Roter Planet Verwirrung um Gift im Marsboden

Wie lebensfreundlich ist der Rote Planet? Zunächst hieß es, der Marsboden eigne sich gar zum Anpflanzen von Gemüse. Dann wurde eine giftige Substanz entdeckt, die Leben deutlich erschweren soll. Nun heißt es auch darüber: alles gar nicht so tragisch.


Los Angeles - Es klang wie die längst überfällige Bestätigung dessen, was man eigentlich schon immer geahnt, wenn nicht gar zu wissen geglaubt hatte: Der Marsboden ist lebensfreundlich - und zwar so sehr, dass in ihm sogar Spargel und Bohnen gedeihen könnten. Abgesehen natürlich davon, dass dafür auf dem Mars solche Kleinigkeiten wie die geeignete Atmosphäre und passende Temperaturen fehlen würden.

Am Dienstag dann die Ernüchterung: Der Marsroboter "Phoenix" hatte zwischen all den lebensfreundlichen Mineralien wie Magnesium, Kalium und Natrium auch Perchlorat im Boden des Roten Planeten gefunden. Die hochreaktive Chlorverbindung gilt nicht eben als besonders förderlich bei der Entstehung von Leben.

Doch es wäre vorschnell, den Mars sogleich zur Todeszone zu erklären, wie Nasa-Forscher jetzt betonen. Denn Perchlorat wird nicht nur für Feststoffraketen und Sprengstoffen verwendet, sondern kommt auf der Erde auch natürlich vor - etwa im Boden der chilenischen Atacama-Wüste. Dort, in der trockensten Wüste der Erde, benutzen einige extreme Organismen das Perchlorat gar als Energiequelle. "Wir wissen, dass Mikroben unter diesen Bedingungen problemlos existieren können", sagte Richard Quinn vom Ames Research Center der Nasa. "Auf dem Mars könnte das ebenso sein. Wir wissen es noch nicht."

In jedem Fall sei der Fund von Perchlorat keine besonders gute Nachricht. "Niemand, der nach Leben sucht, wäre besonders glücklich, es zu sehen." Allerdings sei bisher unbekannt, wie die Substanz auf dem Mars entstanden und wie stark sie dort verbreitet ist. "Phoenix" hatte das Salz in zwei Bodenproben entdeckt, die von unterschiedlichen Stellen stammten. Allerdings konnte ein weiteres Instrument an Bord von "Phoenix" das Perchlorat nicht bestätigen - obwohl es dazu in der Lage sein sollte.

Die Nasa prüft auch, ob der Roboter selbst das Perchlorat auf den Mars gebracht haben könnte. Das aber erscheint derzeit unwahrscheinlich: Die Triebwerke der Landesonde wurden mit Hydrazin betrieben. Die Nasa-Ingenieure räumten lediglich ein, dass "Phoenix" mit geringer Wahrscheinlichkeit beim Start von der Trägerrakete verunreinigt wurde.

mbe/AP/Reuters



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