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Neue Raumfahrtallianz: Russland und China gegen den Rest der Welt

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Kosmische Partnersuche: China und Russland erwägen Kooperation Fotos
REUTERS

Zwischen Moskau und Peking bahnt sich eine Raumfahrt-Allianz an. Treibende Kraft sind die Russen. Sie wollen nicht zuletzt die fatalen Folgen der westlichen Sanktionen kompensieren.

Die Welt sortiert sich neu. Nicht nur auf der Erde, wo mancher eine Wiederkehr des Kalten Krieges fürchtet, sondern auch im erdnahen Weltraum. Dort deutet sich eine neue Blockbildung an: auf der einen Seite die westlichen Länder, angeführt von Esa und Nasa, auf der anderen Seite Russland und das aufstrebende China.

Das sich gegen den Westen formierende Bündnis ist keine Traumpartnerschaft, sondern eher eine Vernunftehe. Denn beide Länder brauchen einander nicht nur in der Raumfahrt: Chinas aufstrebende Wirtschaft ist stark an russischen Rohstoff- und Energielieferungen interessiert, und Russland drängt immer heftiger auf den chinesischen Markt und buhlt um chinesische Investitionen.

Überschattet wird all das von der Ukraine-Krise, aus der sich China strikt heraushält. Das Land setzt bei seiner Außenpolitik auf Nichteinmischung - genau das verlangt es beim Tibet-Konflikt vom Rest der Welt ja auch. Die Sanktionen des Westens haben Russland und China nun einander nähergebracht.

Doch es gibt noch einige schwelende bilaterale Probleme: China hat gewisse Qualitätsvorbehalte gegenüber den Russen, seit 2011 die "Phobos-Grunt"-Sonde abgestürzt ist, die auch einen chinesischen Mikrosatelliten an Bord hatte. Die Russen wiederum werfen den Chinesen seit Jahrzehnten immer wieder vor, ihre Raumfahrttechnik abzukupfern, wie jüngst erst in einem Roskosmos-Dossier zu lesen war.

Doch nun soll ein neuer Anfang gemacht werden. Den Auftakt hatte Russlands Vizepremier Dmitrij Rogosin im Juni auf der 1. Russisch-Chinesischen EXPO in Harbin (Nordost-China) gemacht. Nach der Aufkündigung der amerikanisch-russischen Raumfahrt-Zusammenarbeit (freilich mit Ausnahme der ISS) durch die Nasa unterbreitete er flugs den "chinesischen Freunden" das Angebot, "Hand in Hand" das Sonnensystem zu erforschen und vor allem bemannt zum Mond und zum Mars zu fliegen.

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Kosmische Strahlung: Russlands Raumfahrt
Rogosin, der in der Regierung für das Militär und die Raumfahrt zuständig ist, vergaß auch nicht darauf hinzuweisen, dass sein Land derzeit im Rahmen einer tiefgreifenden Reform daran arbeite, den technologischen Rückstand seiner Raketen- und Raumfahrtbranche, der mit einer "Havarieanfälligkeit" einhergehe, aufzuholen.

Ostapenko präzisiert Avancen

Präzisiert wurden die russischen Avancen von Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko. Auf der Airshow China 2014 in Zhuhai (Südchina) präsentierte er seinem chinesischen Counterpart die russische Prioritätenliste für eine perspektivische Kooperation. Ganz oben steht dabei der Bau weltraumtauglicher elektronischer Komponenten, gefolgt von der Erdfernerkundung, der bemannten Raumfahrt, der Satellitennavigation und der Erforschung des fernen Weltraums.

China stelle 90 Prozent seiner elektronischen Bauteile für die Raumfahrt selbst her und kaufe nur zehn Prozent im Ausland, sagte Ostapenko, in dessen Land das Verhältnis genau umgekehrt ist, sodass es sehr empfindlich vom Hightech-Embargo der Europäischen Union (EU) getroffen wird.

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Wostotschnij: Russlands Sorgenbaustelle
Russland setze bisher keine solchen chinesischen Bauteile ein, fügte der Roskosmos-Chef hinzu. Er wolle jetzt aber prüfen lassen, was China in diesem Bereich zu bieten habe, das für sein Land von Interesse sein könnte.

Weiter gediehen sind bereits gemeinsame Planungen für die bemannte Raumfahrt sowie die Weltraumnavigation, wo Russland die Möglichkeit erhalten soll, Bodenstationen für sein Glonass-System in China zu errichten. Zudem liebäugelt Peking mit dem Kauf russischer Raketentriebwerke.

Kosmonauten zu Besuch in "Tiangong 1" eingeladen

China hat den Russen auch angeboten, im Rahmen eines "Erfahrungsaustauschs" Kosmonauten zum Weltraummodul "Tiangong 1" zu schicken. Im Gegenzug sollen Chinesen zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Letzteres dürfte allerdings kaum möglich sein, selbst wenn der Besuch im russischen ISS-Segment stattfindet. Dem steht vor allem ein striktes gesetzliches Verbot der USA entgegen, mit China bei Hochtechnologie wie der Raumfahrt zu kooperieren.

