Ultrascharfe Satellitenfotos So erfahren Sie, was Ihr Nachbar treibt

Wie viele Personen sitzen am Gartentisch? Und steht das rote Auto noch vor der Tür? Detaillierte Satellitenfotos können solche Informationen liefern. Eine US-Firma bietet den Dienst mit einer enorm hohen Auflösung an.

DigitalGlobe

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Spionage war früher ein Geschäft für Profis. Doch im Zeitalter von Drohnen, Keyloggern und gehackten Mobiltelefonen kann fast jeder ein bisschen James Bond spielen. Neugierige können nun sogar extrem hochaufgelöste Satellitenbilder ordern und beispielsweise herausfinden, was der Nachbar hinter seiner hohen Hecke treibt.

Die US-Firma DigitalGlobe hat bekannt gegeben, dass sie ab sofort alle Kunden mit ultrascharfen Aufnahmen der Erdoberfläche beliefert. Dank des im August 2014 gestarteten Satelliten "WorldView-3" liege die Auflösung bei 30 Zentimetern pro Bildpunkt, teilte das Unternehmen mit.

Das reicht aus, um Personen als Punkte zu erkennen. Beispielbilder (siehe Fotostrecke oben) demonstrieren, dass man gut studieren kann, was im Moment der Aufnahme beispielsweise an Deck an Deck einer Jacht geschah. Autos sind sehr gut zu identifizieren, selbst Hydranten und Gullydeckel zumindest zu erahnen.

Zielgruppen: Hilfsorganisationen und Geheimdienste

"WorldView-3" umkreist die Erde in einer Höhe von 620 Kilometern, also etwas oberhalb der Bahn der Internationalen Raumstation ISS. Er überfliegt in jedem 100 Minuten dauernden Orbit einen anderen Streifen der Erde. "Bestellte Bilder können binnen Tagen oder Wochen geliefert werden", teilt DigitalGlobe mit. Dank der hohen Auflösung seien teure, von Flugzeugen aus geschossene Luftaufnahmen in vielen Fällen nicht mehr nötig.

Die Firma vermarktet ihre neuen 30-Zentimeter-Fotos an sehr unterschiedliche Kunden: staatliche Verwaltungen, Militärs, Geheimdienste, Energiekonzerne, Bergbauunternehmen, Hilfsorganisationen. Ein Abnehmer von DigitalGlobe-Aufnahmen ist auch Google mit seinem Kartendienst Google Earth.

Noch vor 15 Jahren war es unvorstellbar, dass so hoch aufgelöste Satellitenbilder frei verkauft werden. Zu groß war die Angst etwa der US-Geheimdienste und -Militärs, dass die Informationen in falsche Hände geraten könnten. Doch mittlerweile dürfen private Satellitenbetreiber mit ultrascharfen Fotos Geschäfte machen, solange sie sich an bestimmte Spielregeln halten. So hat DigitalGlobe erklärt, dass Aufnahmen tabu seien, die die nationale Sicherheit der USA berühren könnten.

Spezielle Umlaufbahn für Spionage

Auch in Deutschland sind hochaufgelöste Aufnahmen aus dem All streng reglementiert. Das Satellitendatensicherheitsgesetz soll gewährleisten, dass die Sicherheit Deutschlands und seiner Partner nicht gefährdet wird. Dadurch ist beispielsweise die Verbreitung von Aufnahmen militärischer Objekte der US-Armee verboten.

30 Zentimeter sind übrigens keinesfalls die höchstmögliche Auflösung von Aufnahmen aus dem All. Mit einer noch aufwendigeren Optik ließe sie sich sicher weiter steigern. Man könnte jedoch auch den Abstand des Satelliten zur Erde verringern. Wäre "WorldView-3" statt in 620 nur in 120 Kilometern Höhe unterwegs, läge die Auflösung theoretisch bei nur noch sechs Zentimetern.

Umlaufbahnen in solch geringen Höhen hätten aber einen entscheidenden Nachteil: Die dort immer noch vorhandene dünne Atmosphäre würde den Satelliten permanent abbremsen, so dass er sich nur einige Tage oder Wochen in der Umlaufbahn halten könnte, bis er verglühte.

Um dieses Problem zu umgehen, nutzen Spionagesatelliten eine ganz spezielle Umlaufbahn - den sogenannten Molnija-Orbit. Dabei kommt der Satellit der Erde auf einem kurzen Teilstück der elliptischen Umlaufbahn sehr nahe, mitunter bis auf 160 Kilometer. Der Satellit entfernt sich danach aber wieder sehr weit von der Erde, sodass die Abbremsung in der hohen Atmosphärenschicht weniger ins Gewicht fällt.

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