Mikroorganismen Schimmel verfolgt Astronauten bis ins All

Einen hartnäckigen Verfolger werden Astronauten selbst im All nicht los: Schimmel könnte sich auf Raumstationen zum Gesundheitsrisiko entwickeln.

Computeranimation von Aspergillus fumigatus
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Computeranimation von Aspergillus fumigatus


Aspergillus fumigatus mag es gesellig. Am liebsten wächst er dichtgedrängt in Kolonien und bildet einen wuscheligen Flaum. Dazu verteilt er grüne Sporen. Aspergillus fumigatus ist ein Schimmelpilz.

Der Pilz gehört zu den häufigsten Spezies weltweit. Von der Sahara bis in die Antarktis kommt er praktisch überall vor. Nun ist klar: Der Schimmelpilz kann auch schwerelos. Er entwickelt sich auf der Internationalen Raumstation ISS genauso gut wie auf der Erde, berichten Forscher im Fachmagazin "mSphere".

Hunderte Mikroorganismen-Arten leben auf der ISS

Benjamin Knox von der University of Wisconsin-Madison und Kollegen untersuchten nun Proben von Filtern und Oberflächen aus der ISS auf Mikroorganismen. Insgesamt wiesen die Forscher 200 Bakterien- und Pilzisolate nach, darunter auch Aspergillus fumigatus. Wie es der Schimmelpilz auf die ISS geschafft hat, ist unklar.

Zwanzig Jahre lang hatte niemand den Pilz beachtet. Es war zwar bekannt, dass Gießkannenschimmel, zu denen auch Aspergillus fumigatus gehört, auf der ISS vorkommen, welche genau wusste jedoch niemand.

Das Forscherteam verglich die Aspergillus-fumigatus-Vertreter der ISS mit Exemplaren auf der Erde. Die Untersuchungen zeigten, dass die Pilze aus dem All genauso schnell wuchsen und genauso stressresistent waren wie ihre terrestrischen Verwandten. Außerdem gab es keine auffälligen genetischen Abweichungen. Der Aufenthalt auf der ISS hatte den Pilzen offenbar nichts ausgemacht.

Pilze aus dem All waren infektiöser

In Versuchen mit Zebrafischlarven testeten die Forscher außerdem, wie leicht der Kontakt zu den unterschiedlichen Pilzvarianten zu einer schweren Infektion führte. Demnach verliefen Erkrankungen mit den Varianten aus dem All häufiger tödlich für die Fische. Allerdings muss das nicht zwingend mit dem Aufenthalt der Pilze in der Schwerelosigkeit zusammenhängen.

"Wir haben zwar einen Unterschied bei der Virulenz festgestellt, aber wir glauben, dass das innerhalb der Variationsbreite terrestrischer Proben liegt", erklärt Knox. Das variable Erscheinungsbild von Aspergillus fumigatus weise darauf hin, dass er auch auf der Erde in unterschiedlich aggressiven Formen vorkommt.

Dass Tiere und Pflanzen in der Schwerelosigkeit überleben können, wurde bereits bei vorherigen Experimenten deutlich. Bärtierchen überleben sogar einen Weltraumspaziergang ganz ohne Raumanzug. Und Astronauten konnten auf der ISS bereits selbst angebauten Salat verspeisen.

Schimmelpilze können für Astronauten gefährlich werden

Die neuen Forschungsergebnisse über Schimmelpilze sind deshalb wichtig, weil sie Informationen für die bemannte Raumfahrt liefern. Da Aufenthalte im All immer länger dauern, ist es umso wichtiger, die Auswirkungen des Pilzwachstums auf die menschliche Gesundheit zu erfahren.

Aspergillus fumigatus könnte den Astronauten gleich in zweierlei Hinsicht gefährlich werden: Wächst er zu stark, könnte er Allergien oder Atemwegsbeschwerden auslösen, vor allem da das Leben im All die Immunität der Astronauten schwächt. Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Mikroorganismen in geschlossenen Systemen wie der ISS stärker ansammeln.

