"Kein Fortschritt" Kosmonaut kritisiert russische Raumfahrt

Er ist einer der meist gereisten Raumfahrer - nun übt ein russischer Kosmonaut scharfe Kritik an seinem Land: Es gebe keinen Fortschritt in der Technik und zu wenig Platz in der Raumstation. Gennadi Padalka fordert die Modernisierung von Russlands kriselnder Raumfahrt.

Gennadi Padalka: Schon auf der legendären Raumstation "Mir" im Einsatz
DPA/ NASA/ Carla Cioffi

Gennadi Padalka: Schon auf der legendären Raumstation "Mir" im Einsatz


Moskau/Hamburg - Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen: Kosmonaut Gennadi Padalka hat mit ungewohnt offenen Worten eine Modernisierung der zuletzt fehleranfälligen russischen Raumfahrtbranche gefordert. Während sich Moskau auf überholten technischen Entwicklungen aus der Sowjetzeit ausruhe, habe der große Konkurrent USA vor kurzem auf dem Mars ein Forschungsfahrzeug abgesetzt, sagte Padalka am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.

"Russlands Weltraumtechnik ist zuverlässig, aber seit 20 Jahren gibt es keine Neuentwicklung", klagte der erfahrene Kosmonaut kurz nach der Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS. Mit bisher 711 Tagen im All steht Padalka auf der Liste der Raumfahrer mit der längsten Aufenthaltsdauer auf Platz vier.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte vor kurzem eine Verlängerung des Aufenthalts von Kosmonauten auf der ISS von derzeit sechs Monaten auf ein Jahr vorgeschlagen. Dies lehne er strikt ab, sagte Padalka. Das russische ISS-Wohnmodul sei für eine solch lange Mission viel zu unbequem, kritisierte der 54 Jahre alte Kosmonaut, der schon auf der legendären Raumstation "Mir" im Einsatz gewesen war. "Die Kollegen von der Nasa haben auf der ISS siebenmal mehr Platz als wir", beschwerte sich Padalka mit Blick auf die Wohnmodule.

Die russische Raumfahrtbranche solle endlich Neuentwicklungen hervorbringen, forderte der Kosmonaut. "Wir haben auf der ISS die Roboter der europäischen und der US-amerikanischen Kollegen im Einsatz gesehen. Wir warten auf so etwas."

Russland ist nach dem Aus für die US-Space-Shuttles zwar das einzige Land, das bemannte Flüge zur ISS organisiert. Zahlreiche technische Pannen hatten aber zuletzt am Image der Raumfahrtnation gekratzt. Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin steht stark unter Druck. Nach der Pannenserie im Jahr 2011 hatte Russlands Raumfahrtagentur Roskosmos eine Analyse der Fehlerquellen begonnen.

boj/dpa

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