"Skylon": Britische Regierung fördert Raketenjet

Raketenjet "Skylon": Ab ins All Fotos
Reaction Engines Ltd

Wer ins Weltall will, muss seinen Treibstoff mitnehmen - könnte man meinen. Doch zumindest für den ersten Teil des Flugs ließe sich auch Luftsauerstoff nutzen. Genau das hat ein britischer Raketenjet vor, für den die Regierung in London nun Geld zur Verfügung stellt.

In 15 Minuten in die Stratosphäre und dann weiter in den Erdorbit - das ist der ambitionierte Plan des britischen Unternehmens Reaction Engines. Die Firma arbeitet an einem raketengetriebenen Flugzeug namens "Skylon" und bekommt dafür nun millionenschwere Unterstützung der britischen Regierung. Forschungsminister David Willetts kündigte an, dass die UK Space Agency umgerechnet knapp 70 Millionen Euro für die Entwicklung der Antriebstechnik bereitstellen wird.

Die Mittel finden sich auch im Haushaltsentwurf der britischen Regierung für das kommende Jahr, berichtet das Fachmagazin "Aviation Week". Die Triebwerke namens Sabre ("Synergestic Air-Breathing Rocket") setzen auf ein radikales Konzept: Um Platz zu sparen, soll der zum Betrieb nötige Sauerstoff nicht wie sonst üblich komplett mitgeführt werden, sondern aus der Erdatmosphäre stammen - zumindest in den unteren Atmosphärenschichten. Hier verhält sich das Triebwerk also im Prinzip wie der Antrieb eines normalen Jets. Verbrannt wird allerdings Wasserstoff, nicht etwa Kerosin.

In höheren Schichten der Atmosphäre, etwa ab 25 Kilometer Höhe, kommt für die Reaktion dann der mitgeführte Flüssigsauerstoff zum Einsatz. Zum Zeitpunkt des Umschaltens hat das Flugzeug, geht alles nach Plan, bereits die fünffache Schallgeschwindigkeit erreicht. Auf diese Weise lässt sich die Menge des mitzuführenden Sauerstoffs radikal senken - die bei bisherigen Raketen üblichen großen Tanks sind nicht in dem Maße nötig.

Das Problem: Für die Nutzung des Luftsauerstoffs im ersten Teil des Flugs muss dieser auf etwa 140 Bar verdichtet werden, bevor er in die Brennkammern kommt. Damit das überhaupt möglich ist, sollen Wärmetauscher die einströmende Luft innerhalb einer Hundertstelsekunde von mehr als 1000 auf minus 150 Grad kühlen. Dann sorgt ein Kompressor, vergleichbar mit dem in konventionellen Jetantrieben, für die weitere Verdichtung.

Mehr als 300 Millionen Euro nötig

Diskutiert wurde so eine Idee schon seit Jahrzehnten, so hatte der deutsche Ingenieur Eugen Sänger einen zweistufigen Raumgleiter vorgeschlagen, bei dem die untere Stufe die Beschleunigung mit Luftsauerstoff übernimmt. Doch geflogen ist weder der "Sänger" noch der später in Angriff genommene "Sänger II". Die Briten hatten sich erfolglos an einem Projekt namens "Hotol" versucht, auf dessen Grundlagen "Skylon" nun aufbaut. Der 85 Meter lange Flieger soll, ferngesteuert vom Boden aus, bis zu 30 Menschen oder 15 Tonnen Fracht in die Erdumlaufbahn bringen können.

Interessant ist der Ansatz allemal. Nach wie vor ist es extrem teuer, Material in die Erdumlaufbahn zu transportieren. In den USA hofft man darauf, die Kosten durch den Einsatz privater Unternehmen wie SpaceX oder Orbital Sciences Corporation zu senken. Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) hat naturgemäß ähnliche Interessen, wenngleich deutlich kleinere Budgets. Die Esa hat die Technologientwicklung bei Reaction Engines mit kleineren Millionenbeträgen gefördert. Dafür gibt es eine Kooperation mit dem Technikzentrum Estec im niederländischen Noorwijk.

Das "Skylon"-Flugzeug soll nach bisheriger Planung ab 2019 getestet werden. Drei Jahre später könnte es einen ersten Flug zur Internationalen Raumstation geben. Bisher gibt es allerdings noch nicht einmal einen Prototypen. Denn allein dafür muss der Hersteller nach Expertenschätzungen mehr als 300 Millionen Euro einsammeln. Die Finanzhilfe der britischen Regierung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Die Ankündigung ist gleichzeitig ein weiteres Indiz dafür, dass - das bisher in diesem Bereich eher zurückhaltende - Großbritannien seine Rolle im Weltraumsektor ausbauen möchte. Die Regierung hatte auf der Esa-Ministerratstagung im vergangenen Jahr bereits angekündigt, den Bau eines europäisch-amerikanischen Astronautentransporters zu unterstützen. Der Brite Tim Peake soll 2015 als Esa-Astronaut zur Internationalen Raumstation fliegen.

chs

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Private Finanzierung?
tam_venceremos 17.07.2013
Ich warte noch auf den Tag an dem Google oder ein anderes Unternehmen ankündigt, ein Weltraumhotel zu bauen.
2. Dr.No
peterkamm-mueller 17.07.2013
Die Briten sollten mal lieber Geld für ihren Kraftwerkspark bereitstellen. Denn wie man so hört, müssen sie in den nächsten Jahren jede Menge Kraftwerke abschalten. Dann gehen die Lichter aus. Und statt dessen "fördert" die Regierung also Raketenjets ;) Sehr sinnvoll meine lieben Inselbewohner, sehr sinnvoll...
3. ai ai
77b1hts 17.07.2013
das Orakel vom Berge lässt grüßen ;o) Da wo die Lufthansa Raketenflugzeuge zwischen Tegel und den besetzten USA hin und herpendelten ... Politisch und menschlich war die Zeit eine einzige Katastrophe .. Technisch gesehen nagen die Wissenschaftler noch heute an den Dingen die damals erfunden wurden. Und das alles ohne Computer oder TV damals...
4. lol
brut_dargent 17.07.2013
"... das [...] - Großbritannien seine Rolle im Weltraumsektor ausbauen möchte. ..." Zitat Ende - Sehr viel mehr bleibt Kleinengland ja auch nicht mehr, wenn erst das letzte Steuerparadies geschlossen und die City of London gebändigt wurde. Guten Flug ; ))
5.
Zorpheus 17.07.2013
Zitat von peterkamm-muellerDie Briten sollten mal lieber Geld für ihren Kraftwerkspark bereitstellen. Denn wie man so hört, müssen sie in den nächsten Jahren jede Menge Kraftwerke abschalten. Dann gehen die Lichter aus. Und statt dessen "fördert" die Regierung also Raketenjets ;) Sehr sinnvoll meine lieben Inselbewohner, sehr sinnvoll...
Mit den paar Millionen kommen die aber nicht weit bei den Kraftwerken.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Raumfahrt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
  • Zur Startseite
Schwierige Technikrevolution