Außerdem stehen die Pilze im Verdacht, Kabelisolierungen und Fensterdichtungen anzugreifen. Ein gefährlicher Effekt, wenn man in einer Raumstation unterwegs ist.

koe

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
permissiveactionlink 31.10.2016
1.
In einer Raumstation im Orbit um die Erde, die regelmäßige Versorgung erhält, und bei der die Besatzung sicher meist gefriergetrocknete Nahrung zubereitet, dürften immunologische Wirkungen der Schimmelsporen im Respirationstrakt der Besatzung, aber auch materialzersetzende Wirkung der Schimmelhyphen selbst im Vordergrund stehen. Das ändert sich sehr schnell, wenn die Besatzung auf interplanetaren oder gar -stellaren Flügen gezwungen ist, Nahrungsmittel selber anzubauen, zu verarbeiten und zu konservieren. Dann werden auch die Mykotoxine in den Nahrungsmitteln relevant : Die bekanntesten sind die Aflatoxine (Difuran-Cumarinderivate) aus Aspergillus-Arten und die Trichothecene aus Fumarium-Arten. Letztere produzieren eine Substanz, T2-Toxin, die als Chemiewaffe eingestuft ist, und wohl auch schon als solche eingesetzt wurde. Erhebliche Probleme machen Schimmelpilze in Klimaanlagen. Gerade in geschlossenen Lebenserhaltungssystemen dürften sie erhebliche (!) Gesundheitsrisiken darstellen.
postit2012 31.10.2016
2. 10 Minuten
lüften sollte helfen...
Mertrager 31.10.2016
3. Und wenn der Schimmel besiegt ist
quilt ein Steuerbescheid unter der Bodenleiste raus. Denn die Steuer ist noch hartnäckiger als jeder Schimmelpilz. ;-)
Tiananmen 31.10.2016
4. Es ist Illusion
Es ist Illusion zu glauben, dass Pilze, Bakterien und Viren keinen Einfluss auf bemannte Raumfahrtprojekte haben sollen. Selbst, wenn das ganze Equipment steril in die Station/das Raumschiff kommen sollten, wird es schwierig sein, das ganze mit dem fliegenden Personal zu wiederholen. Im Übrigen zeigt der Beitrag ganz nebenbei, wie wenig wir fähig sind, genaue Aussagen über irdische Lebewesen zu machen. Da kann nicht einmal mit Sicherheit ausgesagt werden, ob sich Aspergillus in der Raumstation verändert hat. "Demnach verliefen Erkrankungen mit den Varianten aus dem All häufiger tödlich für die Fische. Allerdings muss das nicht zwingend mit dem Aufenthalt der Pilze in der Schwerelosigkeit zusammenhängen. Wir haben zwar einen Unterschied bei der Virulenz festgestellt, aber wir glauben, dass das innerhalb der Variationsbreite terrestrischer Proben liegt“. Aha. Glauben. Nicht etwa Wissen. Nicht mal über die häufigsten Schimmelarten bei uns auf der Erde. Das jüngste Beispiel mit den DNA-Spuren im Fall „Peggy“ sollte uns zeigen, wie fehlerempfindlich die Suche nach feinsten Spuren ist. Und der Beitrag zeigt, welche Konzentrationen von Keinem sich in der isolierten Umgebung eines Raumschiffs ansammeln können. Ich bin weiß Gott ein begeisterter Beobachter der Forschung im All, aber wenn wir vor unserer Haustür nicht Bescheid wissen, dann können wir auch keine seriöse Forschung z.B. auf dem Mars betreiben.
Knossos 31.10.2016
5. An die Grenzen und bis über das Sonnensystem hinaus
auf jene konventionelle Weise reisen zu wollen, wie sich das derzeit sogar noch Spezialisten vorstellen (, die von blindem Ehrgeiz und üppigen Bezügen statt vom Verstand beflügelt sein dürften), ist nicht nur wegen biologischer / mikrobieller Problematik und anderer physikalischen Phänomene wie der Teilchenstrahlung utopisch. Es gibt da auch noch stur verworfene Begebenheiten der Psyche und die Tatsache, daß der Mensch nur im Zusammenspiel mit Mitgeschöpfen und natürlicher Umgebung menschlich sein und bleiben kann. Außerdem ist eine wasserköpfige Spinnerei von der Raumfahrt ausgerechnet in ignoranter Zeit, kurz vor dem ökologischen Kollaps auf Erden, so ziemlich das kontraproduktivste und sprichwörtlich idiotischste aller Augenmerke. Statt ohnmächtig desperaten Phantastereien vom Überleben auf öden Himmelskörpern, wäre ein Blick vor die Füße und darauf angezeigt, was das irdische Juwel primär verwüstet, und die Feststellung, wie man der Ursache beikommt. Verflixt nochmal: Es liegt auf der Hand, und nicht im Kosmos.
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