Satellitenbild der Woche: Dunkle Geschwüre an der Wetterfront

Die USA erlebten in den vergangenen Tagen einen der schlimmsten Tornado-Ausbrüche, die Stürme wirbelten mit mehr als 250 km/h. Ein Satellitenbild zeigt ihre Spur: Als Luftmassen kollidierten, schälten sich die dunklen Windschläuche aus Gewitterzellen - und nahmen Fahrt auf.

Spuren der Stürme: Kollisionszone der Luftmassen Zur Großansicht
NASA

Spuren der Stürme: Kollisionszone der Luftmassen

Hamburg - Was wie aus einem Horrorfilm klingt, ist tödliche Realität: Tornados kündigen sich mit monströsen Geräuschen an. Zeugen berichteten von tiefem Brausen wie bei Wasserfällen, das stetig lauter wurde und schließlich donnernd fauchte wie ein Güterzug. Krachende Zerstörungen machen den Lärm schließlich ohrenbetäubend.

Die USA erlebten vergangene Woche einen der schlimmsten Tornado-Ausbrüche seit Beginn der Messungen 1950; allein am 2. und 3. März wurde von 127 Tornados im Mittleren Westen berichtet: mindestens 39 Menschen starben in den monströsen Schläuchen, die teils mit mehr als 250 km/h durch die Bundesstaaten Illinois, Missouri und Tennessee wirbelten. Bei Tornados ähnlicher Stärke wurden Grashalme gefunden, die wie Igelstacheln in Holzwänden steckten. Die Gräser konnten nicht abknicken, weil ihre Auftreffgeschwindigkeit so hoch war. Auch diesmal verursachten die Stürme Millionenschäden.

Ein Satellitenbild des GOES-East-Satelliten der Nasa dokumentiert die Spuren der Stürme: Die Wolkenstreifen zeigen Regionen, in denen die Wirbel entstanden, als feuchtwarme Luft, vom Golf von Mexiko kommend, auf kühleren Wind traf. An der Kollisionsfront der Luftmassen stieg die warme Brise aus Süden auf, so dass ihre Feuchtigkeit in der Höhe zu Regentropfen kondensierte - es bildeten sich Gewitterwolken-Türme, die zusätzlich Energie erzeugen. Starke Höhenwinde trieben sie nach Osten.

Superzelle mit Bodenkontakt

Damit war das Rezept für Tornados angerichtet: Manche Gewitter gewinnen eine Eigendynamik, sie schälen sich als sogenannte Superzellen aus der Wetterfront heraus und beginnen sich langsam um ihre Achse zu drehen. Wie dunkle Geschwüre wachsen Wolken aus der Gewitterfront nach unten. Momente später kann das Wolkengeschwulst zu dem gefürchteten Schlauch werden - sobald er Bodenkontakt hat, ist ein Tornado geboren.

Zwar sei bislang keine Zunahme starker Tornados in den USA registriert worden, teilt die Nasa mit. Doch manche Klimaforscher warnen nun, dass die Wirbelsturmserie mittlerweile früher einsetzten. "Der Frühling beginnt mittlerweile ein oder auch zwei Wochen früher, und die Wirbelsturm-Saison eher im Februar als im April", sagt Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Doch das Schlimmste steht vermutlich noch bevor: In Amerika beginnt die Hochsaison für Tornados im April.


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boj

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1. zu dumm eigentlich,
bombenstimmung 10.03.2012
dass die Regierung nicht einen bösen Buben aus dem Verein die "Macht des Bösen" dafür verantwortlich machen kann.
2.
chb71 10.03.2012
Zitat von bombenstimmungdass die Regierung nicht einen bösen Buben aus dem Verein die "Macht des Bösen" dafür verantwortlich machen kann.
was ist denn bitte das fuer ein schwachsinniger Kommentar? Meine Familie und ich sind einem solchen Twister knapp entkommen. Was hat das mit unseren Demokraten zu tun?
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