Satellitenbild der Woche Klimaphänomen El Niño kommt zurück

Zu Weihnachten bringt es Dürre nach Asien und Fluten an die US-Küste - El Niño, das Christkind. Lange bangten Forscher und Ozean-Anrainer vor den Kapriolen des Wetterphänomens. Jetzt kommt es zurück: Aus dem All lässt sich bereits beobachten, wie sich das Wasser im Pazifik aufheizt.


Alle drei bis sieben Jahre taucht El Niño auf - zuletzt um die Jahreswende 1997/1998: Damals richteten verheerende Fluten an der kalifornischen Küste Schäden in Millionenhöhe an. Das zerstörerische Klimaphänomen ließ sich viel Zeit. Doch jetzt taucht El Niño wieder auf. "Satellitendaten deuten darauf hin, das El Niño in den tropischen Pazifik zurückgekehrt ist", teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

El Niño: Der rote Streifen ist ein Hinweis auf die Rückkehr des Naturphänomens. Hier war das Wasser im September 2006 wärmer als im langjährigen Durchschnitt
NASA / JPL

El Niño: Der rote Streifen ist ein Hinweis auf die Rückkehr des Naturphänomens. Hier war das Wasser im September 2006 wärmer als im langjährigen Durchschnitt

Während einer El Niño-Episode erwärmt sich das Wasser im mittleren und östlichen Pazifik. Das physikalische Zusammenspiel von Winden, Meeresströmungen sowie der Temperatur im Meer und in der Luft bricht schließlich zusammen. Dadurch schöpft dieses Naturphänomens seine zerstörerischen Kräfte: Winterstürme über Kalifornien und den südlichen US-Bundesstaaten sind keine Seltenheit; Dürreperioden in Australien und Teilen Südasiens auch nicht.

Das Wetter ändert sich derart dramatisch, weil bei einem El Niño warmes Wasser aus dem tropischen Pazifik ostwärts zieht. Dabei steigen ungewöhnlich viel Wärme und Feuchtigkeit in die Atmosphäre auf. Weil das immer im Dezember und Januar geschieht, wird das Phänomen El Niño genannt - Spanisch für Christkind oder Junge.

Dass ein El Niño sich entwickelt, schließen Wissenschaftler aus verschiedenen Anzeichen. Eines davon: Wärmeres Wasser dehnt sich stärker aus. Dadurch ändert sich lokal die Meereshöhe. Diese hat der Nasa-Satellit "Jason" vermessen. Ein Bild aus den Daten des Satelliten zeigt nun Berge warmen Wassers im Pazifik, dort wo sich gerade ein El Niño entwickelt - erkennbar als roter Streifen am Äquator.

Für dieses Satellitenbild wurde der Durchschnitt aus den Daten ermittelt, die in zehn Tagen um den 15. September 2006 herum gesammelt wurden. Diese durchschnittliche Höhe der Meeresoberfläche haben die Forscher mit dem Mittelwert langjähriger Beobachtungen von 1993 bis 2005 verglichen. Die Abweichungen vom Mittel werden in der Farbgebung deutlich: Gelb, Orange und Rot stehen für Wasseroberfläche, die im September höher war als der Vergleichswert. Dort wo die Meeresoberfläche kühler - also auch niedriger - war als im Durchschnitt der vorherigen Jahren, erscheinen die Farben Blau oder Violett. Unveränderte Meereshöhen sind grün dargestellt.

Das rote Band deuten die Nasa-Forscher als einen sich entwickelnden El Niño. Der bereitet den Wissenschaftlern jedoch noch keine Sorgen. Momentan sehe es so aus, als wäre dieser El Niño zu schwach, um einen größeren Einfluss auf die Wetterentwicklung zu haben, sagte Bill Patzert, Ozeanograph und Klimatologe am Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Er räumte jedoch ein: "Wenn sich das Meereswasser weiterhin erwärmt und ostwärts ausbreitet, könnte El Niño allerdings kräftiger werden."

fba

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