo"-Programms etwa brauchten sechs Flüge, um 382 Kilo Mondgestein mitzubringen. Die japanische Weltraumsonde "Hayabusa" hat 2010 die ersten Bodenproben eines Asteroiden zur Erde gebracht, was als technischer Triumph gefeiert wurde. Die japanischen Forscher hatten am Ende 1500 winzige Gesteinspartikel.
Derzeit erinnert der Wirbel um die Ankündigung von Planetary Resources ein wenig an "Ginger". Im Jahr 2001 hatte der berühmte Erfinder Dean Kamen eine bahnbrechende Neuerung dieses Namens angekündigt. Auch er hatte ebenso prominente wie finanzstarke Unterstützer, etwa Apple-Chef Steve Jobs, Amazon-Gründer Jeff Bezos und die Risikokapital-Legende John Doerr.
Ein ganzes Jahr lang rätselte die Welt, welche Revolution Kamen anstoßen werde. Zwischenzeitlich hieß es gar, seine Erfindung sei wichtiger als das Internet. Dann, im Dezember 2001, wurde das Geheimnis gelüftet: Es war ein Roller.
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