Satellitenbild der Woche Bedrohte Naturidylle im Herzen Afrikas

Der Tanganyika-See in Zentralafrika bildet das zweitgrößte Frischwasserreservoir der Welt - übertroffen nur vom Baikalsee. Die Artenvielfalt seiner Bewohner ist in Gefahr, seit sich seine Temperatur infolge des Klimawandels erhöht.


Ein tiefblauer Streifen mitten in der rotbraunen Erde - so sieht der Tanganyika-See aus der Perspektive des Esa-Satelliten Envisat aus. Der See ist 676 Kilometer lang, 50 Kilometer breit und bis zu 1470 Meter tief. Er enthält die größten Süßwasserreserven Afrikas: 18.880 Kubikkilometer.

Tanganyika-See: Große Artenvielfalt in 18.880 Kubikkilometer Wasser
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Tanganyika-See: Große Artenvielfalt in 18.880 Kubikkilometer Wasser

Der See liegt in Zentralafrika an den Grenzen der Länder Tansania, Kongo, Sambia und Burundi und ist schätzungsweise zehn Millionen Jahre alt. Damit gehört er zu den 20 ältesten Seen der Erde. Wegen seiner Größe und seines Alters interessieren sich Wissenschaftler für alles, was in und an seinem Wasser passiert.

Der Tanganyika-See ist laut World Conservation Union (IUCN) der artenreichste Ort der Welt. Von den mehr als 2000 Spezies, die in ihm nachgewiesen wurden, ist mehr als die Hälfte ausschließlich dort heimisch. In seiner Umgebung befinden sich mehrere Nationalparks - etwa der Gombe Stream National Park, in dem die Primatenexpertin Jane Goodall jahrelang das Leben der Schimpansen erforscht hat. Oder das Rusizi Natural Reserve in Burundi und der Nsumbu National Park in Sambia.

Die Idylle des gigantischen Sees ist jedoch in Gefahr: Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlage von Tieren und Pflanzen - aber auch von Millionen Menschen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Wassertemperatur bereits um mehr als ein Grad Celsius gestiegen. Selbst wenn die Verpflichtungen des Kyoto-Abkommens eingehalten werden, dürften sich die Durchschnittstemperaturen in Afrika bis 2050 um zwei bis drei Grad erhöhen - mit womöglich dramatischen Folgen für das einzigartige Ökosystem.

Wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" im Jahr 2005 berichtete, sind die Fischbestände des Sees bereits um 30 Prozent zurückgegangen. Nicht nur die Zahl seiner Bewohner sinkt, auch sein Wasserstand. Im Hafen der burundischen Hauptstadt Bujumbura können große Schiffe nicht mehr rund um die Uhr anlegen, weil der Pegel zu niedrig ist. Wenn nichts unternommen werde, sagte der Hafendirektor Ende 2005 gegenüber der "Tageszeitung", dann müsse der Hafen bald geschlossen werden.

hda



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