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Probleme bei Kometenmission: Esa und DLR feiern Landung zu früh

Von , Köln

Sonde "Philae": Landung mit Problemen Fotos
AFP

Der Jubel über die spektakuläre Landung auf dem Kometen "Tschuri" war riesig. Bis Esa und DLR eingestehen mussten, dass der Landeapparat "Philae" nicht richtig funktioniert hat. Aber noch ist ein Happy End möglich.

Was war das für ein aufregender Tag. Raumfahrtgeschichte wollten sie schreiben bei der Esa, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und anderswo in Europa. Mit einer gewagten, technisch raffinierten Landung auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko - kurz "Tschuri". Und man muss sagen, dass es Europas Raumfahrern tatsächlich gelungen ist, Geschichte zu schreiben - ganz egal wie die Sache mit dem Landeapparat "Philae" nun ausgeht.

Kurz nach 17 Uhr, und damit genau wie im Zeitplan vorgesehen, hatte Stephan Ulamec die erfolgreiche Landung verkündet. Er leitet beim DLR in Köln die "Philae"-Mission. Sowohl die zwei Harpunen als auch die drei Schrauben an den Beinen des Apparats hätten wie geplant funktioniert, sagte Ulamec. Schrauben und Harpunen sollen den Lander sicher am Boden verankern - die Schwerkraft des Kometen ist sehr gering. Im Extremfall hätte "Philae" sogar vom Boden abprallen und wieder zurück ins All fliegen können.

Im Esa-Kontrollzentrum Darmstadt, aber auch beim DLR in Köln, wo der Lander gesteuert wird, war die Erleichterung über die geglückte Landung zu spüren. "Ich bin überglücklich, bei diesem Erfolg dabei zu sein", sagte Johann-Dietrich Wörner, Vorstandschef beim DLR.

Wörner räumte ein, dass er die Idee, auf einem Kometen zu landen, anfangs für nicht realisierbar gehalten hat. "Das geht nicht, dachte ich. Dieser Plan ist verrückt." Doch schließlich hätten ihn seine Kollegen überzeugt.

Der Rückzieher kam eine Stunde später

Doch nur eine Stunde später mussten die DLR-Experten einen Rückzieher machen. Die beiden Harpunen seien gar nicht abgefeuert worden, hieß es plötzlich. Und man wisse auch nicht, warum sie nicht funktioniert hätten. Weil schon vor der Landung Probleme an der Düse festgestellt worden waren, die "Philae" nach der ersten Berührung gegen den Kometenboden drücken sollte, waren damit wohl gleich zwei der drei Landemechanismen ausgefallen. Ob die Sonde im wohl eher weichen Boden allein mit den drei Bohrern Halt gefunden hat?

Die Verwirrung perfekt machten schließlich Berichte über Schwankungen beim Funksignal. "Philae" überträgt seine Daten zunächst zum Mutterschiff "Rosetta", das den Kometen "Tschuri" umkreist. Von dort werden sie zur Erde gesandt. Schwankungen sind kein gutes Zeichen, sie dürften bei einem fest stehenden Lander nicht auftreten.

Drei Stunden nach der angeblich geglückten Landung erläuterte Lander-Chef Ulamec schließlich den vorläufigen Informationsstand: "Es ist schwer zu verstehen, was passiert ist", sagte er. Es habe nach der Landung Fluktuationen beim Funksignal und auch bei Energieerzeugung der Solarpanel gegeben. Dies könne drauf hindeuten, dass der Lander rotiere. Er müsste demnach nach der ersten Berührung vom Kometen abgeprallt sein und über dessen Oberfläche schweben.

Zwei Stunden später jedoch, und das ist womöglich die gute Nachricht, seien die Fluktuationen verschwunden. "Vielleicht sind wir heute nicht nur einmal, sondern zweimal auf einem Kometen gelandet", mutmaßte Ulamec. Ob die Hypothese stimme, dass der Lander erst abgeprallt, dann aber doch zum Stehen gekommen sei, werde sich erst nach der Auswertung weiterer Daten zeigen.

ESA-Generaldirektor Dordain bittet um Geduld

Nach 20 Uhr war die Funkverbindung zum Landeapparat wie geplant zusammengebrochen, weil die Sonde "Rosetta" sich dann auf der Rückseite des Kometen befindet und keine Signale des Landers empfangen kann. Mehr Informationen wollen Esa und DLR am Donnerstag gegen 14 Uhr verkünden.

Die Mission kann also trotz des Hin und Her durchaus noch zu einem großen Erfolg werden. In den Kontrollräumen von Esa und DLR sah man am Abend verständlicherweise nur noch lange Gesichter. Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain bat vor allem um Geduld: "Wir haben eine Funkverbindung, wir bekommen Daten. Wir müssen den Kollegen noch etwas Zeit geben. Wir stehen erst am Anfang."

3D-Modell der Raumsonde
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insgesamt 60 Beiträge
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    Seite 1    
1. Auch so
Enkidu 12.11.2014
ist das eine phänomenale Leistung, auf die ich heuteabend ein Gläschen Sekt gehoben habe. Prost ESA!
2. Hoffentlich !!!
hastalapasta 12.11.2014
Das ist spannender als so mancher Tatort. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass am Ende doch noch alles geklappt hat wie gedacht.
3. Schade, dass nicht alles nach Plan lief.
ratz1967 12.11.2014
Dennoch wünsche ich mir für all die beteiligten an dem Projekt, sowie allen Interessierten, dass wenigstens ein Teil der Tests und Experimente möglich bleiben wird. Mich persönlich würden ein paar gute Bilder vom Kometen ausserordentlich interessieren. Viel Glück den tapferen Gesellen
4. Außerirdische
StefanXX 12.11.2014
Ich denke dass der Komet von Außerirdischen bevölkert ist, die den Lander sabotieren, weil Sie natürlich nicht von uns entdeckt werden wollen.
5. sie haben................
janne2109 12.11.2014
sie wollten nicht -- sie haben Raumfahrtgeschichte geschrieben, auch wenn nicht alles reibungslos funktioniert. TOLL
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