Satellitenbild der Woche: Gletscher auf Abwegen

Dynamik eines Giganten: In breiten Bahnen kriecht der Susitna-Gletscher in Alaska zu Tal. Ein Satellitenbild dokumentiert seine Geschichte - sie handelt von Erdbeben und dem ewigen Kampf ums Bestehen.

Susitna-Gletscher in Alaska: In die Tiefe gezogen Zur Großansicht
NASA

Susitna-Gletscher in Alaska: In die Tiefe gezogen

Wie Speiseeis wirkt der Susitna-Gletscher in Alaska. Doch die verschiedenen Farben auf dem unlängst veröffentlichten Satellitenbild der Nasa zeigen keine unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Zu erkennen sind Vegetation (rot), staubhaltiger Gletscher (braun) und staubarmer Gletscher (hellblau) sowie Eiskappen (weiß). Unterschiedliche Wellenlängen reflektierter Strahlung wurden mittels des Satelliten "Terra" in Falschfarben übersetzt - so lassen sich die Kontraste der Landschaft besser erkennen.

Solche Satellitenbilder helfen Wissenschaftlern, das Strömen von Gletschern zu verstehen. Noch immer suchen sie die Antwort auf eine wichtige Frage: Wie schnell schmelzen die Eispanzer? Ein gefährlicher Anstieg der Weltmeere droht.

Inzwischen haben Glaziologen erkannt, dass Schmelzwasser die Gletscher beschleunigt wie Motoröl: Es bildet Seen auf dem Eis und fließt durch Spalten auf den Boden, wo es als Schmiermittel wirkt und den Abfluss der Gletscher ins Meer beschleunigt. An den Küsten dringt sogar Meerwasser landeinwärts weit unter die Eiszungen und schmilzt sie von unten ab.

Dem Susitna-Gletscher meinten Forscher sogar beim Sterben zuhören zu können: Im November 2002 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,9 Alaska. Der Gletscher rumpelte und zerbrach, Tausende Risse bildeten sich im Eis. Die meisten Gletscherspalten jedoch entstanden beim Fließen des Gletschers Richtung Tal: Unebenheiten am Boden pausen sich durch die Eismasse, der Gletscher legt sich in Falten.

Die Erdanziehungskraft zieht Gletscher zu Tal, wo sie ins Meer fließen. Frischer Schnee im Gebirge bringt Nachschub. Woher der Susitna-Gletscher neue Nahrung bekommt, ist auf dem Satellitenbild deutlich zu erkennen: Die Quellen liegen dort, wo das frische weiße Eis ins bläuliche übergeht. Tief reicht der Susitna allerdings nicht: Vegetation hat das Eis im Tal großflächig verdrängt, Pflanzen sind auf dem Vormarsch.

boj

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