Raumfahrtpanne Russland verliert Kommunikationssatelliten

Er sollte entlegene Regionen Russlands mit Internet versorgen - jetzt ist der Satellit beim Start mit seiner Trägerrakete abgestürzt. Die Liste russischer Raumfahrtpannen wird immer länger.

Russische Proton-M-Rakete: Absturz kurz nach dem Start
AFP

Russische Proton-M-Rakete: Absturz kurz nach dem Start


Eine russische Trägerrakete des Typs Proton ist erneut mit einem Satelliten abgestürzt. Knapp zehn Minuten nach dem Start am Freitag vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur habe ein Triebwerk der Trägerrakete in 161 Kilometern Höhe aus noch ungeklärten Gründen ausgesetzt, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit. Daraufhin habe die Rakete an Höhe verloren und sei verglüht. Die Mission hatte nach russischen Angaben insgesamt 150 Millionen Euro gekostet.

Der rund 21 Millionen Euro teure und sechs Tonnen schwere Telekommunikationssatellit "Express-AM4P" der Airbus-Tochter Astrium sollte entlegenen Regionen Russlands Zugang zum Internet verschaffen. Eine Ermittlungskommission soll nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos nun die Gründe für die neuerliche Panne untersuchen.

Peinliche Pannenserie

Die russische Raumfahrt musste in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Rückschlägen hinnehmen. Beispielhaft drei Ereignisse:

Als Konsequenz aus der Pannenserie wurde Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin im Oktober 2013 nach nur zwei Jahren gefeuert. Sein Nachfolger Oleg Ostapenko wurde von Präsident Wladimir Putin mit einer umfassenden und milliardenschweren Reform des Raumfahrtprogramms beauftragt.

Der aktuelle Vorfall dürfte auch in Deutschland für leichtes Bauchkribbeln sorgen: Am 28. Mai soll der deutsche Astronaut Alexander Gerst von Baikonur aus zur Internationalen Raumstation ISS starten, allerdings mit einer Sojus-Rakete und nicht mit einer Proton. Bei den zuletzt missglückten Raketenstarts waren nie Menschen an Bord der jeweiligen Rakete.

Pannen der russischen Raumfahrt
Russlands Raumfahrtbehörde Roskosmos hat am Dienstag eine Rakete mit drei Satelliten verloren. Moskauer Raumfahrtexperten sind derzeit mit einer Serie von Pannen konfrontiert.
Februar 2013
Nur 20 Sekunden nach dem Start von einer schwimmenden Plattform im Pazifik stürzt eine Rakete mit einem Kommunikationssatelliten ins Meer. Experten vermuten, dass die russischen Antriebssysteme versagten.
August 2012
Durch einen Fehler bei der dritten Stufe der russischen Proton-Trägerrakete geraten ein russischer und ein indonesischer Satellit in eine falsche Umlaufbahn. Roskosmos kostet der Fehlstart rund 150 Millionen Euro.
Januar 2012
Die 120 Millionen Euro teure Marsmondsonde "Phobos Grunt" stürzt unkontrolliert in den Pazifik. Eine Mischung aus menschlichem Versagen und technischen Fehlern soll die Ursache gewesen sein.
Januar 2012
Wegen einer undichten Landekapsel und einem Kurzschluss nach einem Kabelbruch verschiebt Russland zwei bemannte Weltraumflüge und den Start einer Trägerrakete mit einem Satelliten. Durch die Pannen müssen drei der sechs Crew-Mitglieder der Internationalen Raumstation ISS einen Monat länger als geplant im All bleiben.
Dezember 2011
Wegen einer fehlerhaften Zündung der dritten Stufe einer Sojus-Rakete verliert Russland einen militärischen Kommunikationssatelliten. Der "Meridian"-Satellit stürzt in Sibirien ab. Der Schaden wurde auf rund 50 Millionen Euro geschätzt.
August 2011
Ein unbemannter Versorgungstransporter mit 2,6 Tonnen Nachschub für die ISS stürzt ab. Kurz nach dem Start des Raumschiffs vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan traten Probleme mit der Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete auf. Erst wenige Tage zuvor war kurz nach dem Start von Baikonur der Kontakt zu einem Nachrichtensatelliten abgerissen. Der "Express AM-4"-Satellit stürzt im März 2012 in den Pazifik.
Dezember 2010
Wegen des Fehlstarts einer Proton-Rakete in Baikonur verliert Russland auf einmal drei Satelliten für sein geplantes Navigationssystem Glonass. Der Schaden wird auf mehrere 100 Millionen Euro geschätzt. Die Satelliten fallen in den Pazifik.

Quelle: dpa

jme/AFP/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
DasBrot 16.05.2014
1. Na Gott sei dank...
Zitat von sysopAFPEr sollte entlegene Regionen Russlands mit Internet versorgen - jetzt ist der Satellit beim Start mit seiner Trägerrakete abgestürzt. Die Liste russischer Raumfahrtpannen wird immer länger. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/russland-satellit-express-am4p-stuerzt-mit-proton-traegerrakete-ab-a-969818.html
...steigen sie aus dem ISS Programm aus. Da könnten sonst noch Menschen ums Leben kommen.
hman2 16.05.2014
2. Huch
Zitat von DasBrot...steigen sie aus dem ISS Programm aus. Da könnten sonst noch Menschen ums Leben kommen.
Die Russen haben dafür nie eine Proton verwendet, bemannte Raumfahrt machen sie mit der Sojus, die bewährteste Rakete der Welt. Im Wesentlichen unverändert seit den Sechzigerjahren.
malu501 16.05.2014
3. Ach ja
die unfähigen Russen wieder. Stellen Sie den russischen doch mal die Pannen der NASA gegenüber. Und zählen Sie mal kurz nach, wieviel Menschen die NASA bereits im Weltall verloren hat und wieviele Russland. Spontan fallen mir da Apollo1, Challenger und Columbia ein. Danach haben die Amerikaner ihr Raumfahrtprogramm ganz eingestellt und die Russen sind die einzigen, welche im Moment fähig sind die ISS mit Personal zu versorgen. Ich wäre also bei der Unfähigkeit der NASA, ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm zu unterhalten, vorsichtig mit solch übertriebener Schadenfreude.
t21164a 16.05.2014
4. naja
...150 Mio. ist immer noch besser als 5 Mrd. € für Flughafen auszugeben anstelle von geplanten 1 Mrd. Der Artikel erinnert mich an Sowjet Propaganda wo es hieß im Westen ist alles scheiße.
jws1 16.05.2014
5. Ein Schelm, wer Böses denkt
Übrigens vermutet man Sabotage. Beim letzen Absturz waren nachweislich Kabelanschlüsse vertauscht.
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