Satellitenbild der Woche Geistergesicht in der Wüste

Schädel, Geistergesicht - vom All aus betrachtet sieht der Eyre-See in Südaustralien gespenstisch aus. Doch das hat einen ganz natürlichen Grund: Die tiefste Stelle Australiens lechzt nach dem Lebenselixier.


Aus dem Weltall gesehen kann der australische Eyre-See dem Betrachter durchaus einen Schrecken einjagen: Zeigt sich da etwa ein riesiger Schädel im Sand? Die US-Raumfahrtbehörde Nasa spricht von einem "Geistergesicht", das sich "aus der sanft-orangefarbenen Landschaft der Tirari-Wüste in Südaustralien abzuzeichnen scheint". Der Satellit "Aqua" nahm dieses Bild am 29. Oktober mit seinem Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (Modis) auf.

Eyre-See (Südaustralien): Salz scheint ein Gesicht zu formen
NASA / MODIS / Goddard Space Flight Center

Eyre-See (Südaustralien): Salz scheint ein Gesicht zu formen

Tatsächlich handelt es sich bei den "blassen, skeletthaften Strukturen" (Nasa) um die Salzkruste, die der ausgetrocknete Eyre-See im Sand hinterlassen hat. Wobei die Bezeichnung "See" täuscht: Normalerweise liegt Eyre trocken. Nirgends in Australien findet sich eine tiefere Senke im Gelände. 17 Meter unter dem Meeresniveau befindet sich Eyre, der gleichzeitig der größte Salzsee Australiens ist. Doch zu einer Art Toten Meers Australiens fehlt es dem Eyre-See eben meist am Wasser.

Die Senke wird von kurzlebigen Zuflüssen gespeist, vor allem nach heftigen Regenfällen. So können Salze und Sedimente marinen Ursprungs in das Bassin gelangen. Im 20. Jahrhundert gelang es diesen Arterien nur drei Mal, den Eyre-See komplett zu füllen. In diesen seltenen Momenten ist er der flächenmäßig größte See des Kontinents. In der Bildergalerie " Landforms from Space" der australischen Regierung kann man sehen, wie der Eyre gefüllt aussieht.

Die Wüstensonne allerdings sorgte damals wie heute zuverlässig dafür, dass das Wasser sich nicht lange halten kann: Die Senke um den Eyre-See und die sich anschließende Wüste gilt als die größte Quelle von Staubwolken in der südlichen Hemisphäre.

stx

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