Satellitenbild der Woche Weißes Wasser

Wundersames erschien in den Wassern des Ontariosees - das konnten die Astronauten der Internationalen Raumstation und ein Nasa-Satellit aus dem All erkennen. Doch erst eine Forschungsmission am Boden brachte Klarheit, was sich dort tat.

Ontariosee aus dem All: Verfärbtes Wasser
NASA

Ontariosee aus dem All: Verfärbtes Wasser


Auf den ersten Blick könnte man das ganze für eine großflächige Phytoplanktonblüte halten, wie sie Satelliten immer wieder einmal aus dem All fotografieren. Sie kommt zustande, wenn der Wind mineralische Nährstoffe vom Land in die obersten Wasserschichten trägt. Dort lassen diese dann winzige Lebewesen sprießen. Doch das Phänomen, das die aktuelle Besatzung der Internationalen Raumstation vor einigen Tagen in Nordamerika beobachten konnte, hat andere Hintergründe.

Zunächst hatten sommerliche Temperaturen dafür gesorgt, dass das Wasser im gut 25.600 Quadratkilometer großen Ontariosee immer wärmer wurde. Dadurch vermehrten sich Mikroorganismen im Wasser, die Photosynthese betreiben. Das wiederum sorgte dann dafür, dass sich im Wasser des Sees immer weniger CO2 fand - denn das brauchten die schwimmenden Winzlinge schließlich zur Energiegewinnung.

In der Folge stieg der pH-Wert des Wassers langsam aber stetig an, es war quasi der umgekehrte Effekt der rund um die Welt stattfindenden Ozeanversauerung. Im basischer werdenden Wasser des Sees verbanden sich dort bis dahin gelöst vorkommende Calcium- und Carbonat-Ionen. Unlösliches Calciumcarbonat entstand - Experten sprechen von einer biogenen Kalkfällung.

Schiff brachte Klarheit

Genau genommen war es so, dass die Substanz auf der Oberfläche der im Wasser schwimmenden Mikroorganismen auskristallisierte - und so für das Farbphänomen sorgte. Beim Blick aus dem All war das nicht ohne weiteres zu erkennen. Zwar hatte nicht nur die ISS-Crew das weiße Wunder im Ontariosee fotografiert, sondern auch der Nasa-Satellit "Aqua". Doch in einer ersten Pressemitteilung der US-Weltraumbehörde war zunächst von einer Phytoplanktonblüte die Rede. Messungen eines Forschungsschiffs des kanadischen Umweltministeriums konnten jedoch ausschließen, dass es sich um solch eine Algenblüte handelte.

In der Vergangenheit war es häufig zu biogener Kalkfällung im Ontariosee gekommen, ebenso im benachbarten Erie- und im Michigansee. Doch seit den Neunzigern war das Phänomen nur noch selten aufgetreten. Schuld daran war die Wandermuschel, die sich massenhaft in den großen Seen breitgemacht hatte. Die Tiere lagern das Calcium in ihren Schalen ein - und entziehen es so dem Wasser.

In diesem Sommer war das Wasser dann wieder weiß. Zu Ende geht das Spektakel übrigens dadurch, dass sich irgendwann zu viel Kalk auf den Mikroorganismen ablagert - und diese auf den Boden des Sees absinken.

chs



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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
dilpagal 07.09.2013
1. Eriesee oder Ontariosee?
Ich nehme an das sollte durchgehend im Artikel Ontariosee heißen. Oder?
inecht 07.09.2013
2. Ontariosee!
... nicht Eriesee.
Hudsonbln 07.09.2013
3. falscher See
Sie sprechen die ganze Zeit vom Eriesee, aber auf dem Bild ist der Ontariosee zu sehen.
grogorick 07.09.2013
4. Erie- oder Ontariosee
Bin etwas verwirrt, da auf dem Bild der Ontariosee zu sehen ist, im Text aber vom Eriesee geredet wird. Was ist richtig ?
thrill 07.09.2013
5. Qualitätsjournalismus
Der Name des Sees ist vertauscht, die Grammatik ist holprig, und ein Link zur "biogenen Kalkfällung im Ontariosee" führt in Wirklichkeit zu einem Artikel über Algenblüte vor den Falklandinseln. Welcher Praktikant hat diesen Artikel verzapft?
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