Saturnmond Titan: Experiment stärkt Hoffnung auf außerirdisches Leben

Neue Hinweise auf Leben am Saturn: In der Atmosphäre des Monds Titan können die Grundbausteine des Lebens entstehen, wie Laborexperimente ergeben haben. Zur Überraschung der Forscher war dazu kein Wasser nötig.

Titan: Kandidat für Leben Fotos
ESA

Pasadena - Auf den ersten Blick wirkt Titan nicht gerade heimelig: Auf dem Saturnmond herrschen durchschnittlich minus 180 Grad Celsius, statt Wasser regnet es Methan. Dennoch haben sich in den vergangenen Monaten die Hinweise verdichtet, dass der Mond trotz allem ein Ort des Lebens sein könnte: Die Ozeane könnten Mikroorganismen eine Heimat bieten und im Juni haben Forscher sogar Hinweise auf Stoffwechselvorgänge entdeckt, die von primitiven Lebensformen stammen könnten.

Jetzt stärken Laborversuche den Verdacht, dass Titan neben der Erde der zweite Ort für Leben im Sonnensystem sein könnte. US-Forscher haben die Bedingungen in der titanischen Gashülle simuliert. Heraus kamen dabei Aminosäuren und die Basiskomponenten der Erbsubstanzvarianten DNA und RNA, erklärten Sarah Hörst und Roger Yelle von der University of Arizona auf dem Jahrestreffen der planetologischen Abteilung der American Astronomical Society in Pasadena.

Erstaunlicherweise sei flüssiges Wasser, das eigentlich als unverzichtbare Voraussetzung für die Existenz von Leben gilt, nicht erforderlich gewesen, so die Wissenschaftler. Das werfe die Frage auf, ob das Leben auf der Erde tatsächlich in einer Ursuppe entstanden ist. Möglicherweise habe es auch einen Urnebel gegeben, in dem Leben hätte entstehen können.

Aminosäuren auch ohne Wasser

Die intensive Strahlung, die die äußeren Schichten der Titanatmosphäre trifft, kann selbst die stabilsten Moleküle und stärksten chemischen Bindungen auseinanderreißen. Um zu testen, welche Folgen das haben kann, mischten Hörst und Yelle im Labor Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid, die Hauptbestandteile der dichten nebelartigen Atmosphäre des großen Saturnmondes. Diese Mixtur setzten sie dann einer starken Radiostrahlung aus und beobachteten, welche Reaktionen in dem Gasgemisch abliefen.

Obwohl kein Wasser vorhanden war, bildeten sich zur Überraschung der Forscher die beiden Aminosäuren Glycin und Alanin, die auf der Erde zu den Grundbausteinen der Proteine gehören, sowie alle fünf Basiskomponenten der Nukleinsäuren RNA und DNA: Cytosin, Adenin, Thymin, Guanin und Uracil. Die Reaktionen seien komplett innerhalb einer gasförmigen Umgebung abgelaufen, berichtete Hörst: "Wir brauchen kein flüssiges Wasser, wir brauchen keine feste Oberfläche. Wir zeigen, dass es möglich ist, sehr komplexe Moleküle in den äußeren Schichten einer Atmosphäre zu erzeugen."

Die Ergebnisse haben nach Ansicht der Forscher vor allem zwei interessante Aspekte: Zum einen befeuern sie erneut die Diskussion darüber, ob es Leben auf dem Titan gibt oder in Zukunft geben könnte. Zum anderen werfen sie ein neues Licht auf den Beginn des Lebens auf der Erde: Wenn Wasser nämlich nicht unbedingt eine Voraussetzung für die Bildung von Biomolekülen ist, könnten die ersten Lebensformen statt in den Ur-Ozeanen auch in der frühen Atmosphäre entstanden sein. Eine genauere Analyse der titanischen Gashülle soll nun helfen, diese Fragen zu klären.

mbe/dapd

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