Komet Tschuri "Rosetta" funkt erste Fotos vom Sturzflug

Es war ein spektakuläres Flugmanöver: In nur sechs Kilometer Abstand ist die Weltraumsonde "Rosetta" am Kometen Tschuri vorbeigerast. Jetzt wurden erste Fotos veröffentlicht.

CC BY-SA 3.0 DEESA/ Rosetta/ NAVCAM

Die Sonde "Rosetta" hat bei ihrem Sturzflug zum Kometen Tschuridetailreiche Fotos geschossen. Europäische Wissenschaftler untersuchen bei dem waghalsigen Manöver mit dem besonders präzisen "Rosetta"-Kamerasystem "Osiris", wie Gas und Staub aus dem Brocken austreten. "Osiris" kann die chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfassen.

"Es gibt austretende Gase, die man nur 'schmecken' kann, wenn man Tschuri auch nahe genug ist. Das gilt auch für den Staub", sagte "Rosetta"-Flugdirektor Andrea Accomazzo von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt. "Deshalb machen wir die Tiefflüge."

Start aus hundert Kilometern Entfernung

Erste Fotos einer Navigationskamera wurden am Montag publiziert. Bis zur Veröffentlichung der deutlich präziseren Aufnahmen der Kamera "Osiris" dürfte es noch einige Tage dauern. Der Vorbeiflug an dem Kometen, der mit vollem Namen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" heißt, erfolgte wie geplant am Samstagnachmittag. Der minimale Abstand lag bei sechs Kilometern. Einen Tag vor dem Manöver hatte "Rosetta" zu Tschuri noch eine Distanz von etwa hundert Kilometern gehabt.

Nach der Aktion am Samstag zieht sich die Sonde nun wieder auf einen größeren Abstand zurück. Am Dienstag sollen 250 Kilometer Distanz erreicht sein. Weitere Annäherungen sind geplant - allerdings nicht mehr so nahe wie bei diesem extremen Tiefflug, dann womöglich höchstens bis auf einen Abstand von zehn Kilometern.

Der Komet und die ihn umkreisende Sonde sind derzeit rund 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Gesteuert wird die "Rosetta" vom Satelliten-Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt. Tschuri ist Richtung Sonne unterwegs und wird aktiver, sein Schweif größer. Im August wird der Komet der Sonne am nächsten sein.

"Philae" noch im Winterschlaf

Im vergangenen November hatte "Rosetta" nach zehn Jahren Flug durch das All das waschmaschinengroße Mini-Labor "Philae" auf dem Kometen abgesetzt. Esa schrieb mit der Landung Weltraumgeschichte, auch wenn diese nicht ganz so ablief wie geplant. Das Labor prallte zunächst von der Kometenoberfläche zurück und schwebte ein ganzes Stück weiter, bevor es endgültig zum Stehen kam.

"Philae" befindet sich zurzeit im Winterschlaf, da die Sonneneinstrahlung am schattigen Standort für einen Betrieb noch nicht ausreicht. Das DLR rechnet damit, dass sich die Batterie bei besserer Position wieder auflädt und "Philae" sich meldet.

Noch immer ist nicht ganz klar, wo "Philae" nach der Landung genau abgeblieben ist. Gefunden wurde das Mini-Labor bei dem nahen Vorbeiflug am Samstag nicht - konnte es auch nicht. "Wir sind über die andere Seite des Kometen geflogen", sagte Accomazzo. "Wir hatten gar keine Chance."

nik/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
wb99 16.02.2015
1.
Ist eigentlich schon mal jemand der Frage nachgegangen, wieso "Philae" keine Nuklearbatterien an Bord hatte, sondern stattdessen jetzt mit seinen Solarzellen irgendwo hinter einem Felsen verreckt?
Cugel 16.02.2015
2.
Zitat von wb99Ist eigentlich schon mal jemand der Frage nachgegangen, wieso "Philae" keine Nuklearbatterien an Bord hatte, sondern stattdessen jetzt mit seinen Solarzellen irgendwo hinter einem Felsen verreckt?
Rosetta/Philae kam auf ihrem Flug zum Kometen "Tschuri" insgesamt dreimal wieder an der Erde vorbei um bei sogenannten Swing-by-Manövern Schwung zu holen. Das sind immer sehr knappe Vorbeiflüge (nach Millionen von Kilometern Flug) und die ESA wollte vermutlich Diskussionen um eine eventuelle Gefährdung von Menschen aus dem Wege gehen. Ausserdem sind Solarpanele natürlich leichter und unkomplizierter. Hier kann man übrigens herrlich verfolgen, wie kompliziert die Rosetta-Flugbahn wirklich war: http://sci.esa.int/where_is_rosetta/
skipper-saling 16.02.2015
3.
was ist denn bitte eine Nuklear-Batterie :-))
monolithos 16.02.2015
4.
Zitat von skipper-salingwas ist denn bitte eine Nuklear-Batterie :-))
Gemeint ist wohl eine Radionuklidbatterie. Nähere Infos hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Radionuklidbatterie
kommanditente 16.02.2015
5. Selbst die Amerikaner...
Zitat von wb99Ist eigentlich schon mal jemand der Frage nachgegangen, wieso "Philae" keine Nuklearbatterien an Bord hatte, sondern stattdessen jetzt mit seinen Solarzellen irgendwo hinter einem Felsen verreckt?
...verwenden RTGs nur wenn es nicht anders geht. Ein wichtiger Grund ist dabei sicher auch, dass es dann jedes Mal Proteste vor dem Start gibt. Churyumov-Gerasimenko ist der Sonne nahe genug um mit Solarzellen klar zu kommen. Da RTGs ausserdem schwer sind, könnte ich mir vorstellen, dass sie auch schon deswegen für einen kleinen Lander wie Philae nicht sehr vorteilhaft gewesen wären. Ein schwerere Lander wäre vielleicht auch mit der Nutzlastkapszität der Rakete ins Gehege gekommen.
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