Roter Planetenfleck: Auge des Jupiter

Er ist größer als unsere Erde: Bisher wussten Forscher wenig über den Großen Roten Fleck auf dem Jupiter. Jetzt konnten sie erstmals einen Blick ins Innere des gewaltigsten Sturms im gesamten Sonnensystem werfen.

Esa/Hubble

Pasadena/Garching - Schon seit 300 Jahren kennen Astronomen den Großen Roten Fleck im Süden des Jupiters. Er ist längst nicht die einzige Sturmformation auf dem riesigen Gasplaneten, wohl aber die spektakulärste. Das mehrere zehntausend Kilometer große System hat sich in dieser Zeit überraschend wenig verändert. Eingegrenzt von starken Strömungen im Norden und Süden tobt der massivste Sturm des Sonnensystems. Gegen den Uhrzeigensinn rotieren die Gasmassen. Das dachte man zumindest bis jetzt.

Neue Aufnahmen zeigen den Fleck in bisher ungekannter Klarheit - und die bringen eine interessante Erkenntnis zur Drehrichtung der Gasmassen: Der Wirbel bewegt sich nicht nur in eine Richtung.

"Das ist unser erster detaillierter Blick in den größten Sturm des Sonnensystems", sagt Glenn Orton vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena (US-Bundesstaat Kalifornien). Die entscheidenden Aufnahmen haben die Wissenschaftler dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile gemacht. Ergänzt wurden die Bilder durch Daten weiterer Forschungseinrichtungen. Die Forscher berichten im Fachmagazin "Icarus" über ihre Arbeiten.

Fotostrecke

5  Bilder
Großer Roter Fleck: Der Riesensturm vom Jupiter

"Früher haben wir geglaubt, dass der Große Rote Fleck ein simples Oval ohne viel Struktur ist, aber diese neuen Ergebnisse zeigen, dass er tatsächlich ein sehr kompliziertes Gebilde ist", sagt Orton. Der Große Rote Fleck ist mit minus 160 Grad ein Kaltgebiet der Jupiteratmosphäre. Die neuen Wärmebilder verraten jedoch, dass die besonders rot gefärbte Region in der Mitte der Formation drei bis vier Grad wärmer ist als der Rest des Wirbelsturms.

Dunkle Streifen durch absinkendes Gas

Erstmals könne nun ein direkter Zusammenhang zwischen der Färbung des Großen Roten Flecks und Umweltbedingungen wie etwa der Temperatur hergestellt werden, sagt Orton. In den Randbereichen konnten die Wissenschaftler sogar dunkle Streifen erkennen. Die Forscher glauben, dass in diesen Bereichen kühlere Gase absinken.

Was Schuld an der roten Farbe ist, wissen Astronomen trotzdem bis heute nicht im Detail. Sie haben zum Beispiel den Einfluss des UV-Lichts, organische Moleküle, Phosphor und Schwefel als Möglichkeiten diskutiert - ohne zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen. Klar ist aber, dass die Farbe des Megawirbels wechselt.

Und nicht nur die: Der Temperaturunterschied zwischen der Kern- und der Außenregion des Großen Roten Flecks reicht offenbar aus, um die Drehrichtung in einem kleinen Gebiet zu ändern. Während sich der Sturm eigentlich gegen den Uhrzeigersinn dreht, ist es im Zentrum nämlich umgekehrt. Und auch andere Regionen der Jupiteratmosphäre würden von Temperaturunterschieden beeinflusst, berichten die Forscher. Die Windgeschwindigkeiten und die Wolkenmuster an verschiedenen Stellen seien messbar verändert.

chs/ddp

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Jupiter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite