Satellitenbild der Woche: Leben und Sterben am Jangtse

Die chinesische Metropole Shanghai hat ein Platzproblem. Aus dem All lässt sich die Größe des Molochs gut erkennen. Die Behörden haben sich nun einen kuriosen Plan ausgedacht, um des Problems Herr zu werden.

Shanghai aus dem All: 28 Millionen Menschen - und wenig Platz Zur Großansicht
CNES/ Spot Image/ ESA

Shanghai aus dem All: 28 Millionen Menschen - und wenig Platz

Berlin - Wie viele Menschen genau in der chinesischen Metropole Shanghai leben, weiß niemand so recht. Es dürften im gesamten Ballungsraum wohl mehr als 28 Millionen sein - und die boomende Hafenstadt wächst ständig weiter. Und das wiederum sorgt für Platzprobleme in den Straßenschluchten, dicht gedrängt an den Flussufern des Jangtse. Zwar wird ständig mit großem Aufwand weiteres Land trockengelegt, doch das ist längst nicht genug.

Sogar für Friedhöfe wird der Platz knapp. Deswegen zahlen die Behörden von Shanghai seit dem Jahr 2003 eine kurios anmutende Prämie: Wer sich im Wasser bestatten lässt, hat Anspruch auf die Zahlung. Wie eng es tatsächlich in der chinesischen Metropole ist, das lässt sich auf diesem Bild des kommerziellen, in Frankreich gebauten Satelliten "Spot-5" erkennen. Es zeigt den dicht bebauten Großraum der Hafenstadt aus mehr als 800 Kilometern Höhe.

Der in dieser Aufnahme zu sehende Jangtse mündet schließlich ins Ostchinesische Meer. Zu sehen sind auch die Inseln Chongming (oben im Bild) und Changxing (darunter), auf denen vorwiegend Landwirtschaft betrieben wird.

Ein Teil von Changxing bildet das Trinkwasserreservoir Qingcaosha. Dort werden 400 Millionen Kubikmeter Trinkwasser für Shanghai gespeichert. Im Flussabschnitt nahe des Reservoirs haben die Behörden gerade zehntausende von Krabben aussetzen lassen. Die Tiere sollen das Plankton im Wasser fressen und so die Wasserqualität erhöhen. Außerdem sollen sie Fischen als Nahrung dienen, die dann wieder konsumiert werden können.

Aber noch einmal zurück zu den Wasserbestattungen: Die Zeitung "China Daily" berichtet, dass die Prämie dafür gerade kräftig erhöht wurde. Sie sei von umgerechnet gut 20 Dollar im Jahr 2003 auf mittlerweile rund 320 Dollar geklettert. Kinder, die nicht für die Bestattungskosten ihrer Eltern aufkommen könnten, hätten die Möglichkeit, sich bei den Behörden nach einer Gratis-Seebestattung zu erkundigen.

chs

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