Mögliche Verunreinigung: "Curiosity" könnte Mars-Wasser verdrecken

Eine Bohrerspitze des Mars-Fahrzeugs "Curiosity" ist womöglich mit Keimen von der Erde verunreinigt. Eigentlich soll die Mission prüfen, ob es die Voraussetzungen für Leben auf dem Mars gibt. Doch im schlechtesten Fall könnte sie den Planeten nun erst besiedeln.

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NASA / JPL-Caltech / MSSS

Roboterarm von "Curiosity": Diskussion über mögliche Verunreinigung

Los Angeles - Wenn Forschungssonden von der Erde zu fremden Himmelskörpern fliegen, dann dürfen sie keine Keime dort hintragen. Zum einen würde das natürlich die Messergebnisse verfälschen, zum anderen wäre die Luftpostlieferung von Lebewesen im Extremfall ein nie wieder rückgängig zu machender Eingriff in eventuell bestehende Ökosysteme.

Nun berichtet die "Los Angeles Times", der Mars-Roboter "Curiosity" könnte womöglich Wasser auf dem Mars verunreinigen. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa habe vor dem Start des Forschungsroboters nicht alle Geräte sterilisiert.

Dem Bericht zufolge waren die Gerüchte innerhalb der Nasa bekannt. Es geht um eine Bohrerspitze am Arm von "Curiosity". Ingenieure am Jet Propulsion Laboratory (JPL) hatten die ursprünglich in einer Box gelagerte Spitze im vergangenen Sommer in eine Halterung am Arm eingesetzt. So wollten sie verhindern, dass der Roboter nach einer rauen Landung nicht bohren kann, weil er sein Werkzeugköfferchen nicht aufbekommt.

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Es steht allerdings zu befürchten, dass die einst sterile Bohrerspitze bei dem Manöver Keimen ausgesetzt gewesen und damit kontaminiert sein könnte. In dem Zeitungsbericht ist die Rede davon, dass die Box in einer "nahezu sterilen" Umgebung geöffnet wurde - zumindest ein Zweifel an der Keimfreiheit bleibt also.

Zwar sei es sehr unwahrscheinlich, dass Keime die Reise zum Mars und die Landung dort überleben könnten, hieß es. Eine Verunreinigung sei dennoch möglich, falls der Forschungsroboter Wasser auf dem Planeten entdecke. In feuchten Umgebungen haben Keime gute Überlebenschancen. "Curiosity" könne aber auch mit Hilfe eines Lasers oder eines Spektrometers Wasser aus der Ferne analysieren.

Ein Nasa-Mitarbeiter verteidigte das Vorgehen. Es sei eher unwahrscheinlich, Wasser oder Eis nahe der Oberfläche im Gale-Krater, in dem "Curiosity" gelandet war, zu finden, sagte David Lavery vom Nasa-Hauptquartier dem Blatt. "Wir haben das gegen das Risiko abgewogen, vor dem Start keine Bohrerspitze einzusetzen und damit überhaupt keine Löcher auf dem Mars bohren zu können."

Andere Nasa-Mitarbeiter sprachen dem Bericht zufolge ebenfalls von einem kalkulierten Risiko. Eine Expertin der Weltraumbehörde kritisierte aber, dass sie nicht rechtzeitig davon erfahren habe. "Sie hätten das nicht tun sollen, ohne mich zu informieren", so Catharine Conley, die als Planetary Protection Officer bei der Nasa für den Schutz von fremden Planeten zuständig ist. Sie hatte dem Bericht zufolge kurz vor dem Start vom Öffnen der Box erfahren - aber zu diesem Zeitpunkt nichts mehr ändern können.

"Curiosity" war am 6. August gelandet. Das Roboterfahrzeug soll über einen Zeitraum von zwei Jahren den Roten Planeten untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, ob Voraussetzungen für Leben auf dem Mars gegeben sind. Wenn überraschenderweise Wasser oder Eis gefunden werden sollten, müsste der Rover nun vermutlich Abstand halten.

chs/dpa

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