Satelliten-Engpass: Blick auf die Erde ist in Gefahr

Ohne sie geht eigentlich nichts mehr: Satelliten bringen uns nicht nur TV und Telefon. Die Flugkörper sammeln wichtige Wetterdaten, überwachen Tornados und dokumentieren den Klimawandel. Damit könnte bald Schluss sein, warnen Experten des US-Forschungsrats.  

Erdbeobachtung: US-Behörde warnt vor Engpass im All Fotos
NASA

Satelliten haben unser Verständnis der Erde grundlegend geändert, Wissenschaftler sind in vielen Forschungsgebieten auf ihren Einsatz angewiesen. Doch die Möglichkeiten, mittels der künstlichen Trabanten Tornados und Vulkanausbrüche zu beobachten oder den Klimawandel zu dokumentieren, könnten rapide abnehmen, warnen Experten im aktuellen Report des National Research Councils (NRC) der USA.

Die Zahl der Satelliten, die sich im Auftrag der US-Weltraumbehörde Nasa, des Ozeanographie- und Meeresbehörde NOAA oder des US Geological Survey im Weltraum befinden, könnte von aktuell 22 bis 2020 auf sechs sinken. Von den 18 neuen Missionen, die bis zum Jahr 2007 angekündigt wurden, haben bislang erst zwei feste Starttermine.

Das seien tatsächlich düstere Aussichten, schreiben die Experten, basieren doch die Wettervorhersage, die Klimaforschung oder auch die kontinuierliche Aufzeichnung wichtiger geologischer Daten auf dem Netzwerk der Satelliten. Mittels der Flugkörper wird das Grundwasser überwacht, der Meeresspiegel beobachtet und ein Überblick der Luftverschmutzung erstellt.

Forschungsförderung zu gering

Allein im Jahr 2011 hätten Umweltkatastrophen wie Waldbrände, Fluten und Tornados die Amerikaner 50 Milliarden Dollar gekostet - ohne die Überwachung der rund 600 Fälle wäre der Schaden ungleich höher gewesen.

Nicht nur Pannen in Raumfahrtprogrammen seien Schuld an der Situation, so die Wissenschaftler. Das Hauptproblem sei die mangelnde finanzielle Förderung: Noch im Jahr 2007 habe man gehofft, zwei Milliarden im Jahr für das nationale Erdüberwachungsprogramm zu erhalten - so hoch war der Betrag im Jahr 2002. Stattdessen haben sich die leeren Staatskassen bemerkbar gemacht: 2007 gab es 1,3 Milliarden, seither waren es niemals mehr als 1,5 Milliarden Dollar im Jahr.

Schon der frühere Standard von zwei Milliarden Dollar sei fast zu wenig, sagen die Wissenschaftler. Die Summe liege zudem deutlich unter den Geldern, die für militärische Verteidigungsprogramm ausgegeben würden. Es sei wichtig, die Erdüberwachung neu zu planen und die finanzielle Förderung aufzustocken - sonst würden wichtige Forschungsprogramme schon bald nicht weitergeführt werden können.

nik

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. CloudSat und PARASOL
cbmuser 08.05.2012
http://www.spiegel.de/fotostrecke/satelliten-nrc-warnt-vor-engpass-im-all-fotostrecke-82081-5.html "Er ist Teil des sogenannten "A-Trains", so wird das Ensemble der Satelliten "Aqua", "Aura", "Clowdsat", "Parasol" und "Calipso" genannt, die in einer gemeinsamen Umlaufbahn um die Erde ziehen." CloudSat ist die richtige Schreibweise. Die Umlaufbahn von PARASOL wurde vor 3 Jahren verschoben, so daß der Satellit kein Teil des A-Trains mehr ist.
2.
marthaimschnee 08.05.2012
paßt doch voll ins Bild: Wir sparen und zu Tode! Alles was keinen direkten finanziell meßbaren Gewinn bringt, muß weg.
3. Eigener Wettersatellit
n01 08.05.2012
Notfalls genügt ein Blick nach oben.Wenn die Sonne scheint, ist gutes Wetter. Wenn man nass wird, ist schlechtes Wetter. Was braucht man noch Wettersatelliten? Hat früher auch ohne funktioniert. n01 ;-)
4. So ist es
Malshandir 08.05.2012
Der vorletzte Satz sagt alles. Die Amerikaner können problemlos Ihren Verteidigungsetat um 80% kürzen. Dann ist auch wieder Geld da.
5. ^^
vostei 08.05.2012
Zitat von marthaimschneepaßt doch voll ins Bild: Wir sparen und zu Tode! Alles was keinen direkten finanziell meßbaren Gewinn bringt, muß weg.
Yup! Bin aber so frei und meine - DIE sparen uns zu Tode...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Satelliten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare

Fotostrecke
Best of "Envisat": Zehn Jahre für die Forschung