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16. Februar 2013, 10:45 Uhr

Aufräumarbeiten im Ural

Taucher suchen nach Meteoritenbrocken

Der Meteoritenschauer über Russland hat Spuren hinterlassen: In einem See nahe Tscheljabinsk suchen Taucher nach Gesteinsbrocken. Noch immer werden Dutzende Verletzte in Krankenhäusern behandelt. 20.000 Helfer und Spezialteams sind im Ural im Einsatz.

Moskau - Die Region um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk hat am Tag nach dem Meteoritenschauer mit den Folgen des Jahrhundertereignisses zu kämpfen: Es seien etwa 20.000 Helfer und Spezialteams im Einsatz, um beispielsweise die Statik von Gebäuden zu prüfen, sagte der russische Katastrophenschutzminister Wladimir Puschkow bei einem Besuch in der Stadt im Ural. "Sehr vorsichtig" solle die Gasversorgung wieder in Betrieb genommen werden.

Dutzende der rund 1200 Verletzten müssen weiter in Krankenhäusern behandelt werden. Eine an der Wirbelsäule schwer verletzte Frau wurde am Morgen mit einer Sondermaschine vom Typ Iljuschin-76 nach Moskau geflogen, wie das Zivilschutzministerium mitteilte.

Bei dem folgenreichsten Meteoriteneinschlag seit Jahrhunderten trugen die Verletzten vor allem Schnittwunden davon. Durch die enorme Druckwelle waren Abertausende Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Laut offiziellen Angaben hat die Druckwelle des Meteors 170.000 Quadratmeter Fensterglas zersplittern lassen.

Die Einsatzkräfte setzten ihre Arbeit fort, um bei Temperaturen um minus 20 Grad Celsius die fensterlosen Gebäude wieder winterfest zu machen. Die Lage sei mittlerweile unter Kontrolle, sagte der Gouverneur des Gebiets Tscheljabinsk, Michail Jurewitsch. Insgesamt seien nach der Katastrophe vom Freitag durch Schäden an mehr als 4000 Gebäuden rund 100.000 Menschen betroffen. Der Gesamtschaden liege bei etwa einer Milliarde Rubel (umgerechnet rund 25 Millionen Euro).

7000 Tonnen schwer, 15 Meter Durchmesser

Der Meteorit hat auch an der Eisschnelllaufhalle der Stadt schwere Schäden angerichtet. An der Vorderseite entstand ein riesiges Loch, Teile des Daches wurden beschädigt, Glasfenster gingen zu Bruch. In der Halle selbst stürzte die zweite Etage ein. Die russischen Behörden sperrten das Gebiet um die Halle ab. In der Arena, die im Vorjahr schon Gastgeber eines Weltcups war, sollen 2015 die Mehrkampf-Europameisterschaften stattfinden.

Ein Sprecher von Puschkows Ministerium sagte russischen Nachrichtenagenturen, Taucher suchten im Tschebarkul-See nach Teilen des Meteoriten. Soldaten hätten den Bereich an dem zugefrorenen Gewässer abgesperrt, sagte Oberst Jaroslaw Roschtschupkin vom Zentralen Wehrbezirk. Der See liegt etwa 80 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt. Am seinem Ufer wurde ein etwa sechs Meter breites Loch in der Eisfläche entdeckt. Demzufolge muss dort ein Geschoss eingeschlagen sein.

Bislang hätten die Taucher jedoch keine Bruchstücke des Meteoriten gefunden, teilte der Ministeriumssprecher mit. Einsatzkräfte berichteten allerdings von zahlreichen, etwa einen Zentimeter großen Splittern in der Nähe. Ob es noch irgendwo einen größeren Krater gibt, ist unklar. Der Meteorit ist in kleinere Teile zerborsten, so dass es keinen breiteren Trichter geben könnte.

Der Meteorit war Astronomen zufolge mit einem Tempo von 20 Kilometern pro Sekunde durch die Atmosphäre gerast. Die Nasa schätzt das Objekt auf 15 Meter Durchmesser und ein Gewicht von 7000 Tonnen - bevor es in die Erdatmosphäre eintrat. Da verglühte ein großer Teil des Materials und hinterließ eine Leuchtspur, die eine halbe Minute zu sehen war, bevor es mit einem Feuerball in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern explodierte. Tscheljabinsk und die umliegende gleichnamige Region wurden von einer Druckwelle erschüttert. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall.

wit/dpa/AFP/AP

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