Satellitenbild der Woche Grenzenloser Dreck

China exportiert sein Smogproblem in die Nachbarländer. Das belegen aktuelle Bilder eines US-Satelliten - vor allem Japan und Korea sind betroffen. In Indonesien allerdings hat die Luftverschmutzung einen anderen Grund.


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Der Genosse Nordwestwind brachte schließlich die Wende. Nach langanhaltendem Extremsmog hat eine Kaltfront mit Wind und leichtem Regen zuletzt dafür gesorgt, dass die Bevölkerung in Chinas Hauptstadt Peking wieder etwas sauberere Luft atmen kann. Doch in den Tagen zuvor war die Lage dramatisch: Der Schadstoff-Index war am Mittwoch über die kritische Marke von 500 gestiegen - wo die Skala normalerweise aufhört. Die gemessenen Werte lagen beim 23fachen des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

In einem Gebiet mit rund 400 Millionen Menschen galt seit Montag die Alarmstufe Orange der chinesischen Meteorologie-Behörde. Es war das erste Mal überhaupt, dass die zweithöchste Stufe in der Hauptstadt ausgerufen worden war - mit Warnungen vor Sichtweiten unter 2000 Metern und dem dringenden Rat an die Menschen, im Haus zu bleiben oder wenigstens eine Atemmaske zu benutzen.

Warnungen auch in Südkorea

Aktuelle Bilder des Wetter- und Umweltsatelliten "Suomi NPP", der gemeinsam von der Nasa und der US-Wetterbehörde NOAA betrieben wird, zeigen, wie sich der Smog längst über die chinesischen Grenzen ausgebreitet hat. Aus rund 820 Kilometern Höhe erspähte das "Viirs"-Instrument auf dem Satelliten in dieser Woche den Weg der Dreckluft über die Nordchinesische Ebene hinaus - zum Beispiel nach Korea und Japan.

In der südkoreanischen Hauptstadt wurden daher am Mittwoch ebenfalls bedenkliche Feinstaubwerte gemessen, die um das Vier- bis Fünffache über den normalen Werten lagen, wie der Rundfunksender KBS berichtete. In Seoul und der umliegenden Provinz Kyonggi wurde körperlich Schwachen und Kindern von Aktivitäten im Freien abgeraten.

Auch Teile der indonesischen Insel Sumatra haben in diesen Tagen mit dichtem Rauch und Smog zu kämpfen. Doch der hat seinen Ursprung zur Abwechslung mal nicht in China. Schuld sind stattdessen - oft absichtlich gelegte - Waldbrände. Die Behörden der Provinz Riau haben den Notstand ausgerufen und die Zentralregierung in Jakarta um Hilfe gebeten. Der Rauch aus Indonesien kann wiederum die Nachbarländer Malaysia, Singapur und Thailand beeinträchtigen.

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chs/dpa

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insgesamt 31 Beiträge
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HerbertVonbun 01.03.2014
1. Club of Rome
Warum wollen Menschen partout nicht klüger, nicht weiser werden? Versteht das Einer? Der Smog, der nicht vom Winde verweht wird, lagert sich auf dem Boden als Feinstaub nieder, dringt in den Boden ein, wird ausgewaschen in die Flüsse und Seeen und bleibt gitftig. Was ist für die Menschen und das Leben zu erwarten? Auch vom Winde verweht sinkt der Feinstaub irgendwann, irgendwo auf Wasser und Erde und verrichtet unaufhaltsam seine tödliche Wirkung! Es ist so! Ist überhaupt noch Zeit für eine Umkehr? - Doch dazu bräuchte man zuerst Einsicht!
fatal.justice 01.03.2014
2. Bin entsetzt...
Umweltverschmutzung hält sich nicht an politische Grenzziehung. Dies wäre im Kapitalismus nicht möglich!
analyse 01.03.2014
3. Ach wirklich ? Der Smog wird durch den Wind in
Nachbarländer exportiert ? Das sollten mal die immer nur kurzfristig denkenden "GRÜNEN" erfahren,die immer noch denken,das Klima reagiere lokal statt global !
againstbigotry 01.03.2014
4. Achso
Zitat von fatal.justiceUmweltverschmutzung hält sich nicht an politische Grenzziehung. Dies wäre im Kapitalismus nicht möglich!
Achso, Sie meinen das ernst? =D. Der chinesische "Kommunismus" ist nicht weniger kapitalistisch, als der im Western. Ich glaube, da ist Deutschland sozialistischer als China...
peteftw 01.03.2014
5. Nein
Nicht China exportiert sein Smogproblem in die Nachbarländer.. Das ist zu kurz gegriffen. Die Welt exportiert ihr Konsum- und Produktionsproblem nach China. Daraus folgt das oben genannte. Im Prinzip gibt es ein globales Level an Umweltverschmutzung, basierend auf weltweiter Nachfrage nach Gütern und Preissensibilität. Die Verschmutzung wurde also nach China und Indien ausgelagert, die diese wiederum exportieren.
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