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Kometenlandung: "Philae"-Daten enthüllen Tschuris Geheimnisse

Apparat "Philae": Landung auf hartem Kometen-Grund Fotos
ESA/ ATG medialab

Von allen zehn Experimenten auf dem Kometen Tschuri liegen Daten vor - nun beginnt die aufwendige Analyse. Erste Ergebnisse zeigen: Der Himmelskörper besitzt eine harte Oberfläche und wenig Staub.

Das Mini-Labor "Philae" schläft, doch die Erforschung des Kometen Tschuri geht weiter. Zur Freude der Verantwortlichen übermittelte der Kometenlander in der Nacht zum Samstag mit dem letzten Rest Energie erfolgreich alle gewonnenen Messdaten. "Alle zehn Experimente sind gelaufen, und von allen zehn Experimenten gibt es Daten", sagte Andreas Schütz, Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die Mission sei ein "voller Erfolg", erklärte "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Demnach arbeitete das kühlschrankgroße Minilabor 56 Stunden durch, genauso wie seine Kontrolleure am Boden. Als nach und nach die erhobenen Daten eintrafen, sei im Kontrollraum in Köln immer wieder Jubel ausgebrochen.

Die sogenannte First Science Sequenz sei gelaufen, erklärte Schütz. Seit Montagmorgen säßen die für "Philae" zuständigen Wissenschaftler in Köln zusammen, um die Daten zu analysieren. Der Sprecher warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen: "Die Auswertung solcher Experimente kann Jahre dauern." Doch die ersten Informationen liegen jetzt vor.

Harte Schale, wenig Staub

"Jetzt wissen wir: Auf der harten Oberfläche, auf die Philae 'gehüpft' ist, gab es nur zehn oder zwölf Zentimeter Staub", sagte der Leiter für Missionsbetrieb bei der Europäischen Weltraumagentur Esa, Paolo Ferri, am Montag dem Radiosender HR-Info.

Vor der historischen Landung von "Philae" auf dem Tschuri genannten Kometen am vergangenen Mittwoch hatten die Wissenschaftler über die Oberflächenbeschaffenheit des Schweifsterns nur spekulieren können. Ferri zufolge nahm "Philae" enorm detailreiche Fotos von der Kometenoberfläche auf. "Die Bilder, die wir gesehen haben, sind noch nicht veröffentlicht, aber sie waren fantastisch", sagte Ferri. "Ich habe Bilder gesehen, die aussehen wie Korallenriffe auf dem Meeresboden, unglaubliche Strukturen."

Sonnensegel Richtung Sonne gedreht

"Philae" war am Mittwochnachmittag auf dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, kurz Tschuri, gelandet. Die Batterie war für eine Energielieferung von etwa 60 Stunden programmiert, danach sollten Solarbatterien einspringen. Allerdings landete "Philae" an einer anderen Stelle als geplant, nämlich in einer Schrägstellung und womöglich an einem Kraterrand. Deshalb bekam das Labor wesentlich weniger Sonnenlicht ab als geplant - entsprechend weniger Energie liefern die Sonnensegel.

Interaktive Grafik: Kometen im Sonnensystem

Immerhin konnten die Wissenschaftler "Philae" samt seinen Sonnensegeln noch um 35 Grad drehen, bevor sich der Lander wegen Strommangels abschaltete. Das größere Sonnensegel steht nun in einem günstigeren Winkel zur Sonne und kann mehr Energie tanken. Die Hoffnung ist, dass sich "Philae" noch einmal aus seinem Ruhemodus hochfahren lässt, wenn sich der Komet in den kommenden Monaten weiter der Sonne nähert.

"Ich schließe mit einem erholsamen 'zzzzz'"

Sollten die Batterien des Landers tatsächlich noch einmal aufgeladen werden, könnte die Untersuchung des Kometen fortgesetzt werden. "Aus den Daten der ersten Experimente ergeben sich weitere Fragen", erklärt DLR-Sprecher Schütz. Soll man die Instrumente anders programmieren oder ein Experiment verändern?

Die Landung von "Philae" auf Tschuri - die erste eines vom Menschen geschaffenen Geräts auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt - war als historischer Erfolg gefeiert worden. Ziel der Mission sind neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems. Gesucht wird unter anderem nach organischen Molekülen, wie sie eine Rolle bei der Entstehung von Leben auf der Erde gespielt haben könnten.

Europas Raumfahrtagentur Esa ließ "Philae" und die Trägersonde "Rosetta", die die rund 510 Millionen Kilometer weite Reise zu Tschuri absolviert hatte, über den Kurznachrichtendienst Twitter miteinander kommunizieren. "Mein Leben auf einem Kometen hat gerade erst begonnen. Ich schließe mit einem erholsamen 'zzzzz'", meldete demnach "Philae". Der Orbiter "Rosetta" antwortete: "Ist gut, 'Philae'. Bei mir ist soweit alles okay. Schlaf gut."

hda/jme/AFP

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insgesamt 134 Beiträge
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1. Super!
elizar 17.11.2014
Ich hab schon befürchtet, dass gar keine Daten zu gewinnen sind. Glückwunsch, dass alle 10 (!) Experimente durchgeführt werden konnten.
2. Hm ...
Servo 17.11.2014
So interessant ich solche Missionen, Experimente und Ergebnisse auch finde, stelle ich mir trotzdem vordergründig immer wieder die gleiche Frage: Welchen Nutzen zieht die Menschheit daraus? Lassen sich dadurch Kriege, Hunger und Durst eliminieren? Werden die Bildungschancen für unsere Kinder dadurch erhöht? Leider ist die Antwort immer wieder "Nein", weshalb ich kein Verständnis dafür habe, wofür heutzutage Geld aus dem Fenster geworfen wird angesichts der wirklichen Probleme auf diesem Planeten.
3. Sehr gut!
gott777 17.11.2014
Sehr vorbildlich wie die Medien diese wirklich spannende Mission begleiten. So wird die Akzeptanz für die Kosten und deren Nutzen deutlich erhöht und interessiert auch Laien mehr für die Welt um sie herum. Ich hoffe, ihr bleibt dran und präsentiert uns bald neue Bilder und später die Ergebnisse der Mission! Alles gute Philae auf deiner Reise!
4.
regensommer 17.11.2014
Grundsätzlich gefällt mir diese Mission und sehe es als gut investiertes Geld an. Allerdings sollten mehr Fotos veröffentlicht werden. Diese Zurückhaltung fördert nicht die Bereitschaft für derartige Unterfangen.
5. Yep - super !
Otis 17.11.2014
Aufklärung, Wissen, Entdeckung - was kann es besseres geben ?
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