Saturnmond Dione Der perfekte Schneeball

Die Raumsonde "Cassini" hat eines der bisher schönsten Bilder aus der Saturn-Umlaufbahn zur Erde geschickt. Es ist das Foto eines nahezu perfekten Schneeballs in Mondgröße.


Hell leuchtend schwebt der Mond Dione über den Saturnringen, weiß gegen die sanften Nuancen des Saturn, wie eine Eiskugel vor ihrem Sturz in einen Café frappé. Am 11. Oktober raste die Raumsonde "Cassini" an dem Saturnmond vorüber. Bereits am 14. Dezember 2004 hatte der europäisch-amerikanische Orbiter den 1118 Kilometer messenden Trabanten erstmals in einem Abstand von 83.000 Kilometern passiert. Doch dieses Mal sollte es ein Rendezvous in nur 500 Kilometern Entfernung werden, das einzige in dieser Nähe.

Saturnmond Dione: Eisige Kugel im All
NASA/JPL/Space Science Institute

Saturnmond Dione: Eisige Kugel im All

Aus einer Distanz von etwa 39.000 Kilometern entstand die Weitwinkel-Aufnahme, die Esa, Nasa und die italienische Weltraumagentur Asi nun präsentieren. Drei Aufnahmen mit blauen, grünen und infraroten Spektralfiltern wurden so angepasst, dass der Mond in etwa so aussieht, wie das menschliche Auge ihn wahrnehmen würde. Die Auflösung beträgt etwa zwei Quadratkilometer pro Pixel. Da "Cassini" sich fast in der Ebene der Saturnringe bewegte, erscheinen der C-Ring und der B-Ring des Planeten nur als hauchdünne Streifen am unteren Bildrand. Ihre Schatten, die als gekrümmte Linien weiter oben zu sehen sind, erinnern jedoch an ihre gewaltige Ausdehnung.

Der Mond selbst gehört zum sehr lockeren E-Ring. Die "Cassini"-Forscher wollen unter anderem untersuchen, ob Dione wie sein Brudermond Enceladus Material an den Ring abgibt oder inwieweit der Ring den Mond beeinflusst. Einige Theorien gehen davon aus, dass es sich bei den Saturnringen um zerbrochene Trabanten handelt.

Die eisige Oberfläche von Dione ist überzogen mit Kratern und Rissen in Breitenrichtung, die laut Nasa durch tektonische Bewegungen entstanden sein sollen. Farbunterschiede zwischen dem Eis an der Oberfläche und Eis in den Gräben von Dione führt Nasa-Wissenschaftlerin Amanda Hendrix auf unterschiedliche Korngrößen des Eises zurück.

Unterwegs zum Kartoffelmond

Die europäisch-amerikanische Mission "Cassini-Huygens" startete am 15. Oktober 1997 und sammelte auf ihrem Weg zum Saturn auch Daten vom Jupiter. Im Juli 2004 erreichte sie ihr Ziel, im Dezember löste sich das Landemodul "Huygens" von "Cassini" und flog den Saturnmond Titan an. Der Orbiter "Cassini" soll in vier Jahren 75 Saturnumkreisungen absolvieren.

Eines der Ziele ist es, das Rätsel der Saturnringe zu lösen, deren Entstehung und Struktur noch teilweise ungeklärt sind. Als nächstes widmet sich die Sonde jedoch dem winzigen Mond Telesto - nicht gerade eine Schönheit, denn seine Form erinnert am ehesten an eine Kartoffel.

Thomas Mader



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