Mysteriöses Massemonster Forscher wollen erstmals Schwarzes Loch fotografieren

Albert Einstein hat ihre Existenz einst vorhergesagt, doch fotografiert wurde ein Schwarzes Loch noch nie. Ein weltweites Netzwerk von Teleskopen soll das nun ändern. Komplett schwarz wird das Foto wohl nicht sein.

Illustration eines Schwarzen Lochs
ESA/ Hubble/ ESO/ M. Kornmesser

Illustration eines Schwarzen Lochs


In Hollywood-Filmen wie "Interstellar" war schon oft eines zu sehen, aber in der Wirklichkeit warten Wissenschaftler auf der ganzen Welt sehnlichst darauf: auf ein Bild von einem Schwarzen Loch.

1915 stellte Albert Einstein erstmals die Theorie auf, dass es solche Orte der Extreme geben könnte, die alles anziehen und kein Licht nach außen lassen. Und ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Begriff "Schwarzes Loch" für derlei Phänomene allgemein etabliert wurde. Wirklich gesehen allerdings hat noch niemand eines.

Aufnahmen im April geplant

Das will ein Zusammenschluss internationaler Forscher nun ändern. Mit einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen (Event Horizon Telescope) - unter anderem am Südpol, in Europa und Nord- und Südamerika - wollen sie im April versuchen, erstmals ein Bild von einem Schwarzen Loch zu machen. Beteiligt sind unter anderem das Atacama Large Millimeter Array (Alma) in Chile und die Europäische Südsternwarte (Eso).

"Es gibt große Aufregung", sagte Projektleiter Shepherd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge dem Sender BBC. Im April werde man die Beobachtungen machen, die erstmals die Chance hätten, ein Schwarzes Loch in den Fokus zu bringen.

Zweifel an Einstein

Im vergangenen Jahr hatte das Event Horizon Telescope schon einmal versucht, das Schwarze Loch Sagittarius A* in der Milchstraße und ein weiteres abzulichten - ohne Erfolg. "Nichtssagende Kleckse" seien zu sehen gewesen, schrieb das "Science"-Magazin. Aber in diesem Jahr sind weitere leistungsstarke Teleskope zu dem Netzwerk dazugekommen.

Heller Ring um schwarzen Kreis

Einmal im Jahr wird das Teleskop-Netzwerk in Richtung der Schwarzen Löcher gerichtet, diesmal an fünf Nächten zwischen dem 5. und 14. April. Dann stehen die Chancen auf gutes Wetter an den beteiligten Teleskopen gut - aber sicher ist das nicht. Und wenn das Wetter schlecht ist, wird wieder kein Schwarzes Loch auf dem Bild zu sehen sein.

Wie sie sich ein Bild von einem eigentlich unsichtbaren Schwarzen Loch vorstellen, wissen die Forscher genau: als einen hellen Ring rund um einen schwarzen Kreis. Das Massemonster selbst ist schwarz, weil es wegen seiner starken Gravitation keine Lichtsignale abgeben kann. Der helle Ring stellt Gas und Staub dar, die von dem Loch extrem beschleunigt und schließlich verschlungen werden.

Wegen der extrem starken Schwerebeschleunigung heizt sich Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt, auf Millionen Grad Celsius auf und gibt dann Energie als Röntgenstrahlung ab.

Monatelanges Warten auf das Bild

"Es könnte aber auch sein, dass wir etwas ganz anderes sehen", sagt Projektleiter Doeleman. "Es ist zwar nie eine gute Idee, gegen Einstein zu wetten, aber wenn wir etwas sehen würden, das sehr anders ist als das, was wir erwarten, dann müssten wir die gesamte Theorie der Schwerkraft überdenken. Ich erwarte nicht, dass das passiert, aber alles könnte passieren, und das ist das Schöne daran."

Bis ein Bild - wenn die Aufnahme denn überhaupt gelingt - veröffentlicht werden kann, wird es noch Monate dauern. Ende des Jahres oder Anfang 2018 halten die Forscher für machbar.

Zunächst müssen die von allen teilnehmenden Teleskopen gesammelten Daten zusammengebracht und ausgewertet werden - nach Angaben der Forscher entspricht die Menge der von rund 10.000 vollgepackten Laptops. "Das ist eine Geduldsaufgabe", sagt Projektleiter Doeleman.

Christina Horsten, dpa/hda



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