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15. Februar 2013, 14:40 Uhr

Russland

Fast tausend Verletzte bei Meteoritenhagel

950 Menschen wurden verletzt, Häuser und Fabriken stark beschädigt. Die Druckwelle des über der Millionenstadt Tscheljabinsk niedergegangenen Meteoriten hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Schätzungen zufolge war der Himmelskörper mindestens zehn Tonnen schwer. Nach den Trümmern wird gesucht.

Moskau - Die russische Millionenstadt Tscheljabinsk wurde am Freitag von einem Meteoritenschauer getroffen. 950 Menschen seien verletzt, davon mindestens 159 Kinder, berichten russische Behörden. Bei zwei Dritteln der Fälle handele es sich um leichte Verletzungen durch umherfliegende Glassplitter oder andere Materialien. Allein in Tscheljabinsk hätten sich mehr als 750 Menschen in ärztliche Behandlung begeben. Häuser und Fabriken wurden beschädigt.

Die Behörden sprachen abweichend von einem Meteoritenabsturz oder Meteoritenschauer. Der Einschlag erfolgte demnach um 4.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, 7.30 Uhr Moskauer Zeit. Augenzeugen berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel: Viele dachten, ein Flugzeug sei explodiert. "Das war ein großer Feuerball, der dann herunterfiel. Das Ganze dauerte ein paar Sekunden", sagte ein Bewohner der Region der Agentur Itar-Tass.

Schätzungen zufolge hatte der Meteorit einen Durchmesser von ein bis zwei Metern. Die russische Akademie der Wissenschaften teilte mit, der Himmelskörper sei mit einer Geschwindigkeit von mindestens 54.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre eingetreten und in einer Höhe zwischen 30 und 50 Kilometern über der Oberfläche explodiert. Das Geschoss sei etwa zehn Tonnen schwer gewesen. Andere Experten vermuten eine Masse von zehn bis zu hundert Tonnen.

"Der Meteorit ist in den unteren Schichten der Atmosphäre fast vollständig verglüht. Allerdings war die Druckwelle massiv", sagte Jelena Smirnych vom Zivilschutzministerium in Tscheljabinsk. Einzelne Splitter könnten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen.

Meteoritenreste stürzten in einen See

An der möglichen Absturzstelle am Ufer des Tschebarkul-Sees rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk entdeckten die Behörden einen etwa sechs Meter breiten Krater. Soldaten hätten den Bereich an dem zugefrorenen Gewässer abgesperrt, sagte Oberst Jaroslaw Roschtschupkin vom Zentralen Wehrbezirk. Einsatzkräfte berichteten von zahlreichen etwa einen Zentimeter großen Splittern in der Nähe des Kraters.

"Die meisten Splitter sind verdampft, einige schafften es aber bis zur Erdoberfläche", sagte Valeri Schuwalow von der Russischen Wissenschaftsakademie. Er vermutet, dass es sich um einen Nickel-Eisen-Meteoriten handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen.

Durch die Druckwelle wurden zahlreiche Dächer zerstört, das Dach einer Zinkfabrik stürzte teilweise ein, überall zersprangen Scheiben. Atomanlagen der Gegend seien nicht betroffen.

Die Millionenstadt Tscheljabinsk liegt rund 1500 Kilometer östlich von Moskau. Insgesamt wurden in mindestens sechs Städten in der Region am Ural Schäden an Gebäuden festgestellt.

Der russische Präsident Wladimir Putin ordnete rasche Hilfe für die Verletzten in der Region an. Gebietsgouverneur Michail Jurewitsch brach eine Moskauer Dienstreise ab. "Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Fensterscheiben ersetzt werden", sagte der Verwaltungschef. Nach Behördenangaben waren sieben Flugzeuge und 20.000 Angehörige des Zivilschutzes in der Region im Einsatz.

jme/dpa/AP/afp

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