Da aber Russland erst in den nächsten Tagen entscheiden will, ob es nach 2020 überhaupt weiter am ISS-Programm teilnimmt, könnten die USA vielleicht zu einem Kompromiss bereit sein, wenn es hart auf hart kommt, wie Super-Optimisten hoffen. Vielleicht fliegen die Taikonauten auch eines Tages zu einer neuen russischen Raumstation.

Bislang sind alles nur Planspiele, beschlossen ist noch nichts. Doch Arbeitsgruppen sind dabei, Nägel mit Köpfen zu machen. Die Russen wollen angesichts ihrer prekären Situation keine Zeit verlieren. Schon im Januar wollen sich Wissenschaftler beider Länder zusammensetzen, um einen Plan für ihre Zusammenarbeit abzustimmen, wie der Chef des Moskauer Instituts für Kosmosforschung (IKI), Lew Seljony, ankündigte.

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insgesamt 138 Beiträge
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1. Gegen welchen Rest der Welt?
Ulrich Berger 26.12.2014
Meinen Sie die Raumfahrt-Nationen Paraguay, Burkina-Fahso, Island usw.?
2. Vermutlich wird aus der Vernunftehe noch eine Traumpartnerschaft werden
darkmattenergy 26.12.2014
Denn Chinas Aufstieg von der verlängerten Werkbank des Westens zur Innovationsschmiede der Welt wird nicht mehr aufhaltbar sein. Alle Vorraussetzungen dafür sind vorzüglich geordnet: China verdient gut und immer besser an der Welt, bildet eine rasch wachsende Zahl von Ingenieruen und Wissenschaftler aus, sichert - nicht zuletzt klug mit Hilfe Russlands - seine Energieversorgung, und wird von einer Bevölkerung getrieben, die verstanden hat und akzeptiert, daß der persönliche Wohlstand dem Fleiß und Einsatz folgt. Und, um nur ein weiteres Mosaiksteinchen zu nennen, verfügt über deratig große Vorräte an für viele Technologiene bedeutsame seltene Erden, daß es bereits "angegiftet" wird, diese seinen Mitbewerbern doch bitte vermehrt auf dem Weltmarkt anzubieten. Eine kleines Indiz dafür, wie China immer unabhängiger vom Rest der Welt wird fällt mir seit Jahren auf: "Früher" war es üblich, Datenblätter und Funktionsbeschreibungen für elektronische Bauelemente in englischer Sprache zu erhalten - unabhängig davon, in welchem Teil der Erde diese Bauelemente produziert wurden. Englischkenntnisse sind Pflicht im Elektronikbereich, und so war weltweit jeder in der Lage, die Bauelemente zu verstehen und einzusetzen. Seit längerem wächst jedoch die Zahl der Bauelemente, für die lediglich noch Unterlagen in chinesischer Sprache erhältlich sind. Sie "international verständlich" zu beschreiben ist offensichtlich gar nicht mehr notwendig, da sie China nur noch in Form fertiger Module oder gar Geräte verlassen. Auf diese Weise bleibt immer mehr Wissen um die detaillierte Funktion weltweit eingesetzter Technik in China selbst.
3. Vorteil einseitig auf Chinesischer Seite
Ishibashi 26.12.2014
China hat sehr viel Erfahrung einseitigen technologischen Nutzen aus Kooperationen zu ziehen und hier wird es nicht anders laufen. Militär und Raketentechnologie ist so ziemlich das einzige in dem Russland noch Know How anzubieten hat aber sicher nicht mehr lange China wird die Technik sehr schnell selber bauen.
4.
notacoldwarkid 26.12.2014
Indien und Japan haben auch interessante Raumfahrtprogramme. Wie sind deren Leistungen, wie ist deren Position?
5. Ich erwarte schon
verizon_inc. 26.12.2014
Wie jetzt ein Haufen von Leute behauptet, die deutsche Wirtschaft wird aufgrund der absolut ungerechtfertigten Sanktionen, welche natürlich nur wegen der Wirtschaftsinteressen der Amerikaner verhängt wurden, zu Grunde gehen. Bedenket liebe Mitmenschen, Russland hat eine wirtschaftliche Stärke von Italien! Würdet ihr euch auch so sehr Sorgen, wenn diese Ihren Nudelexport einstellen würden? Immerhin würde in unserem Land mit 80 Mio. Bürgern und um die 70 Mio. Jobs vielleicht einige 1000 Arbeitsplätze verloren gehen. Und wäre diese wirklich den außenpolitischen Interessen Deutschlands Wert? (Einhaltung von Abkommen als Beispiel) +China wird weiter mit dem Westen kooperieren. Gerade die vereinigten Staaten sind einer der stärksten Partner Chinas. Zumindest aus wirtschaftlicher Hinsicht! Ich nehme Antworten gerne entgegen. Mit freundlichen Grüßen
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