Satellitenfotos Rätsel um Mars-Loch gelöst

Der geheimnisvolle schwarze Fleck auf der Marsoberfläche ist enträtselt: Auf einem Satellitenfoto sind Wände eines Schachts erkennbar, die auf früheren Fotos nicht zu sehen waren. Offenbar entstand das Loch durch Lavaströme.


Der nahezu perfekte schwarze Kreis verblüffte die Planetenforscher: Im Mai hatten Astronomen ein Loch in der Marsoberfläche entdeckt - auf Fotos der US-Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" und des europäischen Satelliten "Mars Express". Keines der Fotos erlaubte Rückschlüsse auf das Innere des schwarzen Mysteriums. Mehr als Bildrauschen konnten die Astronomen kaum erkennen.

Ein neues Foto der "HiRise"-Kamera an Bord des "Mars Reconnaissance Orbiter" bringt nun buchstäblich Licht ins Dunkel. Am 8. August schoss das Gerät ein Foto, als die Sonne bereits etwas tiefer stand und aus westlicher Richtung in das Loch leuchtete. So bekamen die Forscher zu Gesicht, was ihnen bis dahin verborgen geblieben war: die Wände des Schachts.

Damit sei bewiesen, dass es sich um eine vertikale Lavaröhre handle, berichten die Forscher von der University of Arizona, die für die "HiRise"-Kamera verantwortlich sind. Der Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum, verantwortlich für die Stereokamera an Bord von "Mars Express", hatte bereits im Mai gegenüber SPIEGEL ONLINE die Lavaröhren-Theorie ins Spiel gebracht.

Derartige Löcher existierten auch bei Vulkanen auf Hawaii. Sie entstünden durch unterirdische Zusammenbrüche und seien in der Regel nicht mit offenen Kammern verbunden. Anhand des neuen Fotos schätzen die US-Experten, dass das Loch mindestens 78 Meter tief sein muss und einen Durchmesser von knapp 160 Metern besitzt.

Die Einschätzung der US-Forscher bestätigt auch eine These des deutschen Science-Fiction-Autors und Physikers Herbert W. Franke. Er hatte schon im Jahr 2000 darauf hingewiesen, dass es aus physikalisch-theoretischen Gründen in den Lavaschichten des Planeten Mars große Höhlensysteme geben müsse - ähnlich wie jene auf Hawaii, die Franke selbst besichtigt hatte.

"Große Teile des Mars müssen von Höhlen geradezu wie ein Schweizer Käse durchlöchert sein", sagte Franke im Jahr 2004 in einem SPIEGEL-Interview. Auf dem Planeten gebe es erstarrte Lavaströme, also müsse es dort auch Höhlen geben, "weitaus größer als jene der Erde, denn der beschriebene Vorgang der Röhrenbildung beruht auf einem Naturgesetz, das nicht nur für unseren Planeten, sondern im gesamten Weltraum gültig ist".

hda



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