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Schlechte Schutzhülle: Selbst kleine Meteoriten durchstoßen die Atmosphäre

Die Erdatmosphäre schützt zumindest vor kleineren Meteoriten, glaubten Forscher. Doch ein Krater in Ägypten beweist: Es gibt keinen Schutz. Dort fanden Geologen Tausende Splitter - sie stammen von einem kleinen Eisenbrocken aus dem Kosmos.

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Geophysiker vermessen den Kamil-Krater in Ägypten: Kleiner Brocken, große Wirkung

Geologen müssen nicht nur die Erde im Blick haben - sondern auch erkennen, was vom Himmel fällt: Meteoriten-Krater heben eine typische Struktur - der Boden ist von feinen, strahlenartigen Streifen durchzogen, sogenannten Strahlenkegeln. Sie entstehen nur, wenn ein Meteorit die Atmosphäre durchdringt und dann mit einer Geschwindigkeit von mehr als 11.000 Kilometern pro Stunde mit einer enormen Wucht auf die Erdoberfläche trifft. Die enormen Kräfte der Schockwellen führen zu den feinen Rissen auf dem Gestein.

Dass die Erdoberfläche nicht wie ein Schweizer Käse von kleineren Einschlagskratern durchlöchert ist, verdanken wir der Erdatmosphäre. Zumindest dachten Forscher das bisher: Bisher nahmen sie an, dass Eisenmeteoriten mit einer Masse von unter 3000 Tonnen beim Eintritt in die Erdatmosphäre zerbrechen. Dafür spricht beispielsweise die Tatsache, dass kleine Einschlagskrater auf der Erde äußerst selten vorkommen. Die wenigen sind teilweise oder sogar ganz ausgewachsen; lediglich 15 Krater mit einem kleineren Durchmesser als 300 Meter sind bekannt, doch haben alle ihre ursprünglichen Merkmale verloren.

Jetzt hat ein internationales Forscherteam aber festgestellt, dass der fünf bis zehn Tonnen schwere Meteorit Gebel Kamil gänzlich unzerstört in der ägyptischen Wüste eingeschlagen ist. Den Krater mit einem Durchmesser von nur 45 Metern hatten Geologen um Luigi Folco von der Università di Siena erst vergangenes Jahr entdeckt. Jetzt berichten die Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin "Science" über die Ergebnisse der Auswertung des Fundorts.

Spuren im Umkreis von 450 Metern

Die Forscher waren überrascht, als sie festellen mussten, dass Gebel Kamil erst durch die Wucht des Aufpralls in Tausende von Splittern zerborsten ist. Diese fanden sie noch im Umkreis von 450 Metern. Außergewöhnlich ist auch der Zustand des Kraters: Er weist tadellos erhaltene Strukturen auf, wie sie bisher nur auf Stein- und Eisplaneten beobachtet wurden, die keine Atmosphäre haben.

Insgesamt sammelten die Geologen im und um den Krater herum 5178 Bruchstücke des Eisenmeteoriten Kamil. Zusammen bringen diese ein Gesamtgewicht von rund 1,71 Tonnen auf die Wage. Die Masse des größten Fragments betrug 83 Kilogramm. Die Vielzahl der erhaltenen Splitter interpretieren die Forscher als Beleg, dass Gebel Kamil die Erdoberfläche traf, ohne zuvor in der Atmosphäre auseinandergebrochen zu sein.

Eine genaue Analyse der Zusammensetzung ergab, dass es sich bei dem Einschlagskörper im Kamil-Krater um einen sogenannten nickelreichen Ataxit handelt.

Nachdem die Wissenschaftler die Umgebung systematisch abgesucht und alle Bruchstücke des Meteoriten eingesammelt hatten, verwendeten sie Messungen des Magnetfelds, um auch im Boden verborgene Meteoritenbrocken aufzuspüren. Besonders im Norden, Südosten und Südwesten zeigten sich Höchstwerte, allerdings war keines der einzelnen Fragmente größer als zehn Zentimeter.

In Kombination mit den Daten des kürzlich im kanadischen Alberta entdeckten Whitecourt-Kraters kommen die Geoforscher nun zu dem Schluss, dass 35 Prozent der Meteoriten mit einer Masse von weniger als 3000 Tonnen in der Atmosphäre nicht zerbrechen.

cib/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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1. ...
piiter 23.07.2010
Ich denke mal, daß das Zerbersten/Nichtzerbersten neben der Kometenstruktur wohl auch sowohl von der Anfluggeschwindigkeit, als auch vom Anflugwinkel abhängt. Vielleicht wars ja auch ein UFO ???? ;-)
2. Schon morgen kann es jeden treffen !
frank_lloyd_right 23.07.2010
Wie man ja schon in "Lost" verfolgen konnte, dem TV-Serie gewordenen AdventureGame, bläst ja manchmal eine Meteorit sogar einen Chickenburgerladen glatt weg - the horror ! Seltsam, daß ich immer so positiv von ASTEROIDEN träume...
3. Ganz große Wissenschaft..
stonys_two_cents 23.07.2010
Science verkommt auch immer mehr zur Bildzeitung. Da stiefeln 18 Leute (Autorenliste) um ein 45m-Loch, sammeln Meteoritensplitter und machen noch ein paar hübsche Bodenradarbilder. Neben Souveniers bleibt am Ende nur die Behauptung, dass 35% der Eisenmeteoriten intakt am Boden ankommen, wo die herkommt bleibt offen. Schockwellen-Indikatoren werden auch nicht erwähnt, weshalb die genau genommen nicht mal beweisen könnten, dass es sich überhaupt um einen Meteoritenkrater handelt, wären da nicht die Meteoritensplitter in der Landschaft.. Vielleicht schicke ich auch mal ein paar Urlaubsphotos zu Science, noch irgendein Excel-Diagramm dazu und fertig. .
4. ...
Mindbender 23.07.2010
Zitat von sysopDie Erdatmosphäre schützt zumindest vor kleineren Meteoriten, glaubten Forscher. Doch ein Krater in Ägypten beweist: Es gibt keinen Schutz. Dort fanden Geologen Tausende Splitter - sie stammen von einem kleinen Eisenbrocken aus dem Kosmos. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,708143,00.html
Vor _Meteoriten_ (nb!) schützt unsere Atmosphäre nie, so klein sie auch sein mögen, wenn sie ankommen. Der Autor sollte sich mal erst über Begrifflichkeiten informieren bevor er hier einen Artikel schreiben will. *kopfschüttel
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