Satelliten außer Kontrolle: Neuer Rückschlag für Russlands Raumfahrt

Zwei von Baikonur ins All geschossene Nachrichtensatelliten sind außer Kontrolle geraten und werden vermutlich binnen weniger Wochen abstürzen. Damit setzt sich die Pannenserie bei Russlands Weltraumagentur Roskosmos fort. Der Schaden liegt bei etwa 150 Millionen Euro.

REUTERS

Moskau - Nach diversen Pannen im Jahr 2011 sollte eigentlich alles besser werden. Doch nun muss die einst so stolze russische Raumfahrt den nächsten Rückschlag hinnehmen. Zwei in der Nacht gestartete Nachrichtensatelliten sind nach einem Fehler bei der Oberstufe der Trägerrakete "Proton-M" außer Kontrolle geraten.

Wie die Agenturen Itar-Tass und Rian berichteten, gelangten die beiden Satelliten wegen der Fehlfunktion nicht auf ihre vorgesehene Umlaufbahn. Bis zur genauen Klärung der Ursache wurden alle weiteren "Proton"-Starts in Baikonur abgesagt.

Die Telekommunikationssatelliten gehörten Russland und Indonesien. Der russische Satellit "Express MD2" sollte zehn Jahre lang Fernsehübertragungen und Kommunikation in früheren Sowjetrepubliken verbessern. "Telkom-3" wurde auf Bestellung Indonesiens in Russland hergestellt und sollte 15 Jahre lang für gute Telekommunikation in dem asiatischen Inselstaat sorgen.

"Express MD2" und "Telkom-3" würden vermutlich sechs bis acht Wochen in der Erdumlaufbahn kreisen und werde dann abstürzen, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Raumfahrtkreise. Der Schaden liegt bei rund 150 Millionen Euro.

Die Panne erinnert an den Fehlstart einer "Proton-M" mit einem Nachrichtensatelliten vor fast genau einem Jahr. Damals geriet die Rakete wegen einer Fehlzündung des Beschleunigungsblocks auf eine falsche Umlaufbahn und stürzte nach sieben Monaten in den Pazifik.

Nach der Pannenserie im Jahr 2011 hatte Russlands Raumfahrtagentur Roskosmos eine schonungslose Analyse der Fehlerquellen begonnen. Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin, der die Agentur erst seit Mai vergangenen Jahres leitet, machte als eines der Grundübel den Faktor Mensch aus, und das gleich in zweifacher Hinsicht. So beklagte der ehemalige Vize-Verteidigungsminister den eklatanten Mangel an Fachpersonal. Der Raumfahrtindustrie fehle einerseits die komplette mittlere Generation der Facharbeiter, die in den neunziger Jahren dorthin gegangen sei, "wo das Geld ist".

Zum anderen habe man damals den Fehler begangen, die Generaldirektoren der Raumfahrtunternehmen gleichzeitig zu Chefkonstrukteuren zu machen. Viele davon seien damit überfordert. Deshalb habe man diese Funktionen jetzt wieder getrennt. Als Konstrukteur dürfe künftig nur arbeiten, wer die Qualifikation habe.

hda/dpa/dapd

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