Satellitenbild der Woche Leuchtende Seen in dünner Luft

Gewaltige Berge, riesige Gletscher, endlose Ebenen: Das Hochland von Tibet ist eine der faszinierendsten Regionen der Erde. Ein Satellitenbild zeigt eine der weniger bekannten Seiten der Hochebene: Zahlreiche Salz- und Süßwasserseen, die in prächtigen Farben schimmern.

NASA

Das Hochland von Tibet ist nicht nur landschaftlich einzigartig, es spielt auch eine Schlüsselrolle für ganz Asien. Die meisten großen Flüsse des Kontinents entspringen auf der sogenannten Qinghai-Tibet-Hochebene und sichern so die Lebensgrundlage Hunderter Millionen Menschen.

Weniger bekannt ist ein anderes Kennzeichen der Hochebene: Sie enthält zahlreiche Salz- und Süßwasserseen. Aus dem All betrachtet leuchten sie in vielen Blau- und Grüntönen, wie dieses Echtfarbenbild zeigt, das der Nasa-Satellit "Aqua" am 10. November aufgenommen hat. Die Farbunterschiede kommen durch Unterschiede in der Tiefe sowie der Zusammensetzung der Sedimente und der Mikroorganismen zustande.

Die Seen der Region haben oft keinen Abfluss. Auf diese Weise können sich Mineralien anreichern, die zur Farbgebung der Seen beitragen. Unter den größten befindet sich Nam Co, der sich auf einer Höhe von 4718 Metern befindet und damit zu den höchstgelegenen Salzseen der Welt gehört. Er ist rund 79 mal 25 Kilometer groß und erscheint nahezu komplett blau.

Messungen im Jahr 2006 haben ergeben, dass die Hälfte des Sees Wassertiefen von mehr als 90 Meter besitzt - Tendenz steigend. Denn das Wasser rinnt immer schneller von den Gletschern in die Seen: Studien zufolge ist der Pegel des Nam Co sowohl zwischen 1976 und 2001 als auch in den Jahren 2005 und 2006 gestiegen.

Ähnlich sieht die Lage am Siling Co aus, der mit 78 mal 21 Kilometern fast genauso groß ist wie der Nam Co und auf einer Höhe von 4530 Metern liegt. Der Salzsee hat zwischen 1976 und 1999 ebenfalls an Pegel zugelegt.

Eine besonders auffällige Erscheinung ist der Ngangla Ringco, der nicht nur eine außergewöhnliche Form besitzt, sondern auf dem Foto aus dem All auch in Farben von Türkis bis Tiefblau schimmert. Der See liegt mit 1689 Metern deutlich tiefer als die beiden anderen und ist auch nicht gewachsen, sondern geschrumpft: Zwischen 1977 und 1999 sank sein Wasserstand. Damit ähnelt Ngangla Ringco den meisten Seen des Tibetischen Hochlands, die laut einer Studie von 2008 kontinuierlich an Wasser verlieren. Forscher vermuten den globalen Klimawandel als eine der Ursachen.

mbe

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