Russischer Plan Sonde soll auf Jupitermond landen

Russland möchte eine Sonde auf dem Jupitermond Ganymed absetzen. Eine Esa-Mission soll dabei als Taxi dienen. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa findet den Plan zumindest interessant.

Ganymed (auf einem Bild der Nasa-Sonde "New Horizons", 2007): Frostiger Riese
AFP / Nasa

Ganymed (auf einem Bild der Nasa-Sonde "New Horizons", 2007): Frostiger Riese


Moskau - Das Ziel ist unwirtlich, aber wissenschaftlich höchst interessant. Russland möchte gemeinsam mit der Europäischen Weltraumbehörde Esa eine große Wissenschaftsmission zum Jupitermond Ganymed starten, dem größten Mond des Sonnensystems.

Bis zum Jahr 2030 will das Land auf dem steinigen Himmelskörper mit einer Oberflächentemperatur von minus 160 Grad Celsius eine Messsonde absetzen. Das erklärte ein Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde Roskosmos nach Angaben der Agentur Itar-Tass in Moskau. Ziel sei es, das Magnetfeld des Jupiter-Monds zu analysieren und nach möglichen Lebensformen zu suchen.

Die Esa hatte vor kurzem beschlossen, im Jahr 2022 eine Sonde von Kourou aus in Richtung Jupiter zu schicken. Die Mission "Jupiter Icy Moons Explorer" ("Juice") soll die sogenannten Galileischen Monden Io, Europa Ganymed und Kallisto untersuchen - und nach den Planungen im Jahr 2022 von Kourou in Französisch-Guayana aus starten. Unterwegs wäre sie dann noch einmal acht Jahre.

"Juice" soll keine Versuche unternehmen, Lebensformen direkt nachzuweisen. Es geht eher darum, Ziele für zukünftige Spezialmissionen mit diesem Auftrag zu identifizieren. Die Europäer diskutieren nun darüber, ob sie die russische Sonde bei ihrer Mission mitnehmen. "Das wäre eine faszinierende Möglichkeit. Wir überprüfen den Vorschlag der Russen", sagte Paolo Ferri, Leiter Planetare Missionen beim europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt.

"Wir hoffen sehr, dass es klappt. Dann wird es eine großartige Mission", ergänzte Dmitri Titov von der Esa-Programmdirektion für Wissenschaft. Die Esa hatte im Juni offiziell andere Länder zur wissenschaftlichen Mitarbeit an der "Juice"-Mission eingeladen. Eigentlich wollten die Europäer "Juice" gemeinsam mit der US-Weltraumbehörde Nasa auf den Weg bringen - bis diese nach Geldproblemen aus dem Projekt ausstieg.

Ganymed ist bisher vor allem mit der Sonde "Galileo" erforscht worden, die aber 2003 auf dem Jupiter verglühte. Sie wurde gezielt dort zum Absturz gebracht - damit sie nicht etwa den Mond Europa verunreinigt. So wären zukünftige Missionen für die Suche nach Leben erschwert worden. "Galileo" hatte gezeigt, dass Ganymed aus Schichten besteht, eine von ihnen ist demnach aus Wassereis.

chs/dpa



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