Roter Planet Forscher hoffen auf Leichenhalle für Mars-Mikroben

Es könnte der letzte Zufluchtsort für Leben auf dem Mars gewesen sein: Forscher haben auf dem Roten Planeten Ablagerungen an einem Vulkan entdeckt, die von Wasser verursacht wurden - kurz bevor der Planet zu einer kalten, lebensfeindlichen Welt wurde.

Mars-Vulkan: Die hellen Flecken im Vordergrund könnten auf früheres Leben hindeuten
NASA / JPL-Caltech / MSSS / JHU-APL / Brown University

Mars-Vulkan: Die hellen Flecken im Vordergrund könnten auf früheres Leben hindeuten


Die Oberfläche staubtrocken, die Atmosphäre hauchdünn, kein Leben weit und breit: Der Mars ist heute ein unwirtlicher Ort. In ferner Vergangenheit aber war das anders, wie Forscher inzwischen wissen. Einst war es relativ warm und feucht auf dem Mars, ehe vor rund 3,5 Milliarden Jahren ein dramatischer Wandel stattfand.

Jetzt glauben Wissenschaftler, einen der Orte gefunden zu haben, an dem sich das Leben am längsten halten konnte. Auf einem Vulkankegel hat ein Team um John Skok von der Brown University in Providence (US-Bundesstaat Rhode Island) Mineralien entdeckt, die darauf hinweisen, dass dort noch bis vor vergleichsweise kurzer Zeit Leben existiert haben könnte.

Mit Hilfe der US-Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) konnten die Forscher das Mineral als Kieselsäure-Hydrat identifzieren - das nur in Verbindung mit Wasser entstanden sein kann. Der Fundort des Minerals auf der Flanke eines relativ jungen Vulkans sei der bisher beste Hinweis auf die Ablagerung einer hydrothermalen Umgebung, wie sie auf der Erde etwa als heiße Quelle vorkommt, schreiben Skok und seine Kollegen im Fachblatt "Nature Geoscience".

"Die Hitze und das Wasser, die zur Entstehung dieser Ablagerung nötig waren, haben die Gegend wahrscheinlich lebensfreundlich gemacht", sagt Skok. Sollte an dieser Stelle Leben existiert haben, wären von ihm vielleicht noch immer Spuren vorhanden - "wie in einer mikrobiellen Leichenhalle", so Skok. Falls auf dem Vulkan jemals etwas gelebt haben sollte, wäre es schon lange tot: Der Kegel entstand nach Meinung der Wissenschaftler vor rund 3,7 Milliarden Jahren, als der Mars bereits kühl und trocken wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Mars Kieselsäure gefunden wurde. Schon 2007 war dem Rover "Spirit" eine ähnliche Entdeckung gelungen. Jetzt aber, betonen Skok und seine Kollegen, sei man erstmals auf ein nahezu intaktes Vorkommen gestoßen, dass eindeutig auf die Herkunft des Minerals schließen lasse. "Wir wissen, dass der Kegel durch einen der letzten Atemzüge eines vulkanischen Systems entstanden ist", sagt John Mustard, einer der Autoren der Studie.

In den vergangenen Jahren haben Forscher zahlreiche Hinweise dafür gefunden, dass der Mars früher eine lebensfreundliche Welt war. Erst Mitte Oktober hat die Untersuchung eines Meteoritenkraters ergeben, dass sogar bis heute noch Leben tief unter der Oberfläche des Roten Planeten existieren könnte. Doch der endgültige Beweis für heute oder früher existierendes Leben steht bisher aus.

mbe

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