Rot-grüner Planet Nasa will Bäume auf dem Mars pflanzen

Wälder, Seen und Menschen statt lebloser Kraterlandschaft: So soll es in Jahrhunderten auf dem Mars aussehen, sollte die Vision von Nasa-Forschern wahr werden. Sie wollen Bäume auf dem Roten Planeten pflanzen - und testen ihr Projekt auf einem Vulkan in Mexiko.


Mexico City - Minus 55 Grad Celsius, extrem dünne Luft und eine Atmosphäre, die zu 95 Prozent aus Kohlendioxid besteht: Auf dem Mars kann kein Baum wachsen. Noch nicht. Biologen und Planetenforscher aus den USA und Mexiko wollen in Zukunft Bäume aus dem Boden des Roten Planeten sprießen lassen: Aus der leblosen, steinigen Mars-Oberfläche soll eine saftiggrüne Landschaft mit Seen und mineralstoffreichen Bergen werden.

Pico de Orizaba: Testfeld für die Mars-Bewaldung
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Pico de Orizaba: Testfeld für die Mars-Bewaldung

Das irdische Testfeld für die Mars-Bewaldung: der Pico de Orizaba, ein schlummernder Vulkan und zugleich Mexikos höchster Berg, mit schneebedeckter Spitze und Kiefernwäldern an den Abhängen. Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Baumgrenze so hoch, hier gedeihen Bäume selbst in 4200 Metern Höhe bei fünf Grad. Der Vulkan soll deswegen herauszufinden helfen, ob und wie Bäume auf dem Mars wachsen könnten. Denn wenn der Mars den Menschen einst eine Heimat bieten soll, dann ist es ein entscheidender Schritt, Wälder wachsen zu lassen. Dann könnten eines Tag auch Menschen Mars-Luft atmen. "Bäume sind die Maschinen der Biosphäre", sagte McKay des Nasa Ames Center in Kalifornien.

Rafael Navarro-Gonzalez von der National Autonomous University in Mexiko-Stadt beobachtet bereits seit neun Jahren die Kiefernwälder des Pico de Orizaba - und hat mit seinen Kollegen einen Plan aufgestellt. Der Mars müsste mit Hilfe von Hitze einfangenden Gasen erwärmt, der Luftdruck in der Atmosphäre erhöht, Bakterien hingeschickt und zur Fotosynthese gebracht werden - eine Art künstliche Klimaerwärmung plus Bakterien-Besiedlung. Anschließend sollten Menschen zum Mars fliegen und Baum-Samen einpflanzen. So ließe sich eine Atmosphäre schaffen, glauben die Forscher, in der auch Menschen leben könnten.

"Gärtner statt Gott spielen"

"Es klingt wie Science Fiction, aber wir denken, dass es realisierbar ist", sagt der Chemiker und Planetenforscher Navarro-Gonzalez. "Wir haben erlebt, wie unser Planet mit Treibhausgasen erwärmt wurde, aber auf dem Mars könnten wir das mit stärkeren Gasen schneller tun."

Die erste bemannte Mission zum Mars sei in 10 bis 15 Jahren möglich, sagt Nasa-Forscher McKay. Der aufwärmende Prozess könnte 50 Jahre später beginnen. Bis dahin müssten auch noch ethische Bedenken überwunden werden: "Das ist mehr Gärtner-Spielen als Gott-Spielen, aber die ethischen Fragen sind wichtig."

Damit der Mars sich von frostigen minus 55 Grad Celsius auf die Baumwachstum-Mindesttemperatur von 5 Grad erwärmt, müssten Gase wie Methan oder Stickstoffoxid in die Atmosphäre des Roten Planeten gepumpt werden, so die Wissenschaftler. Stickstoffdioxid macht derzeit knapp drei Prozent der Mars-Atmosphäre aus, Methan wurde mittlerweile in Spuren nachgewiesen.

Viele Wissenschaftler glauben daran, dass es auf dem Mars Leben gibt und sie dieses finden werden, und seien es nur einige Bakterien. McKay und Navarro-Gonzalez glauben sogar, dass mit einer künstlichen Klimaerwärmung das Eis auf den Mars-Polkappen zu Seen schmelzen könnte - und das deren Untergrund Schlüsselelemente für Leben enthält. Im August wird die Nasa den "Phoenix Mars Lander" zum Mars schicken. Der Roboter soll die Bedingungen für die Existenz von Mikroorganismen auf dem Planeten untersuchen und erklären, warum aus dem einst feuchten und warmen Mars ein kalter Planet mit vereisten Polkappen wurde. Die Existenz von Wasser wäre ein wichtiges Anzeichen für die Möglichkeit von Leben auf dem Roten Planeten.

Erster Mars-Wald in 100 Jahren?

Sollte herauskommen, dass doch schon Leben auf dem Mars existiert, würden er und seine Kollegen ihr Projekt sofort abbrechen, sagt Navarro-Gonzalez. Denn wenn es dort wirklich Leben gebe, hätten die Wissenschaftler kein Recht, es mit ihrer künstlichen Klimaerwärmung zu zerstören. "Wenn der Planet aber unfruchtbar ist, kann man Leben von der Erde zum Mars bringen", so Navarro-Gonzalez.

"Es ist möglich, dass es in 100 Jahren auf dem Mars Bäume gibt", so McKay. Navarro-Gonzalez ist vorsichtiger und spricht davon, dass die Vision der grünen Wälder-Landschaft auf dem Roten Planeten frühestens in einigen Jahrhunderten Realität sein könnte. Fürs Erste müssten Menschen nach sechs Monaten Flug zum Mars unter einer Druckkuppel leben und heftige Sandstürme ertragen. Auf lange Sicht, so Navarro-Gonzalez, könnte die geringe Anziehungskraft des Mars auch sonderbare Effekte auf die Siedler haben: Sie würden erschreckend groß wachsen, kosmische Strahlung könnte Krebs auslösende Veränderungen im Erbgut verursachen.

Vielleicht sollte man den Roten Planeten also doch nicht zum Außenposten des Blauen Planeten machen? "Ich habe nicht die Vision", sagt McKay, "dass Leute auf den Mars ziehen, so wie die Menschen sich in der Neuen Welt niederließen, ein Zuhause aufbauten und ihre Familien mitbrachten."

fba/rtr



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